Schwester Carlagnese Nanino

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Schwester Carlagnese Nanino (* 12. Oktober 1932 in Ettlingen; † 12. März 2022 in Tübingen) war Ordensschwester und Sozialpädagogin. Sie begründete das "Kinderhaus"-Konzept und wurde 2013 zur Ehrenbürgerin der Stadt ernannt.

Sie wurde mit dem Geburtsnamen Erminia Nanino als ältestes von fünf Kindern von deutsch-italienischen Eltern geboren. Als Schülerin besuchte sie ein von Ordensschwestern geleitetes Internat in Udine (Italien). In einem Interview beschrieb sie sich später als "sehr lebhafte und schlimme Schülerin“.

Mit 16 Jahren trat sie mit Zustimmung ihres Vaters in den von Carlo Steeb in Verona gegründeten Orden der Sorelle della Misericordia di Verona ein (deutsch: "Schwestern der Barmherzigkeit"). 1954 legte sie ihre Profess ab[1] und nahm den Namen Carlagnese an.[2] Sie betonte später: „Keine Minute habe ich in meinem Leben gezweifelt, dass ich eine Berufung habe.“ Sie sah sich im Orden im Spannungsfeld von Kontemplation und Apostolat, dem Umsetzen der christlichen Botschaft in die Tat.

1957 wurde sie nach Tübingen geschickt und übernahm dort - laut eigenen Aussagen ohne vorherige Erfahrung - die Leitung des 1954 von ihrem Orden gegründeten Carlo-Steeb-Kindergartens[3] mit über 100 Kindern.

Zwischen 1963 und 1965 richtete sie mit ihren Mitschwestern einen Kinderhort und ein Tagheim ein, um der wachsenden Nachfrage nach Ganztagsbetreuung zu begegnen. Ab 1968 war sie pastorale Mitarbeiterin der Kirchengemeinde St. Michael, gründete Familienkreise und engagierte sich in der Caritas- sowie der Seelsorgearbeit. 1987 eröffnete sie das Kinderhaus Carlo Steeb mit altersgemischten Gruppen, Hort- und Ganztagesplätzen und mit Mittagstisch - ein Modell, das bundesweit Anerkennung fand.[4] Parallel zu ihren Leitungsaufgaben studierte sie Sozialpädagogik.

Im Querflügel zwischen dem Gemeindehaus St. Michael, der Caritas und dem Kinderhaus Carlo Steeb bewohnten Sr. Carlagnese und die Schwestern der Barmherzigkeit das oberste Stockwerk. Dort verstarb sie mit 89 Jahren am 12. März 2022, umsorgt von zwei Ordensschwestern und begleitet von Pfarrer Thomas Steiger, der sie als "große Autorität" und "moderne, aufgeschlossene und kritische Katholikin" beschrieb.[1]

Laut Pfarrer Thomas Steiger wollte sie besonders Kindern aus schwierigen Verhältnissen einen guten Start ins Leben ermöglichen. Für sie stand laut ihm stets der Mensch im Mittelpunkt, erst danach die Theologie. Dank ihrer ausgeprägten Kontaktfähigkeit konnte sie viele Projekte für das Kinderhaus umsetzen.[1]

Ihre Aufbahrung erfolgte in der St.-Michaels-Kirche, das Requiem wurde von Pfarrer Thomas Steiger geleitet[5], anschließend wurde sie auf dem Bergfriedhof beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 bekam sie die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.[6]

2013 wurde ihr von Oberbürgermeister Boris Palmer die Ehrenbürgerschaft der Universitätsstadt Tübingen verliehen. Laut Medienberichten war sie "gerührt und auch etwas erschrocken, plötzlich so im Rampenlicht zu stehen."[1]

Video[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Youtube: Katholische Kirche Tübingen: Requiem für Sr. Carlagnese am 17. März 2022 mit Nachruf von Pfarrer Thomas Steiger

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]