Bonatzbau

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Bonatzbau
Bonatzbau Universitätsbibliothek Tübingen März 2016.jpg
AdresseWilhelmstraße 32
72074 Tübingen
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Der Bonatzbau ist der Altbau der Universitätsbibliothek (UB) in der Wilhelmstraße, schräg gegenüber der Neuen Aula. Er ist nach seinem Erbauer, dem Architekten Paul Bonatz (1877 – 1956) benannt, einem Hauptvertreter der „Stuttgarter Schule", der später u.a. auch den Hauptbahnhof Stuttgart entwarf.

Das zweigeschossige palaisartige Gebäude wurde 1912 als „Königliche Universitätsbibliothek“ eröffnet, wie auch die Inschrift über dem Portal noch zeigt.

Die Fassade enthält oberhalb des Erdgeschosses eine Reihe von Portraitmedaillons bedeutender Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kunst und Politik (aus damaliger Sicht), geschaffen von dem Stuttgarter Bildhauer Prof. Ulfert Janssen. Von der Mitte aus nach links: Plato, Leonardo da Vinci, Luther, Leibniz, Kant, Bismarck. Nach rechts: Homer, Dante Alighieri, Shakespeare, Goethe, Schiller, Uhland.

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Bibliotheek Tübingen.jpg
Historischer Lesesaal im Bonatzbau

Hinter der Wandelhalle, in der häufig Universitäts-Ausstellungen stattfinden, befindet sich der Historische Lesesaal mit Eichenholzvertäfelung und Galerie sowie einem großen halbrunden Jugendstil-Wandgemälde („Odysseus in der Unterwelt“).

Das 1963 fertiggestellte Hauptgebäude ist über einen Durchgang direkt zu erreichen. Rückwärtig ist ein moderner Magazintrakt angeschlossen.

Pläne eines zweiten Entwurfs von Bonatz (1909) eines etwas größeren Baus in ähnlichem Stil, der nicht zur Ausführung kam, einschließlich eines größeren Traktes zur Ammer, hängen in der Wandelhalle (Vestibül).

Im Bonatzbau befinden sich außerdem:

Einweihung 1912[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. November 1912 wurde der Neubau der Universitätsbibliothek Tübingen feierlich eingeweiht.

Die Einweihung des neuen Bibliotheksbaus geriet zum Spektakel, das selbst den Balkankrieg von den ersten Seiten der örtlichen Zeitungen verdrängte. Kein Wunder, hatte sich doch das württembergische Herrscherhaus ins feierlich beflaggte Tübingen begeben, um beim Festakt dabei zu sein.

Der König selber, so wurde bedauert, habe allerdings wegen eines plötzlich aufgetretenen leichten Unwohlseins dann doch nicht mit von der Partie sein können, als Redner das Bauwerk in höchsten Tönen priesen. Ohne einen irgendwie gearteten Rückgriff auf das Tübinger Vorbild, so die stolze Einschätzung eines Zeitzeugen, werde wohl kein künftiger Bibliotheksbau mehr auskommen.

Das Werk des Architekten Paul Bonatz zählte zu dieser Zeit zu den modernsten Bibliotheksbauten Deutschlands. 94 Jahre ist es jetzt [2006] her, dass Bonatz mit dem nach ihm benannten Altbau der Tübinger Universitätsbibliothek verschiedene Standorte dieser Bildungseinrichtung zum ersten Mal unter einem Dach versammelte. Heute steht das von den Zeitgenossen damals als Musterleistung apostrophierte Gebäude auch wegen seiner angenehmen Arbeitsatmosphäre nach wie vor hoch im Kurs.

Bonatz erinnert sich an "lange Kämpfe" und zahlreiche Überarbeitungen bis der klar organisierte Grundriss schließlich mit einem Machtwort des zuständigen Ministers durchgesetzt wurde. Noch ein zweites Mal wurde ministerielles Eingreifen nötig. Ursprünglich hatten die Senatoren die Konterfeis von zwölf bedeutenden Tübinger Universitätslehrern auf der Eingangsseite abbilden wollen, doch leider nicht alle Bildvorlagen aufgetrieben. Als man nun auf die gleiche Zahl von Medaillons mit Dichtern und Denkern verfiel, war die Auswahl brisant. Vorsorglich ließ man aus dem Ministerium wissen, dass ohne Ludwig Uhland und Otto von Bismarck nichts gehe. An der Universität verstand man den Wink und ließ dafür Alexander von Humboldt und Walther von der Vogelweide auf der Fassade weg.

Architektonisch geschulte Betrachter entdecken an dem neoklassizistischen Bau, bei dem sich Bonatz an den in der Nachbarschaft liegenden Gebäuden der Neuen Aula und des Kanzlerhauses orientierte, einzelne Elemente aus Antike, Barock und Renaissance. Zur Ausführung des "Bücherspeichers", wie das Magazin genannt wurde, griff der Baumeister zu ganz neuen Materialien. Für die Eisenbetondecken, die gewissermaßen nur eingehängt zu werden brauchten, bedurfte es zwar einer eigenen Baugenehmigung und der Vorlage zusätzlicher statischer Berechnungen, doch die Bücherlast hing damit an den Längsträgern des Regalsystems. Die Decken selbst brauchten damit nur wenige Zentimeter dick zu sein. Ein engeres Zusammenrücken ist deshalb allerdings ausgeschlossen, sehr zum Leidwesen der folgenden Bibliotheksleitungen. Mit dem raschen Bücherzuwachs, der schon 1928 den ersten Antrag auf Erweiterung nach sich zog, scheint damals niemand gerechnet zu haben.

Eine bauliche Besonderheit findet sich ausgerechnet in Bezug auf die stillen Örtchen, die auch der fleißigste Bibliotheksbenutzer von Zeit zu Zeit aufsuchen muss. Weil die Universität Tübingen seit 1904 als sechste Hochschule auch die Immatrikulation von weiblichen Studenten zuließ, hatte der Architekt neben den Pissoirs als Neuheit auch ein Damenklosett einbauen lassen.

Ein Erläuterungstext zu dem Foto von 1912[1]


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ausführliche Beschreibung und Würdigung des Baudenkmals bietet das Buch (Leseprobe online verfügbar):
Ralf Werner Wildermuth: Der Bonatzbau der Universitätsbibliothek Tübingen: funktionelle Bibliotheksarchitektur am Anfang des 20. Jahrhunderts. Tübingen: Mohr 1985. (Contubernium; Bd. 30) .

Einweihung des Baus 1912

Weitere Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Portraitköpfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Fotos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]