Urbansbruderschaft Tübingen e.V.

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Die Tübinger Urbansbruderschaft versammelt Freunde und Aktive der lokalen Weinkultur jeder Glaubensrichtung - sogar Agnostiker und Frauen dürfen der Urbansbruderschaft Tübingen e.V. angehören. Damit schließt sie an die Gebräuche der Hirschauer Urbansbruderschaft an, die schon vor über 350 Jahren Frauen zuließ.

Geschichte der Hirschauer Urbansbruderschaft[Bearbeiten]

Dieter Manz schrieb in seinem Buch „Rottenburger Wein und Urbansbruderschaft“ (Sülchgauer Altertumsverein, Rottenburg 2001) über die „Urbansbruderschaft in Hirschau“:

„Um des Seelenheils der Hirschauer willen feierten von 1650 an Priester des 1649 gegründeten Jesuitenkollegs in Hirschau Gottesdienst und betreuten als Seelsorger vorüberhegend die Gemeinde. Da hätten dann - so unsere Handschrift – einige Hirschauer gewünscht, die „ainstens gehabte“ St. Urbansbruderschaft wieder zu errichten.

Daraufhin versuchten die Jesuiten „durch glaubwürdigen bericht“ in Erfahrung zu bringen, was „Inhalt selbiger Bruderschaft“ gewesen sei. Was sie zu hören bekamen, war nicht gerade erbaulich. Es kam nämlich heraus, dass „mehr Miss als guette Bräuch in schwung gewesen“. So sei der „Hauptpunkt“ dieser Bruderschaft gewesen, dass sie jährlich von ihren Mitgliedern Wein bekam, „den sie nachmahlen an St. Urbans Tag im Wirtshaus verzehrten so lang er wehrete, ob man schon etliche Tag daran zu zehren hätte“. Anders gesagt: Die Mitglieder der Hirschauer Urbansbruderschaft tranken im Wirtshaus, bis der Wein aufgebraucht war – und wenn es mehrere Tage dauerte! Ja, zu diesem „Zehren“ gingen die Brüder und Schwestern in Prozession direkt von der Kirche ins Wirtshaus, wobei sie „die Bildtnuß S. Urbani“ mit sich trugen.

Der schlechte Ruf dieser Bruderschaft habe sogar dazu geführt, dass in der Nachbarschaft „auf öfentlichen Cantzlen“ gegen sie gepredigt worden sei und dass viele das Ende dieser Bruderschaft gewünscht hätten! Auf Bemühen der Jesuiten wurde nun zunächst festgelegt, dass die Hirschauer keinen Wein mehr zu ihrer Zecherei ins Wirtshaus mittragen sollten. „Zum andern sollen die weiber alda nit darbey sein“, drittens solle jeder darauf achten, dass er nicht zuviel trinke und „unbehutsames reden“ vermeide. Diese Vereinbarung unterschrieb und besiegelte der „Urbans Schulthaiß“ – so hieß damals in Hirschau der Vorsteher der Vorsteher der Bruderschaft – im Namen aller Bruderschaftsmitglieder Mitte Oktober 1653.

Nachdem aber bald darauf der Jesuitenpater, der auf die Einhaltung der Satzung geachtet hatte, von seinem Orden abberufen wurde, fing die Bruderschaft an, die alten (Miß-)Bräuche – „die alte form in allem“ – wieder aufleben zu lassen. Das Zutrinken im Wirtshaus fand wieder statt, St. Urban wurde wieder ins Wirtshaus getragen und „auch die Weiber alle so der Bruderschaft einverleibt darbey sich ainfinden lassen“. Dadurch sei bei den guten Gemeindemitgliedern eine große Verwirrung entstanden, sie seien sehr „bestürzet und bekhümmert“ gewesen. Nun begab sich aber, dass am Urbanstag 1656 einige Frauen, die Mitglieder der Urbansbruderschaft waren, sich weigerten, an dem Abendtrunk teilzunehmen. Das wurde ihnen „als Halßstärrigkheit ausgedeutet“ und der Ortspfarrer wollte sie deshalb sogar aus der Bruderschaft „außschliesen!“

Der Rottenburger Jesuiten-Tugendterror siegte dann doch noch und die Hirschauer Urbansbruderschaft gingt den Bach hinunter, bis sie 2006 im alten Hirschauer Ritus als „Urbansbruderschaft Tübingen“ wieder erstand, allerdings ohne Trinkpflicht. Wegen der Halsstarrigkeit einer Weigerung, an Trinkgelagen teilzunehmen, wird keine Schwester und auch kein Bruder mehr ausgeschlossen. [1]

Quellen[Bearbeiten]