Carl Dörr

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Anatomieinstitut (Lithographie, ca. 1840, lithographiert von Heinzmann)

Carl Friedrich Dörr (* 27. März 1777 in Tübingen; † 2. Februar 1842 in Heilbronn)[1] war ein Zeichner, Grafiker, Maler und Musiker der Romantik.[2]


Leben[Bearbeiten]

Carl Friedrich Dörr wurde als Sohn des Tübinger Knopfmachers Adam Friedrich Dörr und dessen Frau Dorothea, geb. Seeger, geboren. Er stammte aus ärmlichen Verhältnissen und verließ 1791, im Alter von 14 Jahren, Tübingen, um eine Lehrstelle bei einem Stuttgarter Kunsthändler anzutreten. Ab 1796 war er in Heilbronn im Schwäbischen Industrie-Comptoir und Kunstverlag von Friedrich Carl Lang tätig. Durch diese Tätigkeit und vermutlich durch seine familiäre Veranlagung kam er zur Malerei: Der Tübinger Porträtist Jakob Friedrich Dörr war sein Onkel und der Universitätszeichenlehrer Christoph Friedrich Dörr sein Vetter.[3] Nach dem Bankrott der Firma 1798 ging Dörr in die Schweiz, wo er sich längere Zeit aufhielt, unter anderem in Basel, damals eines der Zentren der Vedutenmalerei. Dort bildete er sich autodidaktisch zum Landschaftsmaler und Musiker aus.


Porträt- und Landschaftsmalerie[Bearbeiten]

Dörr kehrte mit einer Fülle Schweizer Skizzen nach Deutschland zurück und wohnte ab 1814 bis zu seinem Tod in Heilbronn. In Heilbronn lernte Dörr Justinus Kerner[4] kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, und andere Mitglieder des Schwäbischen Dichterkreises, insbesondere Karl Mayer und Ludwig Uhland. Die Freundschaft mit dem berühmten Dichter war sicher für Dörrs künstlerische und gesellschaftliche Etablierung von Bedeutung. Einen guten Ruf hatte er auch dank seiner Fähigkeit, sich kunsttheoretisch über seine Bilder zu äußern.[3] Doch dauerhafte Anerkennung bekam er dank unbestrittener Werte seines Könnens. Dörr war ein „großer, dicker, lebenslustiger Mann, unendlich gutmütig …“[5] Die in Basel geknüpften Kontakte pflegte er weiter: er ist mehrfach hingefahren und hielt sich dort längere Zeit auf.[6]

Dörr verlor nie den Kontakt zu seiner Heimatstadt Tübingen, während er in Heilbronn lebte. Er kam öfter nach Tübingen, um Veduten zu zeichnen. Auch einige Genreszenen aus der Heimatstadt sind in seinem Nachlass enthalten. Er stellte seine Bilder regelmäßig dort aus. Da Tübingen über keine speziellen Schauräume verfügte, fanden diese Verkaufsausstellungen – wie übrigens auch von anderen durchreisenden Künstlern – in Gasthäusern statt, zum ersten Mal nachweislich 1828 im Gasthof Traube. Gasthäuser eigneten sich gut zu diesem Zweck, weil Veduten überwiegend nicht von Einheimischen, sondern von Besuchern gekauft wurden, die ja die Gasthäuser sowieso besuchten. Auch kurz nach Dörrs Tod fand eine Ausstellung seiner Bilder im Tübinger Gasthof „Lamm“ statt.[7]

Der Tod ereilte Dörr im Schlaf im Alter von knapp 65 Jahren. Anlässlich seines Todes schrieb Justinus Kerner einen Nachruf in Form eines Gedichtes (9 Vierzeiler) Des Landschaftsmaler Karl Dörr’s Tod.[8]


Gedicht von Justinus Kerner[Bearbeiten]

Des Landschaftsmaler Karl Dörrs Tod
Er, der in mondbestrahlten Bildern
Natur in ihrem Liebesreiz
So klar, so wahr gewußt zu schildern,
Der aussah wie ein Sohn der Schweiz,
Lag nächtlich einst in stiller Kammer,
Voll eines wunderhellen Traums,
Gestreift vom müden Leib den Jammer
Im Dufte eines Blütenbaums.
Ein Fischerhaus auf moos'gem Steine
Stand nah bei eines Baches Fall,
Und über ihm aus dunklem Haine
Sang ihren Schmerz die Nachtigall.
Sie schwieg und plötzlich ward es helle,
Herschwebte eine Lichtgestalt,
Zum Silberblick ward Bacheswelle,
Zum Goldfluß ward der dunkle Wald.
Da lag der Träumer, Gottesfrieden
In seiner warmen Künstlerbrust,
Und sprach: »Wie schön ist's doch hienieden!
Das bild' ich morgen nach voll Lust.«
»Du klares Herz!« sprach die Erscheinung
(Der Mond war es in voller Pracht),
»Schweb' auf zu sel'ger Geister Einung,
Hin, wo dir ew'ger Frühling lacht.
In dir war Wahrheit, war die Treue,
Dein ganzes Wesen war Natur.
Stirb, schwerer Leib! und laß ins Freie
Den treuen Sohn von Wald und Flur.«
Der Morgen kam – des Künstlers Kammer
Eröffnete wie sonst sich nicht;
Ein Freund drang ein und fand – o Jammer!
Nur seine Hülle, ihn doch nicht.
Er hatte keinen Tod gesehen,
Er fühlte keiner Krankheit Pein;
Es nahm den Liebling ohne Wehen
Natur zu sich im Mondenschein.[9]


Werke aus Tübingen[Bearbeiten]

Ein kleiner Teil von etwas weniger als 20 Werken befindet sich in den Sammlungen des Stadtmuseums Tübingen:

  • ca. 1820: Blick vom Föhrberg auf Tübingen und die Alb (Aquatinta, 24,3 × 35,2 cm)
  • ca. 1820 Tübingen und Österberg von der Höhe westlich des Schlossberges (Aquatinta, 18 × 30 cm)
  • ca. 1820: Bläsibad (Aquatinta, 21,2 × 29,7 cm)
  • ca. 1825: Tübingen von der Neckarseite, rechts Neckarmüllerei (Aquatinta, 24,5 × 36,3 cm)
  • ca. 1825: Blick vom Österberg, darüber Studie von Schloss und Kirche (z.T. aquarellierte lavierte Tusche, 17,7 × 27,8 cm)
  • ca. 1825: Schlossportal (Lithografie, 16,8 × 25,6 cm)
  • ca. 1825: Im Garten der Schlossküferei (lavierte Tusche, 17,3 × 25,8 cm, Studie zum nächsten)
  • ca. 1825: Im Garten der Schlossküferei (Aquatinta, 17 × 25,7 cm)
  • ca. 1840: Anatomieinstitut (Lithographie, 16,3 × 20,4 cm, gezeichnet von Dörr, lithographiert von Heinzmann)


Literatur[Bearbeiten]

  • Christina Melk: Tübinger Ansichten und Maler im 19. Jahrhundert, Tübingen 1986 (= Tübinger Kataloge Nr. 27)
  • Andreas Pfeiffer (Hrsg.): Biedermeierliches Württemberg. Carl Dörr als Landschaftsmaler. Städtische Museen Heilbronn : Heilbronn 1979 (= Heilbronner Museumskatalog. Nr. 10)
  • Werner Fleischhauer: Das Bildnis in Württemberg 1760–1860. Geschichte, Künstler und Kultur, Metzler : Stuttgart 1939


Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lebensdaten nach Eintrag zu Karl Dörr in der Personendatenbank der Landesbibliographie Baden-Württemberg und nach Stadtarchiv Heilbronn, Zeitgeschichtliche Sammlung Signatur ZS-14934, Eintrag zu Carl Friedrich Doerr in der Datenbank HEUSS
  2. Carl Dörr (Maler) auf Wikipedia.
  3. 3,0 3,1 Werner Fleischhauer: Das Bildnis in Württemberg 1760–1860, S. 161
  4. Justinus Kerner lebte seit 1819 im nahen Weinsberg.
  5. Theobald Kerner: Das Kernerhaus und seine Gäste, Berlin 1894, S. 97, zitiert nach: Christina Melk: Tübinger Ansichten und Maler im 19. Jahrhundert, S. 41
  6. Werner Fleischhauer: Das Bildnis in Württemberg 1760–1860, S. 162
  7. Christina Melk: Tübinger Ansichten und Maler im 19. Jahrhundert, S. 41
  8. Erschienen im Morgenblatt für gebildete Leser vom 22. November 1842
  9. Die Deutsche Gedichte-Bibliothek.