Stubensandstein: Unterschied zwischen den Versionen

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Stubenstandstein wurde bereits vor der Römerzeit als Baustein verwendet und auch im Schönbuch abgebaut. Am [[Keltengrab]] von [[Kilchberg]] gibt es eine Stele aus der späten Jungsteinzeit in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr., und der [[Menhir von Weilheim]] ist ein Stubensandstein-Monolith aus der frühen Bronzezeit, der 1985 im Erdreich entdeckt wurde.   
Stubenstandstein wurde bereits vor der Römerzeit als Baustein verwendet und auch im Schönbuch abgebaut. Am [[Keltengrab]] von [[Kilchberg]] gibt es eine Stele aus der späten Jungsteinzeit in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr., und der [[Menhir von Weilheim]] ist ein Stubensandstein-Monolith aus der frühen Bronzezeit, der 1985 im Erdreich entdeckt wurde.   


=== Wo Abbau - wo Gebäudebau ===
=== Abbau und Verwendung ===
Historische Steinbrüche finden sich beispielsweise in [[Lustnau]], [[Kayh]] und [[Dettenhausen]]. Aus dem Stubensandstein des Schönbuchs wurden die unterschiedlichsten Gebäude errichtet, wie beispielsweise das [[Bebenhausen|Kloster Bebenhausen]], die [[Neckarbrücke]] in [[Tübingen]], die Esslinger Frauenkirche, die [[Reutlingen|Reutlinger]] Marienkirche und auch das Ulmer Münster. Der Stubensandstein aus dem Schönbuch hatte sogar überregionale Bedeutung, und wurde bei den Weltausstellungen in London und Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts als „bestgeeignet“ ausgezeichnet. Auch für das Münchner Rathaus und das Schloss Neuschwanstein wurde Stubensandstein aus dem Schönbuch verbaut.<ref name="Buck2000">Dieter Buck: ''Das große Buch vom Schönbuch.'' Natur, Kultur, Geschichte, Orte. Silberbuch-Verlag, Tübingen 2000, ISBN 3-87407-334-3, Seite 10–21.</ref>  
Historische Steinbrüche finden sich beispielsweise in [[Lustnau]], [[Kayh]] und [[Dettenhausen]]. Aus dem Stubensandstein des Schönbuchs wurden die unterschiedlichsten Gebäude errichtet, wie beispielsweise das [[Bebenhausen|Kloster Bebenhausen]], die [[Neckarbrücke]] in [[Tübingen]], die Esslinger Frauenkirche, die [[Reutlingen|Reutlinger]] Marienkirche und auch das Ulmer Münster. Der Stubensandstein aus dem Schönbuch hatte sogar überregionale Bedeutung, und wurde bei den Weltausstellungen in London und Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts als „bestgeeignet“ ausgezeichnet. Auch für das Münchner Rathaus und das Schloss Neuschwanstein wurde Stubensandstein aus dem Schönbuch verbaut.<ref name="Buck2000">Dieter Buck: ''Das große Buch vom Schönbuch.'' Natur, Kultur, Geschichte, Orte. Silberbuch-Verlag, Tübingen 2000, ISBN 3-87407-334-3, Seite 10–21.</ref>  


 
Das helle und in seinen Farbschattierungen warm wirkende Gestein wurde früher gern als Baumaterial für gotische Kirchen und andere Gebäude verwendet. Steinmetze wussten zu schätzen, dass der Stubensandstein relativ weich ist und sich gut bearbeiten lässt. Die [[Stiftskirche]] zum Beispiel ist komplett aus Stubensandstein gebaut, die [[Johanneskirche|Sankt-Johannes-Kirche]] bei der Langen Gasse zu großen Teilen. Auch das Portal von [[Schloss Hohentübingen]] wurde aus diesem Material hergestellt. An der [[Neue Aula|Neuen Aula]] in der [[Wilhelmstraße]] besteht der Sockel aus Stubensandstein.<ref name="Bau-Steine">[http://www.cityinfonetz.de/das.magazin/2002/36/artikel5.html Bau-Steine aus dem Schönbuch: Steine für den Kölner Dom]</ref> Stubensandstein aus dem Schönbuchgebiet hat allerdings den Nachteil, dass er nicht sonderlich witterungsbeständig ist. So muss der am Kölner Dom verbaute Sandstein größtenteils ersetzt werden.<ref>[http://217.160.164.18/typo3-dom/index.php?id=gesteine Homepage des Kölner Dom, Gesteine]</ref> Das weiche Material am Kölner Dom löst sich unter dem Einfluss von Ruß-Partikeln und saurem Regen auf. Dass die Steine aus dem Schönbuch stammen, lässt sich anhand von Bau-Dokumenten feststellen. Der Stubensandstein für den Kölner Dom wurde kostengünstig mit Schiffen - oder möglicherweise [[Neckarflößer|Flößen]] - von Schlaitdorf am Neckar bis nach Köln gebracht.<ref>[http://217.160.164.18/typo3-dom/index.php?id=2998 Sandstein aus Schlaitdorf.]</ref> Wenngleich das Rätsel aufgibt: Warum die Bauherren den Stein die weite Strecke transportieren ließen und nicht aus lokalen Brüchen holten, ist bis heute nicht geklärt.<ref name="Bau-Steine" />
Das helle und in seinen Farbschattierungen warm wirkende Gestein wurde früher gern als Baumaterial für gotische Kirchen und andere Gebäude verwendet. Steinmetze wussten zu schätzen, dass der Stubensandstein relativ weich ist und sich gut bearbeiten lässt. Die [[Stiftskirche]] zum Beispiel ist komplett aus Stubensandstein gebaut, die [[Johanneskirche|Sankt-Johannes-Kirche]] bei der Langen Gasse zu großen Teilen. Auch das Portal von [[Schloss Hohentübingen]] wurde aus diesem Material hergestellt. An der [[Neue Aula|Neuen Aula]] in der [[Wilhelmstraße]] besteht der Sockel aus Stubensandstein.<ref name="Bau-Steine">[http://www.cityinfonetz.de/das.magazin/2002/36/artikel5.html Bau-Steine aus dem Schönbuch: Steine für den Kölner Dom]</ref> Stubensandstein aus dem Schönbuchgebiet hat allerdings den Nachteil, dass er nicht sonderlich witterungsbeständig ist. So muss der am Kölner Dom verbaute Sandstein größtenteils ersetzt werden.<ref>[http://217.160.164.18/typo3-dom/index.php?id=gesteine Homepage des Kölner Dom, Gesteine]</ref> Das weiche Material am Kölner Dom löst sich unter dem Einfluss von Ruß-Partikeln und saurem Regen auf. Dass die Steine aus dem Schönbuch stammen, lässt sich anhand von Bau-Dokumenten feststellen. Der Stubensandstein für den Kölner Dom wurde kostengünstig mit Schiffen - oder möglicherweise [[Neckarflößer|Flößen]] - von Schlaitdorf am Neckar bis nach Köln gebracht.<ref>[http://217.160.164.18/typo3-dom/index.php?id=2998 Sandstein aus Schlaitdorf.]</ref> Wenngleich das Rätsel aufgibt: Warum die Bauherren den Stein die weite Strecke transportieren ließen und nicht aus lokalen Brüchen holten, ist bis heute nicht geklärt.<ref name="Bau-Steine" />  


== Quellen ==
== Quellen ==

Version vom 17. September 2011, 07:12 Uhr

Stubensandstein im Kirnbachtal

Stubensandstein bedeckt etwa 35% der Fläche des Schönbuchs. Das Sediment stammt aus der Keuperzeit vor 210 bis 200 Millionen Jahren und ist laut dem Tübinger Geologen Prof. Thomas Aigner ein Überbleibsel großflächiger Überschwemmungen. Die urzeitliche Mischung aus Sand, Dreck und Geröll ist relativ unsortiert und grob, zusammengehalten durch toniges Material. Wie bröckelig der Stubensandstein ist, lässt sich mit eigener Hand erspüren: An so manchem verwitterten Sandstein-Mäuerchen bröselt der angelöste Sand ab, wenn man mit der Hand darüber fährt. Früher holten sich die Leute den Sand, der sich am Fuß von bröckeligen Felswänden ansammelte, um damit die Stube auszufegen. Daher kommt der Name.

Wirkung auf Relief und Boden

Die bis zu 60 Meter mächtigen Felsbänke aus Stubensanstein bilden im Westen und Südwesten des Schönbuchs den auffälligen und steilen Trauf. Vor allem für den Westteil des Schönbuchs ist der Stubensandstein landschaftsbestimmend. Die sich aus diesem Stein bildenden Sandböden sind trocken, kalkfrei und mineralstoffarm und daher für die Landwirtschaft ungeeignet. Deshalb wurden diese Flächen kaum gerodet und stellen heute einen großen Teil des Waldbodens des Schönbuchs dar.[1]

Verwendung als Baustein

Stubenstandstein wurde bereits vor der Römerzeit als Baustein verwendet und auch im Schönbuch abgebaut. Am Keltengrab von Kilchberg gibt es eine Stele aus der späten Jungsteinzeit in der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr., und der Menhir von Weilheim ist ein Stubensandstein-Monolith aus der frühen Bronzezeit, der 1985 im Erdreich entdeckt wurde.

Abbau und Verwendung

Historische Steinbrüche finden sich beispielsweise in Lustnau, Kayh und Dettenhausen. Aus dem Stubensandstein des Schönbuchs wurden die unterschiedlichsten Gebäude errichtet, wie beispielsweise das Kloster Bebenhausen, die Neckarbrücke in Tübingen, die Esslinger Frauenkirche, die Reutlinger Marienkirche und auch das Ulmer Münster. Der Stubensandstein aus dem Schönbuch hatte sogar überregionale Bedeutung, und wurde bei den Weltausstellungen in London und Paris in der Mitte des 19. Jahrhunderts als „bestgeeignet“ ausgezeichnet. Auch für das Münchner Rathaus und das Schloss Neuschwanstein wurde Stubensandstein aus dem Schönbuch verbaut.[2]

Das helle und in seinen Farbschattierungen warm wirkende Gestein wurde früher gern als Baumaterial für gotische Kirchen und andere Gebäude verwendet. Steinmetze wussten zu schätzen, dass der Stubensandstein relativ weich ist und sich gut bearbeiten lässt. Die Stiftskirche zum Beispiel ist komplett aus Stubensandstein gebaut, die Sankt-Johannes-Kirche bei der Langen Gasse zu großen Teilen. Auch das Portal von Schloss Hohentübingen wurde aus diesem Material hergestellt. An der Neuen Aula in der Wilhelmstraße besteht der Sockel aus Stubensandstein.[3] Stubensandstein aus dem Schönbuchgebiet hat allerdings den Nachteil, dass er nicht sonderlich witterungsbeständig ist. So muss der am Kölner Dom verbaute Sandstein größtenteils ersetzt werden.[4] Das weiche Material am Kölner Dom löst sich unter dem Einfluss von Ruß-Partikeln und saurem Regen auf. Dass die Steine aus dem Schönbuch stammen, lässt sich anhand von Bau-Dokumenten feststellen. Der Stubensandstein für den Kölner Dom wurde kostengünstig mit Schiffen - oder möglicherweise Flößen - von Schlaitdorf am Neckar bis nach Köln gebracht.[5] Wenngleich das Rätsel aufgibt: Warum die Bauherren den Stein die weite Strecke transportieren ließen und nicht aus lokalen Brüchen holten, ist bis heute nicht geklärt.[3]

Quellen

  1. Stubensandstein im Schönbuch auf Wikipedia.
  2. Dieter Buck: Das große Buch vom Schönbuch. Natur, Kultur, Geschichte, Orte. Silberbuch-Verlag, Tübingen 2000, ISBN 3-87407-334-3, Seite 10–21.
  3. 3,0 3,1 Bau-Steine aus dem Schönbuch: Steine für den Kölner Dom
  4. Homepage des Kölner Dom, Gesteine
  5. Sandstein aus Schlaitdorf.