Tobias Kröll

Aus TUEpedia
Wechseln zu:Navigation, Suche
Tobias Kröll im Fahrradladen Tretmühle 2012

Tobias Kröll (* 25. Juni 1967) ist ausgebildeter Zweiradmechaniker (Fachrichtung Fahrrad), Diplom-Pädagoge und Sozialwissenschaftler, sowie Autor und zertifizierter Singleiter. Von 1991 bis 2021 lebte er mit kurzen Unterbrechungen in Tübingen, seitdem in Wangen im Allgäu. Kröll war in unterschiedlichen Bereichen tätig, in verschiedenen Fahrrad-Läden und - Werkstätten, als Diplom-Pädagoge und Solo-Selbstständiger. Thematische Schwerpunkte seiner Arbeit sind die konstruktive Kritik am Neoliberalismus, solidarische Wirtschaftsformen und gemeinschaftliches Wohnen. Er betätigt sich im Sinne des Soziologen Pierre Bourdieus als "kollektiver Intellektueller". [1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kröll absolvierte von 1991 bis 1993 eine Ausbildung zum Fahrradmechaniker im Tübinger Fahrradladen RADlager.[2] Ab 1996 studierte er Erziehungswissenschaften an der Universität Tübingen (mit einem Auslandsjahr 1998/99 an der Universiteit van Amsterdam) und schloss 2003 mit einer Diplomarbeit über „Neoliberalismus und Soziale Arbeit“ bei Josef Held und Hans Thiersch ab.[3]

Zwischen 2012 und 2021 betrieb er im Französischen Viertel in Tübingen den Fahrradladen Tretmühle, der auf Lastenräder und nachhaltige Mobilität spezialisiert war.[4] Seit 2021 lebt Kröll in Wangen im Allgäu.

Wissenschaftlicher Ansatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Krölls wissenschaftliche Arbeit verbindet die Soziologie Pierre Bourdieus mit der Kritischen Psychologie des Tübinger Psychologen Josef Held ("Tübinger Forschungsgruppe").[5] Weitere Einflüsse sind Wolfgang Fritz Haug (Analyse des „Hightech-Kapitalismus“), Oskar Negt (Erosionskrisen und Demokratie, Theorie demokratischer Selbstbildung), Frigga Haug („Vier-in-einem-Perspektive“) und Friederike Habermann („Ecommony-Ansatz“).

Kröll ist Fellow des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT). Sein sogenannter „Weltbild-Ansatz“ beschreibt die Verbreitung eines „marktzentrierten Weltbilds“ („Mercato-Zentrismus“) in den letzten 500 Jahren, das er als unzureichend begründet und ideologisch verfestigt kritisiert.[6]

Politisches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seiner Zeit in Tübingen war Kröll in verschiedenen politischen und sozialen Initiativen regional und überregional aktiv:

  • Mitglied des Nicaragua-Arbeitskreises der ESG Tübingen (1992-2001)
  • Teilnahme an Studierendenprotesten 1997/98 ("Lucky-Streik") und Mitwirkung in der Streik-Band "Helmuts Fluchtversuch".
  • Vortrag "Wissen braucht Bewegung - Initiative für einen Paradigmenwechsel" beim ATTAC-Gründungskongress 2001 in Berlin sowie Mitglied bei ATTAC Tübingen[7]
  • Gründungs-Mitglied des 4-Häuser-Projekts (Mietshäuser Syndikat) in Tübingen[8]
  • Langjährige Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik
  • Ende September 2025 schrieb Tobias Kröll einen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz, der als Buch veröffentlicht wurde und dessen Kern-Aussagen zur Gefährdung Demokratie in einer "Petition auf Change.org" zusammengefasst sind: "Für eine neue Aufklärung -Menschlichkeit statt Wettbewerbsdogma".

Weitere kulturelle Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kröll ist Mitglied des Vereins "Singende Krankenhäuser" und als Singleiter für heilsames Singen aktiv. Im Februar 2025 schrieb er das Friedenslied "Peace will come" im Anschluss an ein Konzert der israelischen Sängerin Yael Deckelbaum in Tübingen [9] "Peace will come"

(mp3 Verweis)

(Aufnahme: Open Space der Singleiter-Fortbildung bei Katharina und Wolfgang Bossinger, Schloß Puchberg/Österreich, 15.5.2025)

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2001: „Wissen braucht Bewegung“ (Vortrag auf dem ATTAC-Gründungskongress, Berlin)
  • 2003: Rezension zur Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, in: Das Argument
  • 2004: „Exklusionsmanagement: Soziale Arbeit im Neoliberalismus“ (mit Volker Löffler), in: Das Argument
  • 2012: Artikel „Kulturelles Kapital“ im Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus
  • 2019: Where do the Children Play? (Books on Demand), mit Nachwort von Konstantin Wecker
  • 2019: „People and social uncertainty. Critical Psychology’s Orientation Theory meets Bourdieu“, in: Annual Review of Critical Psychology, Vol. 16
  • 2021: „Chancen für Alle im Raubtierkäfig?“ (Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik)
  • 2023: Gegenfeuer25. Beiträge für eine Ökonomie des Glücks und zur Kritik des marktzentrierten Weltbilds (Books on Demand), mit Vorwort von Franz Schultheis
  • 2024: Nachruf auf Oskar Negt in der Zeitschrift Luxemburg
  • 2025: Offener Brief zur Bundestagswahl auf Seemoz
  • 2025: Buch: "Herr Merz:, Artikel 1 ist die Brandmauer!" (Books on Demand)

Sonstige Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kröll schreibt seit 2014 die Kolumne "Tobis Fahrradgeschichten" für die Online-Zeitschrift Fahrradzukunft. Für das Buch "Car go bike boom!" schrieb er einen Beitrag zu Transport- und Lastenrädern in Amsterdam. Zudem war er mehrfach Gast in Radio- und Podcast-Formaten, darunter im Podcast Visionen & O-Saft über das 4-Häuser-Projekt.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks & Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Schultheis. Vorwort in: Tobias Kröll 2023 Gegenfeuer25, Books on Demand, S. 9.: "Zu diesen Mitstreitern gehörte von Beginn an auch der Autor der hier vorgelegten sozialtheoretischen und gesellschaftspolitisch engagierten Interventionen".
  2. Fahrradzukunft, Ausgabe 36, Artikel von Tobias Kröll
  3. Tobias Kröll: Neoliberalismus und Soziale Arbeit. Diplomarbeit, Universität Tübingen, 2003.
  4. Schwäbisches Tagblatt: „Lastenräder in der Tübinger Tretmühle“, 2019
  5. Tobias Kröll: People and social uncertainty. Critical Psychology’s Orientation Theory meets Bourdieu, in: Annual Review of Critical Psychology, Vol. 16, 2019.
  6. Tobias Kröll: Gegenfeuer25, Books on Demand 2023, ISBN 978-3-7578-4704-3.
  7. Attac Deutschland: Dokumentation Gründungskongress 2001, Berlin
  8. Mietshäuser Syndikat – Projektliste
  9. Schwäbisches Tagblatt: Konzertbericht Yael Deckelbaum, Februar 2025
  10. Podcast „Visionen & O-Saft“ über das 4-Häuser-Projekt