Heinrich Johann Niemeyer

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Wohnhaus Neckarhalde 43 in Tübingen (1959 ff.), Bauherr und langjähriger Bewohner war Hans Herb mit seiner Familie.
Neckarhalde 41 (1969)
Typisches Niemeyer-Wohnhaus Lichtenberger Weg 22 (Baujahr 1993, in Renovierung 2018) [1]
Cottaweg 3 in Tübingen
Kristallhäuser-Siedlung in Pulheim-Sinnersdorf bei Köln, 11 Gebäude, 1967-1973

Heinrich Johann Niemeyer (*22. November 1936 in Tübingen[2], † 2010 ebenda) war ein freier Architekt (BDA) in Tübingen.


Nach einem Studium der Architektur in Stuttgart eröffnete er 1964 mit 27 Jahren sein Büro in Tübingen. Sein wichtigster Lehrer in Stuttgart war der bedeutende Architekt Günter Behnisch, mit dem er auch befreundet war.


Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Beispiel des von ihm 1968/69 erbauten Wohnhauses Neckarhalde 41 beschreibt der Architekturführer Tübingen, 2002[3] Niemeyers Bauphilosophie:

»Dieser auffällige Bau ist ein Frühwerk des eigenwilligen Tübinger Architekten Heinrich Niemeyer, aber schon sehr typisch für die von ihm nach dem Vorbild von Frank Lloyd Wright, Gaudí und anderen entwickelte „naturnahe“, „organische“ Bauweise, die Beton mit Glas, Metall und Naturstein kombiniert. Heinrich Niemeyer gruppierte die Wohnräume stets um einen massiven Naturstein-Kern (mit Kamin). Die unüblich formatierten Wohneinheiten, oft aufgeständert oder hängend, sind von sanft abfallenden, meist begrünten Dach-Elementen gedeckt („schippernde Dächer“ sagte der Architekt dazu), die aparte Öffnungen, Ausblicke, Fensterbänder ermöglichen. Räume von unterschiedlicher Höhe, Fenster von verschiedenstem Format, Lichteinfall aus verschiedenen Richtungen, wie Schalen auskragende, bepflanzbare Balkone: Niemeyers Postulat war es, dass Häuser mit ihrer natürlichen Umgebung in engem Austausch stehen, ja mit ihr verschmelzen sollen.« 

In diesem Haus Nr. 41 mit mehreren Apartments wohnte u.a. der Literaturwissenschaftler Hans Mayer.

Es ist direkt an das niedrigere Haus Nr. 43 mit Natursteinwänden und begrüntem Dach angebaut, das Niemeyer schon 1959/60 als Student für den Drogisten Hans Herb errichtet und später erweitert hatte.

In Heinrich Niemeyers Bauten steckt viel Geometrie. Er entwarf zahlreiche Gebäude auf einem Dreiecksnetz. Dadurch entstanden viele spitze und stumpfe Winkel, aber keine beliebigen Formen. Trotz der Vielgliedrigkeit sind die Entwürfe von Ordnung gekennzeichnet. Rechte Winkel und runde Linien sind selten. Letztlich sind Niemeyers Häuser unzählige Variationen ähnlicher geometrischer Grundmuster und deshalb auch so unverwechselbar.


Weitere Bauten in Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wohnhäuser Cottaweg 3 und 12, zwei Bauten im Loretto-Viertel (Lilli-Zapf-Straße 3 und Gölzstraße 18), die Wohnhäuser Kleiststraße 15/17, Haußerstraße 76, Autenriethstraße 17 und Lichtenberger Weg 22 sowie der Umbau der Drogerie Müller & Co von Hans Herb. Der ebenfalls durch seine typische Handschrift vollzogene Um- und Anbau des lang ansässigen Geschäfts für Bürobedarf Fritz Schimpf, mitten im Zentrum Tübingens, gehört ebenso zu dem mannigfaltigen Schaffen von Heinrich J. Niemeyer. 1992 errichtete er Schutzhütten für Obdachlose in der Ernst-Bloch-Straße.[4]

Werke des Architekten wurden bundesweit mehrfach prämiert. Es gibt rund 300 verwirklichte Bauvorhaben.


Niemeyer selbst arbeitete in dem eher kleinen, nicht von ihm gebauten, sondern geerbten Haus Charlottenstraße 22, das "romantisch-verwunschen" von vielen Bäumen und anderem Grün umwachsen, in der Straße ziemlich aus der Reihe fiel und von Niemeyers besondererer Liebe zur Natur zeugte. Das Haus wurde 2016 einige Jahre nach seinem Tod abgerissen (außer der Straßenmauer). Ca. 1977 hatte er für sich und seine Familie auch ein Haus bei Rottenburg-Dettingen gebaut, dem 2015 trotz Denkmalschutzes ebenfalls der Abriss drohte.


Mit dem berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer war er entfernt verwandt. Beide können ihren Stammbaum auf einen braunschweigischen Generalmajor aus dem 18. Jahrhundert zurückführen.


Weitere Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Karte seiner Werke in Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Niemeyer-Haus Lichtenberger Weg, Renovierung 2018, Mürdter GmbH (sehr interessante Fotogalerie)
  2. Ingrid Treutler: Architekt Heinrich Johann Niemeyer (1936-2010)
  3. Architekturführer Tübingen. Neue Architektur im Landkreis Tübingen 1901-2001. (Hrsg.: Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Tübingen ... Texte und Red.: Ulrike Pfeil ...). - Tübingen: Bund Dt. Architekten, Kreisgruppe Neckar-Alb, 2002, Seite 15
  4. Büroaktiv sucht Helfer, neckarchronik.de 24.5.2012

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die sehr interessanten Webseiten sind leider inzwischen aus dem Netz genommen worden. - Hier ein Aufruf, sie wenn möglich in irgendeiner Form, als Erinnerung an das Werk des Architekten, wieder einzustellen.
Ehemalige Internetpräsenz www.architektur-niemeyer.de bei web.archive.org (Momentum von 01. Feb 2015 = verkleinerte Startseite, andere Seiten nur rudimentär)




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