Wilhelm Waiblinger

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Friedrich Wilhelm Waiblinger (* 21. November 1804 in Heilbronn, Herzogtum Württemberg; † 17. Januar 1830 in Rom, Kirchenstaat, heute Italien) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller, der vor allem durch seine Freundschaft zu Friedrich Hölderlin und Eduard Mörike bekannt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Wilhelm Waiblinger, zeitgenössisches Bild
Wilhelm Waiblinger, Selbstbildnis, Federzeichnung auf Papier aus Klaus Günzel, Die deutschen Romantiker, Artemis Verlag Zürich, 1995

Waiblinger wurde 1804 in Heilbronn geboren. In der Familie wurde er Fritz gerufen und nannte sich selbst erst ab 1824 Wilhelm[1]. 1806 kam er mit seiner Familie nach Stuttgart, 1817 nach Reutlingen. Im November 1819 wurde er Hilfsschreiber am Uracher Oberamtsgericht und besuchte Vorlesungen des benachbarten niederen theologischen Seminars. Im Sommer 1820 kehrte er nach Stuttgart zurück und besuchte dort das Obere Gymnasium. In dieser Zeit entstanden erste Dichtungen, die dem damals noch Minderjährigen erste Bekanntheit verschafften.

Ab 1822 studierte er Theologie am Tübinger Stift, um damit im Nebenfach auch Philologie studieren zu können. Am 3. Juli 1822 traf Waiblinger erstmals den damals bereits seit anderthalb Jahrzehnten als wahnsinnig geltenden Dichter Friedrich Hölderlin im Hölderlinturm zu Tübingen, bei dem er während seiner gesamten Studienzeit häufiger Gast war. Diese Begegnungen verarbeitete er zunächst in seinem Roman Phaeton (1823), der ihm unter den Studenten enorm viel Bewunderung einbrachte; zudem war auch sein Gedicht-Zyklus „Lieder der Griechen“ in den Handel gekommen. Später porträtierte er Hölderlin in seinem Essay Friedrich Hölderlin’s Leben, Dichtung und Wahnsinn, der als Beginn der Hölderlin-Forschung gilt.

Nach einem für damalige Verhältnisse skandalösen Verhältnis mit der fünf Jahre älteren Julie Michaelis, Schwester des Tübinger Juristen Adolph Michaelis, das 1824 öffentlich wurde anlässlich eines Prozesses wegen einer Brandstiftung, deren Leidtragender Julies der Beziehung entgegenstehender Onkel Salomo Michaelis war, verzichtete Waiblinger auf den christlich-moralischen Anschein, den er sich wegen des Theologiestudiums hatte geben müssen, und gab sich Ausschweifungen hin, die auch in seinen Werken Niederschlag fanden. In der Folgezeit entstanden seine Lieder der Verirrung und Drei Tage in der Unterwelt. Nach Veröffentlichung dieser Werke wurde er durch die Stiftsleitung, die den Hochbegabten nach der skandalösen Beziehung noch zu schützen versucht hatte, am 25. September 1826 vom weiteren Studium ausgeschlossen.

Freundschaften[Bearbeiten]

Wilhelm Waiblinger gilt als der „junge Wilde“ der Biedermeierzeit, den seine Nachwelt offenkundig aus moralischen Gründen weitgehend ignoriert hat. Er schloss viele Freundschaften, worunter die homoerotisch geprägte Beziehung zu Eduard Mörike sicherlich eine der wichtigsten war. Zu Waiblingers Freunden, Förderern und Verehrern zählten weiter u. a. Gustav Schwab, August von Platen, Friedrich von Matthisson, Johann Heinrich Dannecker, Matthias Schneckenburger, Eduard Gnauth, Carl Miedke und Christian Friedrich Wurm. Auf dem Sterbebett setzte er seinen Freund Karl Wilhelm Schluttig als Nachlassverwalter ein, der ebenfalls 1830 starb und direkt neben Waiblinger in Rom auf dem protestantischen Friedhof Cimitero acattolico nahe der Cestius-Pyramide begraben wurde.[2]

Italienreise nach Rom[Bearbeiten]

Wilhelm Waiblingers Grabmal auf dem Protestantischen Friedhof in Rom

Noch im Herbst 1826 trat Waiblinger auf Veranlassung des Verlegers Johann Friedrich Cotta eine Italienreise an und kam nach Rom, das ihm sowohl aus kulturgeschichtlicher Perspektive als auch in Hinsicht auf seine freizügige Sexualität als reizvoll schien. Er lebte ab 1827 in wilder Ehe mit Nena Carlenza zusammen und verfasste Werke, die Alltagsszenen aus dem Leben in Italien beschreiben. In Rom vollendete er auch 1827/28 die Hölderlin-Biographie. Von einer Reise nach Sizilien kehrte er im Herbst 1829 geschwächt nach Rom zurück, erlitt eine Lungenentzündung und verstarb im Alter von 25 Jahren am 17. Januar 1830 in einem Haus in der Via Giulia gegenüber der Fontana del Mascherone (Bild).

Nachlass[Bearbeiten]

Der Nachlass von Wilhelm Waiblinger liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach.[3] Teile davon sind in der Dauerausstellung „Unterm Parnass“ des Schiller-Nationalmuseums in Marbach zu sehen.

Werke[Bearbeiten]

  • Phaeton (1823, philosophischer Roman noch aus seiner Gymnasialzeit)
  • Erzählungen aus Griechenland (1823)
  • Lieder der Griechen (1823)
  • Lieder der Verirrung
  • Drei Tage in der Unterwelt (1826)
  • Friedrich Hölderlin’s Leben, Dichtung und Wahnsinn (1827/28)
  • Blüten der Muße aus Rom (1829)
  • Taschenbuch aus Italien und Griechenland (1829/30)
  • Gesammelte Werke (1839/40)
  • Gedichte (1844, herausgegeben von Eduard Mörike)
  • Bilder aus Neapel und Sizilien (1879)

Werkausgabe[Bearbeiten]

  • Werke und Briefe, hrsg. von Hans Königer. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-7681-9823-5
Die Burg Hohenneuffen auf einem Aquarell des jungen Wilhelm Waiblinger, 1822

Literatur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Peter Härtling: Waiblingers Augen, Darmstadt: Luchterhand 1987, ISBN 3-472-86657-8
  • Hermann Hesse: Im Presselschen Gartenhaus. Eine Erzählung aus dem alten Tübingen, zuerst 1914 (Westermanns Monatshefte). – Eine Novelle aus den Studentenjahren Waiblingers über einen Besuch, zusammen mit Mörike, beim kranken Hölderlin.

Auszug aus einer Besprechung von Härtlings Roman über Waiblinger[Bearbeiten]

... Der junge Mann, der schon als Dreizehnjähriger Hilfsschreiber am Uracher Oberamtsgericht war, war als Theologiestudent provisorisch im Tübinger Stift aufgenommen. In dieser Zeit, als 19-Jähriger, veröffentlichte Waiblinger seine gefeierte autobiografische Erzählung um den Dichter Phaeton. 1822 besuchte er erstmals den seit langem geistig umnachteten Hölderlin in seinem Turm, mit dem er von nun an immer wieder Gespräche führte. Sein viel beachteter Aufsatz "Friedrich Hölderlins Leben. Dichtung und Wahnsinn" ist das Ergebnis dieser Begegnungen.

Ebenfalls historisch belegt ist das Verhältnis Waiblingers mit der fünf Jahre älteren Julie Michaelis, der Schwester des jüdischen Tübinger Juristen Adolph Michaelis, das aktenkundig wurde, weil das Haus der Familie nach Brandstiftung in Flammen aufging. Auf die Veröffentlichung seiner Bücher "Lieder der Verirrung" und "Drei Tage in der Unterwelt" hin wurde Waiblinger aus dem Stift ausgeschlossen. 1826 reiste er nach Italien, wo er bis zu seinem Tod lebte.

Für Härtling ist dieses Leben die Grundlage für das Porträt eines überschäumenden Gefühlsmenschen, der in seinen immer weiter gesteigerten Emotionen verglüht. "Verspätetes Kraftgenie" war der Ausdruck, den Hermann Hesse für Waiblinger fand.

Bei Härtling ist Waiblinger ein durch und durch poetisches Wesen, ein Lord Byron, ein Don Giovanni, dem die biedere Realität bei Weitem nicht genügt. Dass die Straßen Tübingens nicht auch verwüstet sind, wenn sein Inneres zerrütet ist, macht ihn fassungslos. Die undurchsichtige (...) Erzählweise dieses Romans macht mitunter schwer zu unterscheiden, was Teil der erlebten Wirklichkeit und was Teil des in Waiblingers Kopf wuchernden, energiestrotzenden Romans. ... [4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wilhelm Waiblinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Waiblinger, Wilhelm: Erzählungen und Briefe. Eingel. und hrsg. von Monique Cantre. Klöpfer&Meyer 2011, S. 11
  2. Hergemöller, Bernd-Ulrich: Mann für Mann. Ein biographisches Lexikon. Suhrkamp 2001, S. 718–720.
  3. Bestand: Waiblinger, Wilhelm (1804–1830), abgerufen am 4. November 2015
  4. Rezension von Bernhard Hampp zu Peter Härtling: Waiblingers Augen, blogspot.com, 2016

Quellen, Weblinks[Bearbeiten]