Derendingen
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Derendingen ist der südlichste und mit knapp 6.000 Einwohnern zweitgrößte Stadtteil von Tübingen, nach Lustnau (10.000), gefolgt von Hirschau (über 3.000 Einwohner). Bereits 1934 eingemeindet, verfügen Derendingen und Lustnau über eine eigene Ortschaftsverfassung, einen Ortsbeirat und eine Geschäftsstelle der Stadtverwaltung. In den 1930er bis 60er Jahren sind Derendingen und Tübingen nahtlos zusammengewachsen.
Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Derendingen liegt auf der südlichen Neckarseite Tübingens am nordöstlichen Rand des Rammert-Bergzugs und im unteren Auslauf des Steinlachtals. Die Nordgrenze, zum Zentrum hin, bildet u.a. die Moltkestraße. Derendingen besteht aus drei statistischen Stadtteilen: Derendingen-Zentrum westlich der Bahnlinie, Feuerhägle einschließlich Mühlenviertel zwischen Bahnlinie und Steinlach, und im Süden Gartenstadt beidseits der Steinlach.
Ortsmitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Mit den alten Gebäuden entlang der Sieben-Höfe-Straße ist der historische Kern des früher eigenständigen Ortes klar erkennbar. Dennoch gibt es keinen zentralen Platz, etwa einen alten Marktplatz, weil das Dorf ähnlich wie Lustnau nie eigene Marktrechte besaß. Die Kirche liegt zu sehr am südlichen Ortsrand. Es hat sich aber so etwas wie eine "neue Mitte" herausgebildet: im Bereich des Bahnhofs, des Rathauses, der Mühlbach-Brücke, der Gaststätte Hirsch und der dort zusammenlaufenden Straßen. Durch einige Gestaltungsmaßnahmen soll dieser Bereich aufgewertet werden.
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Urkundlich wird der Ort erstmals 1089 in der Zwiefalter Chronik erwähnt. Alamannische Funde aus dem 7. Jahrhundert, darunter ein Goldblattkreuz, belegen jedoch eine deutlich frühere Besiedlung. Bei Renovierungsarbeiten der St.-Gallus-Kirche wurden 1979 Mauerreste einer ersten Kirche aus dem 7. Jahrhundert entdeckt. Sie geht wahrscheinlich auf die Missionstätigkeiten von Mitarbeitern des Heiligen Gallus (lat. der Kelte) zurück, ein Wandermönch aus Irland und Missionar, dessen hauptsächliches Wirken im Bodenseeraum stattfand. - Der Ort Derendingen entwickelte sich nördlich der Kirche in der Siedlungsform eines Straßendorfes mit mehreren Kurven (Sieben-Höfe-Straße).
- Bekannt wurde die St.-Gallus-Kirche auch durch die Tätigkeit des slowenischen Reformators Primus Truber im 16. Jahrhundert. Er war lange Zeit Pfarrer in Derendingen und starb dort am 28. Juni 1586. Die genaue Grabstelle in Derendingen ist unbekannt, jedoch erinnert eine Gedenkplatte in der Kirche an ihn.
- Mit Johann Ludwig Krapf, der am 11. Januar 1810 in Derendingen geboren und aufgewachsen ist, verfügt Derendingen über eine weitere besondere Persönlichkeit. Der evangelische Missionar in Ostafrika, der dem Pietismus nahestand, war außerdem Entdecker, Sprachforscher und Afrikaforscher. Eine der ersten Afrika-Reisebeschreibungen rund um den Kilimandscharo in Kenia stammt von ihm.
- Am 29. Juni 1869 wurde der erste Streckenabschnitt der Hohenzollernbahn zwischen Tübingen und Hechingen dem Verkehr übergeben. Der Bahnhof Derendingen ist heute ein Haltepunkt.
- 1877 gründeten norddeutsche Studenten im ehemaligen Gasthof Lamm die Vereinigung Derendingia, die bis heute als Tübinger Burschenschaft Derendingia mit Haus auf dem Schlossberg besteht.
- 1934 wurde Derendingen nach Tübingen eingemeindet. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Derendingen nur geringfügig zerstört, die evangelische Sankt-Gallus-Kirche wurde allerdings bei einem Luftangriff am 19. Oktober 1944 stark beschädigt.[1]
Sprachliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Ortsneckname der Derendinger ist Oiertreppler.
Die Lateinschüler des Tübinger Uhland-Gymnasiums nennen den Ort oft spaßeshalber harum rerum wie in deren Dingen.
Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Stadtteil ist zu erreichen mit der Bahnlinie Stuttgart - Sigmaringen zum Bahnhof Derendingen, innerhalb der Universitätsstadt Tübingen mit den Buslinien 3, 5 und 16. Über die B 27 Stuttgart - Hechingen, B 28 Herrenberg - Reutlingen oder K 6900 Weilheim-Bläsibad (zur B 27) sind die Steinlachtal-Orte wie Dußlingen und Mössingen mit dem Auto erreichbar.
Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Aus der Luft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]