Verein Deutscher Studierender Kolonisten

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Teutonia Dorpat

Der Verein Deutscher Studierender Kolonisten war eine Studentenverbindung von Bessarabiendeutschen und Schwarzmeerdeutschen in Dorpat/Tartu (Estland) und Tübingen.

Dorpat[Bearbeiten]

Die Russifizierung der Universität Dorpat brachte den (materiell geförderten) Zuzug von Studenten russischer Nationalität.[1][2] Es entstanden viele russische Zirkel und Studentenverbindungen, die anders als die deutschen Korporationen gegliedert waren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen viele Deutsche – vor allem evangelische Theologen – an die Universität. Darunter waren beispielsweise Rudolf Faltin, Daniel Haase]und Immanuel Winkler. Die meisten waren Söhne Kolonisten in Südrussland, aus dem Wolga- und Schwarzmeergebiet. Am 17. (29.) Februar 1908 gründeten sie den Südländerverein Teutonia. Als Couleur wurde hellgrün–weiß–rosa angenommen. Auf die karmoisinrote Studentenmütze im Tellerformat war der silberne Zirkel aufgestickt. Die Farben konnten öffentlich nicht getragen werden, weil der örtliche Chargierten-Convent (Ch!C!) die Korporation vorerst nicht anerkannte. Der Wahlspruch war Fest und Treu! Teutonia verwarf die Mensur; als Einzelpersonen garantierten ihre Mitglieder jedoch den Comment des Ch!C![3]

Als der Grundsatz der freigestellten Satisfaktion eingeführt worden war, wurde Teutonia am 23. November 1912 in den Ch!C! aufgenommen. Die Aufnahme wurde mit einem Völkerkommers im Convents-Quartier der präsidierenden Baltischen Corporation Estonia Dorpat gefeiert. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde allen (auch den nichtdeutschen) Korporationen in Dorpat und Riga das öffentliche Farbentragen untersagt. Teutonia wurde wegen ihres germanischen Namens behördlich verboten.[3]

Tübingen[Bearbeiten]

V.D.St.K. Tübingen

„Um die Bestrebungen der Teutonia und ihre Arbeit für das Kolonistentum fortzusetzen“, gründeten ehemalige Angehörige der Dorpater Teutonia an der Eberhard Karls Universität Tübingen den Verein Deutscher Studierender Kolonisten.[4] Er konstituierte sich am 13. Juni 1919.[5]

"Als 1918 deutsche Truppen nach Südrußland kamen und bis in den Kaukasus vordrangen, entdeckten sie schmucke deutsche Dörfer, ja ganze deutsche Gebiete. Sie wurden hier mit grenzenlosem Jubel empfangen. Ihrem Volkstum treu, hatten die deutschen Ansiedler im Weltkrieg Unsagbares zu erdulden gehabt und konnten erst nach dem Zusammenbruch des Zarismus aufatmen. Die ersten 40 Kolonistenstudenten, die sich freiwillig zum deutschen Heeresdienst gemeldet hatten, und im Herbst 1918 in Deutschland eintrafen, waren ihrer Abstammung nach fast lauter Schwaben und wurden in Tübingen, Stuttgart bzw. Hohenheim untergebracht. Nach dem Umsturz im November 1918 gerieten sie, von ihren Angehörigen völlig abgeschnitten, in große Not, die sie veranlaßte, sich zu Zweckverbänden für wirtschaftliche und kulturelle Belange zusammenzuschließen. Mit Unterstützung des Deutschen Ausland-Instituts und des Vereins für das Deutschtum im Ausland konnten sie ihre Studien fortsetzen und erfolgreich abschließen."[6]

Am 29. Juli 1927 nahm der Verein Deutscher Studierender Kolonisten die Farben der Dorpater Teutonia an. Mit dem neuen Zirkel wurden sie am nächsten Tag dem Rektoramt mitgeteilt. Der Wahlspruch war Deutsch und frei, fest und treu! Im Wintersemester 1930/31 hatten die Kolonisten 48 Alte Herren, 14 Auswärtige Mitglieder, 4 Verkehrsgäste, 2 Inaktive und 10 Aktive.

Am 29. November 1932 ersuchte der V.D.St.K. – wie er in Tübingen genannt wurde – den Ausschuß Vereinigter Tübinger Korporationen, den Namenszusatz „Teutonia“ führen zu dürfen. Im Auftrag des akademischen Rektoramtes gab das Corps Borussia Tübingen als Vorsitzende des A.V.T.K. die Genehmigung bekannt.[7] Dagegen protestierte die seit 1924 in Tübingen bestehende Akademische Vereinigung Teutonia. Im Januar 1933 stimmten die Bünde des A.V.T.C. fast ausnahmslos dem Namenszusatz zu. Die Beschwerde der Akademischen Vereinigung Teutonia beim Universitätsgericht endete gütlich.[4][8] Im Wintersemester 1933/34 ging der der V.D.St.K. in der Vereinigung Auslanddeutscher Studenten Tübingen auf. In der Nachkriegszeit war seine Wiederbelebung nicht möglich.

Mitglieder[Bearbeiten]

  • Emil Bezner[9]
  • Adolf Bierwag[10]
  • Otto BroneskeWP
  • Fridolin Büxel[11]
  • Georg LeibbrandtWP
  • Jakob Rivinius[12]
  • Karl StumppWP

Herkunftsorte[Bearbeiten]

Deutsche Siedlungsgebiete in Bessarabien
Großliebenthaler Kolonien bei Odessa
  • Akkermán
  • Alexanderhilf
  • Arzys
  • Birsula
  • Elisabethgrad
  • Großliebenthal
  • Hoffnungstal
  • Katharinenfeld
  • Katharinenstadt
  • Kolonie Kronau
  • Neuberesina
  • Odessa
  • Pilenkowo
  • Plozk
  • Sarata
  • Sihabag
  • Tarutino
  • Tiflis

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald Seewann: TEUTONIA Dorpat/Tübingen – eine Verbindung deutscher studierender Kolonistensöhne aus Rußland (1908–1933). Einst und Jetzt (des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung), Bd. 34 (1989), S. 197–206.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roderich v. Engelhardt: Die Deutsche Universität Dorpat in ihrer geistesgeschichtlichen Bedeutung. München 1933.
  2. E.H. Eberhard: Die jetzige Lage auf den Hochschulen der russischen Ostseeprovinzen. Akademische Turn-Zeitung (Leipzig), Jg. XXIV/1908, S. 122 f.
  3. 3,0 3,1 Seewann, S. 198
  4. 4,0 4,1 Original im Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 117/1147/Nr. 84.
  5. Seewann, S. 199
  6. Das Akademische Deutschland, Berlin 1931, Bd. II, S. 1039.
  7. Seewann, S. 200
  8. Seewann, S. 201
  9. Bezner, Emil (DDB)
  10. Bierwag, Adolf (DDB)
  11. Büxel, Fridolin (DDB)
  12. Rivinius, Jakob (DNB)