Anatomie

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Das Anatomische Institut (Anatomie: aus altgriechisch ἀνά aná „auf“ und τομή tomé „Schnitt“) der Universität liegt mit seinem Altbau am Anatomiegässle am Hang des Österbergs. Es gibt heute drei Abteilungen: Zelluläre Neurobiologie, Experimentelle Embryologie (jeweils Am Österberg 3) und Klinische Anatomie im Neubau Elfriede-Aulhorn-Straße 8 (Schnarrenberg).

Das anatomische Institut, erbaut 1835, Nordwestfront (Aufnahme 19. Jh.)
Anatomie um 1900, Südwestseite

Historie der Tübinger Anatomie[Bearbeiten]

Durch einen Brand am 16. Januar 1534[1] wurde die sogenannte "Sapienz", östlich der Burse unter der alten Aula gelegen, in der sich bis dahin das "Auditorium medicum" befand vollständig vernichtet. Ein Neubau der Hörsäle wurde erst 1547 fertiggestellt.

Leonhart Fuchs gibt 1551 ein erstes anatomisches Lehrbuch in Tübingen heraus, mit dem Titel "De corporis humani fabrica" in Anlehnung an Vesals 1543 gedrucktes, berühmtes, gleichnamiges Werk.

1558 bekommt die anatomische Sammlung eine Stube im sogenannnten Barfüßerkloster zugeweisen, einem im 13. Jahrhundert gegründeten und im Zuge der Reformation aufgehobenen Franziskanerkloster. Ab 1588 wird die Konradkapelle nahe der St. Jakobuskirche als anatomischer Demonstrationsraum benutzt. 1592 wird die Kapelle (im Volksmund "Anatomiekirchle" genannt) durch die Fakultät als Anatomiegebäude übernommen. 1696 Umbau zum anatomischen Theater. 1835 Institutsneubau am Österberg.

Affäre Ruthardt[Bearbeiten]

Als „Affäre Ruthardt“ wurden einige skandalöse Vorgänge um den Leichnam der aus Stuttgart stammenden Mörderin Christiane Ruthardt bekannt, die dazu führten, dass eine Diskussion über den Umgang mit Anatomieleichen in Gang kam. Vor ihrer Hinrichtung am 23. oder 27. Juni 1845 hatte Christiane Ruthardt darum gebeten, ihren Leichnam an Ort und Stelle einzuscharren statt ihn der Anatomie in Tübingen zu übergeben. Diesem Wunsch wurde aber nicht stattgegeben, sondern die eingesargte Tote wurde einem Fuhrmann zum Transport nach Tübingen anvertraut. Obwohl der Transport eigentlich von zwei Landjägern begleitet werden sollte, wurde offenbar ungehindert in Dettenhausen der Sarg geöffnet und die Leiche vor Neugierigen zur Schau gestellt. In Tübingen angekommen, blieb der Sarg mehrere Stunden frei zugänglich im Hof der Anatomie stehen. Christiane Ruthardts Kopf wurde aus dem Sarg gehoben, umhergeworfen und seiner Haare beraubt. Im Juli 1845 erschien ein empörter Artikel im Beobachter. In der Folge wurde am 18. Juli 1845 der Anatomiediener Rösch entlassen, der den Leichnam hätte verwahren müssen; ferner wurde die Vorschrift erlassen, Anatomieleichen nur noch nachts zu transportieren. 1855 wurde diese Vorschrift durch die Anordnung ersetzt, die Toten in verschlossenen und mit Stroh kaschierten Kisten zu transportieren. 1863 verzichtete man darauf, die Transporte aus dem Vermögen der Hingerichteten bzw. der Hinterbliebenen zu finanzieren, und übertrug diese Pflicht der Anatomiekasse. 1865 schließlich fand sich die Württembergische Abgeordnetenkammer mit einem Antrag auf kirchliche oder gleichwertige Bestattung der Anatomieleichen konfrontiert. In einem Gegenantrag plädierte der Abgeordnete Wächter unter deutlicher Bezugnahme auf den Fall Ruthardt dafür, die Leichen in der Anatomie „anständig“ zu behandeln, was sicher auch die Zahl der freiwillig zur Verfügung gestellten Körper vergrößern werde. Beide Anträge wurden positiv beschieden; in der Folge zeigten sich allerdings erhebliche Schwierigkeiten, was die Durchführung der kirchlichen Begräbnisse betraf.[2][3]

Moderne Lehre und Forschung[Bearbeiten]

Durch die Trainings- und Forschungstätigkeit des Anatomischen Instituts werden chirurgische Eingriffe sicherer, die Chirurgie entwickelt sich insgesamt weiter.[4]

Hochfrequenz-Chirurgie[Bearbeiten]

Bei der Hochfrequenz-Chirurgie (HF-Chirurgie) wird Wechselstrom mit hoher Frequenz durch den menschlichen Körper geleitet, um Gewebe gezielt zu schädigen bzw. zu schneiden. Ein wesentlicher Vorteil gegenüber herkömmlicher Schneidetechnik mit dem Skalpell ist, dass gleichzeitig mit dem Schnitt eine Blutungsstillung durch Verschluss der betroffenen Gefäße erfolgen kann. Die benutzten Geräte werden auch als Elektroskalpell bezeichnet.[5]

Erbe HF-Chirurgie-Workstation in der Tübinger Anatomie.

Bei den Workshops in der Tübinger Anatomie kommt modernste Technik in realistischer OP-Umgebung zum Einsatz: Im Bereich der HF-Chirugie eine VIO-Workstation mit Submodulen für die Rauchgasabsaugung, Wasserstrahl-Chirurgie und Argonplasma-Koagulation sowie HF-chirurgisches Instrumentarium, von der Tübinger Firma Erbe. Erbe ist einer der wissenschaftlichen OP-Kooperationspartner des Anatomischen Instituts des Universitätsklinikums Tübingen und hat ihm eine HF-Chirurgie-Workstation als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.[6]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Bauforschung: Alte Aula.
  2. Geschichte der Tübinger Anatomie von Klaus D. Mörike, erschienen als Band 35 in der Reihe Contubernium - Beiträge zur Geschichte der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, herausgegeben im Auftrag des Senats von Hansmartin Decker-Hauff. 1988, ISBN 978-3164453462.
  3. Affäre Ruthardt auf Wikipedia.
  4. Bernhard Hirt, Leiter der Klinischen Anatomie und Makroskopie.
  5. HF-Chirurgie auf Wikipedia.
  6. ERBE Elektromedizin GmbH: ERBE Chirurgie-Workstation für Anatomie der Uni Tübingen

Weblinks[Bearbeiten]