Wasserwerk

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In Tübingen wurde das erste Wasserwerk nach einem Gemeinderats-Beschloss vom 31. Januar 1876 gebaut. Am 28. März 1879 wurde das heute nicht mehr existierende erste Wasserwerk mit einem Fest in der neuen Universitätsturnhalle (bei der heutigen Universitätsbibliothek) eröffnet. Damit beginnt in Tübingen die leitungsgebundene Trinkwasserversorgung, die die Brunnen als Trinkwasserspender danach schrittweise ablöst.[1]

Wie schon 1862 die Gasversorgung wurde der Betrieb nicht einer privaten Firma, sondern einer neuen städtischen Gesellschaft unterstellt, aus der später die heutigen Stadtwerke entstanden sind.


Erstes Wasserwerk[Bearbeiten]

Das Hauptgebäude mit Schornstein
Kolbendampfmaschine und Kolbenpumpe des ersten Wasserwerkes

Das heute längst abgerissene erste Tübinger Wasserwerk unweit des heutigen Volksgarten und der damals noch nicht angelegten Ebertstraße bestand aus drei räumlich verteilten Einheiten:

  • Einem Hauptgebäude in schönem Bachsteinbaue mit Werksteinsockel und Eckquadern ausgeführt mit einem Backstein-Schornstein in dem sich die Kolbendampfmaschine als Antrieb für die dort aufgestellte Kolbenpumpe befand. Diese Pumpe saugte Wasser aus dem Brunnen und drückte es in eine Druckleitung hoch zum Österberg. Neben dem Gebäude wurde auf dem damals noch weiträumig unbebautem Gebiet ein 8 m tiefer Brunnenschacht mit 5 m Durchmesser und angeschlossener 26 m langer Sickergalerie gegraben und mit einer Verkleidung, die im unterem Bereich Schlitzfugen hatte, gesichert. Dort konnten rund 26 Liter kristallreynes Grundwasser in der Sekunde gesammelt werden. Das wären rund 2.100 cbm pro Tag und hätte für die damaligen ca. 11.710 Einwohner Tübingens 200 Liter pro Kopf ergeben[1] [Bem: hier erscheint die Rechnung aus dem Buch nicht schlüssig: 26 Liter * 3600 Sek/h * 24 Stunden = 2.246,400 cbm. Dieses geteilt durch 11.710 Einwohner = 191,8 l, also rund 4% weniger pro Kopf, aber knapp 7% mehr Tagesleistung].
  • Einer gusseisernen Hochdruckleitung mit 220 mm Weite und etwa 1 km Länge, die das Hauptgebäude mit einem Hochbehälter verband. Wobei der Bau mit der Verlegung durch den Neckar der schwierigste Teil daran war. Das Rohr musste gegen Hochwasser und Flöße geschützt werden. Die Arbeiten an der Durchquerung waren im Sommer 1878 fast fertig, als durch heftige Regenfälle und Wolkenbrüche zwischen Juli und September die Baustelle massiv behindert wurde.[1]
  • Das erste etwa 1.600 cbm fassende Wasserreservoir lag 70 m höher als die Pumpe und lag im Bereich der heutigen Stauffenbergstraße 10 auf dem Österberg. Von dort wurde das Wasser in das neue, rund 10 km lange Stadtrohrnetz geleitet und konnte durch die Höhendifferenz, etwa 54 m über dem Marktplatz und noch immerhin 17 m über dem Schloss, mit Gefälle verteilt werden. Außen am Hochbehälter war mangels moderner elektronischer Messinstrumente ein großer Wasserstandsanzeiger, der bei klarem Wetter per Fernglas von dem Pumpenhaus aus abgelesen wurde, um den Pegel von dort aus durch die Pumpleistung zu steuern.[1]

Die Wasserversorgung reichte von der damals noch im Bau befindlichen Medizinischen Klinik (heute Thelogikum) im Norden, im Westen über die Neckarhalde bis zur Abzweigung der Biesingerstraße und bis zu der alten Hauptpost (Ecke Karlstraße/Poststraße im Süden. Wegen der für den Wasseranschluss auf dem eigenem Grundstück und im Haus entstehenden Kosten hatten trotz öffentlicher Vorträge, Aufklärungs- und Werbeaktionen von den rund 1.000 Häusern in Tübingen anfänglich nur 450 einen Wasseranschluss angefordert. Da die öffentlichen Brunnen weiterhin liefen, konnten sich die nicht angeschlossenen weiterhin Ihr Wasser kostenlos schöpfen. Durch die nun möglichen Hydranten die mit kräftigsten Wasserstrahlen bereits im Oktober 1878 getestet wurden, war die Gefahr eines Stadtbrandes nun deutlich geringer. Denn Brände, rund 30 Brände seit 1874, die die Stadt im Atem hielten, könnten nun durch die 133 Hydranten besser bekämpft werden.[1]

Der gesamte Bau blieb mit 277.987 Mark knapp unter dem Kostenvoranschlag von 279.001,39 Mark.[1]


Quellen[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Trinkwasser für Tübingen - 125 Jahre Tübinger Wasserversorgung, Stadtwerke Tübingen GmbH Universitätsstadt Tübingen, 1. Auflage 2004, Seite 39ff