Schwärzloch

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Gartenwirtschaft des Schwärzlocher Hofs mit der bei Studenten beliebten Mostbowle
Historische Ansicht der romanischen Apsis von Schwärzloch des Fotografen Paul Sinner (1838 - 1925)[1]
Reste romanischer Bauskulptur an der ehemaligen Kapelle von Schwärzloch. Fotograf: Paul Sinner (1838 - 1925)[1]

Schwärzloch mit dem Schwärzlocher Hof[1] ist ein beliebtes, traditionsreiches Ausflugslokal in Tübingen. Bereits im Mittelalter (ca. 1085) wurde es erstmals erwähnt und gehört damit zu den ältesten Wohnplätzen auf Tübinger Stadtgemarkung.

Lage

Schwärzloch liegt etwa eine Viertelstunde zu Fuß westlich von Tübingen. Es liegt auf der halben Höhe eines nördlichen Ausläufers des Spitzberges, auf einem wohlgerundeten Vorhügel. Der Hof Schwärzloch bietet einen guten Blick auf den Ammerhof und auf Tübingen.

Gebäude

Die Gebäude sind durch eine Mauer verbunden und bestehen aus der heutzutage zu einem Gasthaus umgbauten Kapelle und zwei Ökonomiegebäuden. Von der romanischen Kapelle sind noch wesentliche Teile erhalten. Ihr ursprünglich flachgedecktes Schiff ist innen ganz als Gastraum eingerichtet und zeigt außen noch ringsum den alten Sockel. Früher waren an der Nordseite auch die alten schmalen Rundbogenfensterchen erhalten. An der Südseite zieht sich noch unter dem Dachgesims ein Rundbogenfries hin, in dessen Feldern verschiedene merkwürdige Flachskulpturen zu finden sind. Es sind teils Pflanzengebilde: Palmen, Lilien, Rosen, Klee- und Eichenblätter, teils figürliche Darstellungen: Drachen, Fuchs und Bär, eine Schlange, ein fressender Adler, das Brustbild eines Mannes, der nach antiker Weise mit aufgehobenen Händen betet. Gerade über dem neuen Eingang wird der Rundbogenfries durch einen großen ungeflügelten Drachen unterbrochen. Links von der Türe gibt es einen Löwen und einen geflügelten Drachen mit einem in einen Pfeil endigenden Schweif, die gegen einander springen, eingemauert.[2]

Darüber steht eine Säule, an der ein langgeflügelter Engel in halber Lebensgröße steht, mit der rechten Hand segnend, mit der linken ein Buch haltend. Das untere Stück einer entsprechenden Figur, in Priestertracht und ein Buch haltend, ist jetzt in der Scheune eingemauert. Beide waren an den Pfosten des alten Eingangs angebracht. Der höchst primitive Stil aller dieser Skulpturen deutet auf die frühromanische Zeit. Die noch ganz erhaltenen östlichen Teile der Kapelle, der jetzt als Kellerchen benützte quadratische Chor samt seiner halbrunden Apsis, sind dagegen entschieden spätromanisch.[2]

Schwärzloch kommt schon 1085 unter den an das Kloster Blaubeuren geschenkten Stiftungsgütern vor. Das Kirchlein war dem heiligen Nikolaus geweiht. Der Chor ist schmäler als die Kapelle und hat in den vier Ecken Säulen, die auf keilförmigen Kapitellen ein hohes Rippenkreuzgewölbe tragen. Der Triumphbogen, der vom Schiff in den Chor führt, ist spitzbogig, die schmalen Fensterchen sind noch halbrund, die Gewölberippen von birnförmigem Querschnitt. An der Ostwand des Chores befindet sich über dem Halbkreisbogen der Apsis ein Relief, das ein Einhorn darstellt, ein anderes daneben wurde herausgebrochen. Durch die Tünche der Wände und des Gewölbes schimmern noch Spuren von Fresken.[2]

Außen gibt die von Lisenen, Rundbogen- und Zahnschnittfries belebte Chorpartie, die ganz an den grünen Abhang vortritt, ein sehr anmuthiges Bild. Starke über Eck stehende Strebepfeiler von spätromanischer Form stützen die freien Ecken des Chores; ein quadratisches, von romanischer Vierblattrosette erfülltes Fenster durchbricht seinen Ostgiebel. Der alte höhere Steingiebel des Schiffes wird von dem hölzernen des jetzigen Daches überragt, auf ihm sitzen, in den hölzernen Giebel eingebaut, noch die Reste des alten steinernen Glockengiebels, daran ein Steinmetzzeichen.[2]

Quellen

  1. 1,0 1,1 Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben; Kunst, Land und Leute in Aufnahmen der ersten Tübinger Lichtbildner und des Fotografen Paul Sinner (1838 - 1925); Verlag Gebr. Metz, Tübingen, 1989.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Beschreibung des Oberamts Tübingen von 1867