Charles Reutlinger

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Charles Reutlinger
Daguerreotypie der Familie des Tübinger Kaufmanns Karl Friedrich Baur, 1847
Zwanzigstes Stiftungsfest des Corps Rhenania Tübingen (Daguerreotypie, 1847)
Rückseite einer Daguerreotypie

Charles Reutlinger (eigentlich Carl Reutlinger, * 25. Februar 1816 in Karlsruhe) [1] [2] war einer der ersten Fotografen im 19. Jahrhundert.[3]

Leben[Bearbeiten]

Carl Reutlinger wurde in Karlsruhe als Sohn deutscher Eltern geboren. Reutlinger war mit Therese Reutlinger geb. Weiss verheiratet. Sowohl sein Nachname als auch der Geburtsname seiner Frau deuten auf eine jüdische Abstammung hin. 1837 bis 1849 arbeitete er als Wanderfotograf (Daguerreotypist) in Großraum Stuttgart.[3] Seine Frau gab Unterricht im Anfertigen von Kunstblumen, Sticken, und einer bestimmten Art des Kaffeeröstens, aber 1852 auch Unterricht in der Kollodiumfotografie.[4] Es ist daraus ersichtlich, dass sie ihn bei der Arbeit unterstütze.

Tübingen von Norden (Tonlithographie von F. Schlotterbeck nach einer Daguerreotypie von Carl Reutlinger)

1847 kam Reutlinger nach Tübingen und logierte im „Wiedmanschen Haus“, einer Bierwirtschaft an der Stuttgarter Chaussee, der jetzigen Hölderlinstraße. Er bot Daguerreotypie-Porträts an, die inzwischen auch in einem Innenraum angefertigt werden konnten. Als Zusatzleistungen bot er das Anfertigen von Kopien der Porträts, sowie Porträts zum Einfassen in Broschen und Ringe.[5] Außer den Anzeigen Reutlingers im „Amtsblatt“ und in der „Tübinger Chronik“ erschien dort am Anfang seines Aufenthaltes[6] eine Empfehlung des Oberreallehrers Gottlieb Friedrich Kieß, der bereits mehrere Jahre zuvor mit der Daguerreotypie experimentiert hatte. Da Preise der Porträts inzwischen niedriger waren[7] und das Verfahren einfacher war, war der Zuspruch des Publikums so groß, dass der zunächst für kurze Zeit geplante Aufenthalt auf zwei Monate verlängert wurde.

1850 ging er nach Paris und eröffnete dort sein erstes Pariser Atelier, wo er als Charles Reutlinger firmierte.[3] und war dort bis 1937 aktiv.[8] Das Studio wurde berühmt durch seine Porträts von Schauspielern, Künstlern, Musikern, Komponisten, Opernsängern und Balletttänzern seiner Zeit.[8]

Erhaltene Arbeiten aus Tübingen[Bearbeiten]

Aus seinem Aufenthalt in Tübingen im Jahr 1847 sind vier Arbeiten erhalten, die mit Sicherheit Reutlinger zuzuschreiben sind. Bei einigen anderen aus dieser Zeit erhaltenen Daguerreotypien fehlt die Originalrückseite mit der Signatur.

  • Porträt der Familie Autenrieth in unüblichem Hochformat - inzwischen stark oxidiert (Familienbesitz, Stuttgart)[9]
  • Porträt der Kaufmannsfamilie Baur (Städtische Sammlungen Tübingen, Geschenk von Mathilde Sinner, der Tochter von Paul Sinner)
  • Das 20. Stiftungsfest des Corps „Rhenania“ im Garten des Reichsadler (Archiv Corps Rhenania)
  • Ansicht von Tübingen vom Norden aus, überliefert als Vorlage zur Tonlithographie von F. Schlotterbeck (Städtische Sammlungen Tübingen)

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Charles Reutlinger auf Wikipedia
  2. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben ..., S. 99
  3. 3,0 3,1 3,2 Bibliothèque nationale de France
  4. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben ..., S. 18 mit Berufung auf „Schwäbische Kronik“ vom 16. August 1852, S. 1492
  5. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben ..., S. 18 Reutlingers Anzeigen erschienen in der „Tübinger Chronik“ am 3., 10., 12.,16., 29. April und am 3., 22., 27. Mai, sowie im „Amtsblatt“ am 9.und 28. April 1847.
  6. im „Amtsblatt“ am 9. April und in der „Tübinger Chronik“ am 16. April 1847
  7. Trotzdem war die Fotografie noch sehr teuer. Ein billigstes Porträt bei Reutlinger kostete mehr als ein Wochenlohn eines Tagelöhners.
  8. 8,0 8,1 National Portrait Gallery (London)
  9. Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben ..., S .19

Bibliographie[Bearbeiten]

  • Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben. Land und Leute in Aufnahmen der ersten Tübinger Lichtbildner und des Fotografen Paul Sinner (1838-1925), Gebrüder Metz : Tübingen 1989, ISBN 3-921580-79-X
  • Jean-Pierre Bourgeron: Les Reutlinger. Photographes a Paris 1850-1937, Paris 1979

Weblinks[Bearbeiten]