Antiquariat Heckenhauer

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Das Haus des Antiquariat Heckenhauer am Holzmarkt


Das Antiquariat Heckenhauer am Holzmarkt 5 ist das Stammhaus der Buchhandlung J.J. Heckenhauer. Seit über 400 Jahren wird dort die Buchkunst gepflegt.


Geschichte

1596 wurde durch Magister Erhard Cellius die damals dritte Buchdruckerei Tübingens dort gegründet. 1823[1] übernahm Johann Immanuel Heckenhauer als ehemaliger Mitarbeiter des Inhabers Heerbrandt die Druckerei - und gründete im Oktober des selben Jahres seine Buchhandlung. Heckenhauer führte dort außerdem auch ein Antiquariat und auch einen kleinen Verlag. 1880 kaufte der Stuttgarter Buchhändler und Antiquar Carl August Sonnewald die Firma Heckenhauer. Seither ist sie in Familienbesitz. 1997 wurde von Roger Sonnewald die Galerie J.J.Heckenhauer am Holzmarkt gegründet, mit dem Galerieprogramm internationaler Fotografie und Videokunst mit einem Schwerpunkt auf Nachwuchstalenten aus Berlin und Leipzig, sowie etablierten Künstlern aus Russland und der Schweiz. Von 2003 bis 2008 war die Galerie auf der renommierten Berliner Galerien-Meile, der Brunnenstraße, vertreten.

Hermann Hesses Lehrjahre

Tafel am des Antiquariats zum Gedenken an Hermann Hesses Lehrjahre von 1895 bis 1899 bei dem Buchhändler Heckenhauer

Von 1895 bis 1899 absolvierte Hermann Hesse dort seine Buchhändlerlehre. Am 3. Juli 1896 schrieb Hermann Hesse folgende unglückliche Zeilen an seine Mutter: "Der Heckenhauer, der Gewalt über mich hat, steht wie ein Berg hinter mir und wirft überallhin einen langen Schatten" und "das Staubschlucken und Geldzählen macht einen zum elenden Kerl." 1898 erschien sein erstes Buch Romantische Lieder in Dresden.

Hier entstanden Hesses Erstlingswerke „Romantische Lieder“ und „Eine Stunde hinter Mitternacht“. Die später entstandene Novelle „Im Presselschen Gartenhaus: Eine Geschichte aus dem alten Tübingen“ spielt ausschließlich in Tübingen, ein Hinweis auf Hesses Verbundenheit mit dieser Stadt.

Außer Hermann Hesse war Josef Eberle, der auch unter seinen Pseudonymen Sebastian Blau oder Iosephus Apellus bekannt war, von 1917 bis 1920 dort Lehrling.

Bis 2007 war der Schriftsteller und Übersetzer Kay Borowsky Mitarbeiter bei Heckenhauer. Ein (meist längeres) Gespräch war stets sehr eindrücklich, ebenso wie sein sicherer Griff in wahre Bücherhaufen nach der vom Kunden gewünschten antiquarischen Ausgabe.

Hermann Hesse Museum

Stand 2013: es gibt seit 2012 das Hermann-Hesse-Kabinett [2].

J. J. Heckenhauer Antiquariat auf einem alten Foto

Zur Entstehung: Hesse-Liebhaber selbst aus Japan, Korea, China und den USA kommen zur Besichtigung des Antiquariats; in Vitrinen hat Antiquariats-Inhaber Roger Sonnewald Dokumente ausgestellt; an der Wand hängen originale Fotos mit dem Dichter aus der Sammlung der Familie Sonnewald. In den ca. 70 m² großen Räumlichkeiten soll nach der Idee der Besitzer ein Hesse Museum entstehen.[3]

Die derzeitigen Eigentümer des Hauses, Alfred und Roger Sonnewald, sind vor einiger Zeit an die Stadt Tübingen herangetreten mit der Idee, im Antiquariat Heckenhauer, Lange Gasse 2 mit Eingang am Holzmarkt 5, auf etwa 70 m² ein Hermann Hesse Museum einzurichten. Der Antiquariats-Inhaber, Roger Sonnewald, hat jetzt schon – aus der Privatsammlung Sonnewald - Dokumente in Vitrinen ausgestellt, an den Wänden hängen Originalfotos mit dem Dichter.[4]

Die Stadt Tübingen will die Einrichtung des Hermann-Hesse-Museums unterstützen. Deshalb will die Stadtverwaltung nun Drittmittel in Höhe von 190 000 Euro einwerben, um mit dem städtischen Anteil von 50 000 Euro die Räume des Antiquariats Heckenhauer im 1. Stock zu kaufen. Dort soll ein „Musée Sentimentale“ eingerichtet werden, heißt es in der Verwaltungsvorlage, „um die historischen Bedeutung des Ortes durch den Aufenthalt Hermann Hesses als Lehrling und der Buchhändlertradition in Tübingen Rechnung zu tragen“. Der Betrieb der Gedenkstätte soll durch Kooperation mit Initiativen und dem Fachbereich Kultur realisiert werden – und zwar ohne neue Personalstellen.[5]

Der Begriff „Musée Sentimentale“ geht auf ein Ausstellungskonzept zurück, das seit den 1970er Jahren die Gestaltung von Ausstellungen mit historischem Bezug revolutionierte. Nicht mehr nur historisch bedeutende Ausstellungsstücke werden ausgestellt, sondern insbesondere Alltagsgegenstände oder persönliche Erinnerungsstücke, die einen Bezug zum Thema haben. Somit wird die Geschichte für die Besucher besser nachvollziehbar und erlebbar. Der Begriff wird für Ausstellungen, die dieses Konzept verfolgen, benutzt.

Das Einzigartige an den Räumlichkeiten ist, dass sie bis heute die Atmosphäre dieser Zeit wiedergeben und sich in fast unverändertem Zustand befinden. Die besonderen Attraktionen sind das über 150 Jahre alte Bücherlager und die genauso alte Wendeltreppe, die denkmalgeschützt ist. Der Besucher findet sich in Hesses Original-Arbeitsräumen wieder, die auch bei einem Erwerb durch die Stadt in diesem Zustand belassen werden sollen.[6]

Literatur

  • Wilfried Setzler: Hesse in Tübingen (Silberburg Verlag), Tübingen 2002.
  • Kay Borowsky und Barbara Werner (Hsg.): Tübingen im Gedicht: ... und stochern weiter durchs Aquarell... Eine Anthologie mit einem Vorwort von Inge Jens und Walter Jens sowie Fotografien von Roger Sonnewald. Heckenhauer Verlag (2003)

Einzelnachweise

  1. www.150-jahre-ihk.de/start.oscms/0/3385/9287/Die+aeltesten+Firmen.html
  2. Info bei Tuebingen.de
  3. http://www.hermann-hesse.de/aktuelles/mehr.php?id=372&tag=02&monat=September&jahr=2008
  4. Hermann Hesse Museum/Gedenkstätte in Tübingen. Universitätsstadt Tübingen, Vorlage 90/2010, Fachbereich Kultur, 8. Februar 2010.
  5. Volker Rekittke: Ein Museum für Hesse: Tübinger Gemeinderat debattiert über die Kunsthalle. Tagblatt, 12. Dezember 2010.
  6. Einrichtung einer Hermann Hesse Gedenkstätte. Universitätsstadt Tübingen Vorlage 403/2010, Fachbereich Kultur, 1. November 2010.

Weblinks