Gerstenmühlstraße

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Die Tübinger Gerstenmühle am Ammerkanal, Ecke Gerstenmühlstraße/Schwärzlocher Straße. Das Wasserrad wurde im Rahmen des "Tags des offenen Denkmals" 2005 vorgestellt und in Betrieb genommen

Die Gerstenmühlstraße beginnt zwischen Schwärzlocher Straße 11 und 17 und endet am Schleifmühleweg.

Gerstenmühle[Bearbeiten]

Die alte Gerstenmühle, die an der Stelle des jetzigen Hauses Gerstenmühlstraße 1 stand, brannte 1910 teilweise ab. Das linke der beiden Holzwasserräder geht zurück auf die ehemalige Lohmühle, die 1494 erstmals als Gerbermühle erwähnt wurde und sich im Besitz der Tübinger Rotgerberzunft befand. Sie hatte einen Gerstengang, eine Ölpresse, 8 Gipsstampfen und 2 Hanfreiben.[1] Das rechte Rad gehörte zur einstigen Gerstenmühle, die 1492 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Es wurde ursprünglich für den Antrieb des Stampf- und Schlagwerks in der nebenstehenden Mühle eingesetzt, um Öl aus Samen oder Früchten zu gewinnen.

Die Stadtwerke Tübingen (swt) haben eines der historischen Holzwasserräder an der Gerstenmühle beim Ammerkanal reaktiviert. Das von der Gerstenmühlstraße aus gesehen linke Rad, das so genannte Lohmühlrad, wurde im Rahmen des "Tags des offenen Denkmals" 2005 vorgestellt und in Betrieb genommen. Es soll in Zukunft zur regenerativen Erzeugung von Strom aus Wasserkraft genutzt werden. Das rechte Rad kann aufgrund seiner technischen Ausrichtung und Lage für die Stromerzeugung nur indirekt mitgenutzt werden.

Für diese Investition setzen die Stadtwerke auch zusätzliche Einnahmen ein, die sie aus ihrem Ökostromtarif „bluegreen“ gewonnen haben, um die regenerative Stromerzeugung in Tübingen zu fördern. Dabei soll die jetzt geplante Anlage an der Gerstenmühle auch einen Anschauungs- und Vorführcharakter haben.

„Denn hier kann jeder, der sich in oder aus Richtung Altstadt bewegt, selbst sehen, wie mit dem natürlichen Antrieb des Wasserlaufes, Strom umweltfreundlich direkt hier vor Ort erzeugt werden kann“, so Wilfried Kannenberg, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen.[2]

Oberbürgermeister Boris Palmer ist von der Aussicht auf blau-grünen Strom aus der Ammer begeistert: „Über Jahrhunderte war der Ammerkanal Tübingens wichtigste Energiequelle. Die Stadtwerke knüpfen an diese Tradition an und erzeugen das, was wir heute am dringendsten brauchen: klimafreundlichen Strom aus erneuerbaren Energien.“

Rund 40.000 bis 50.000 € haben die Stadtwerke für den Bau der neuen Kleinwasserkraftanlage am Ammerkanal an Investitionen vorgesehen. Bei einer voraussichtlichen Leistung von ca. 2 kW produziert sie nach derzeitigem Stand der Planungen etwa 14.000 kWh pro Jahr. Damit lassen sich bis zu 10 Singlehaushalte in Tübingen mit Strom versorgen. Diese Haushalte profitieren dann auch davon, dass sich in Tübingen immer mehr Menschen für einen Ökostromtarif der Stadtwerke entscheiden. Denn mit den zusätzlichen Einnahmen aus ihren beiden Ökostromtarifen bluegreen (Strom 100 % aus Wasserkraft) und energreen (Strom 100 % aus regenerativen Quellen), fördern die Stadtwerke den Bau von Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung sowie Umwelt- und Klimaschutzprojekte.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Beschreibung des Oberamts Tübingen von 1867.
  2. Ammerkanal: Wasserkraftpotential soll genutzt werden - Stadtwerke Tübingen planen Bau einer Wasserkraftanlage am Altstadtrand. Artikel vom 21. Juli 2008.