Schwabenhaus

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Früheres Haus des Corps Suevia Tübingen in der Gartenstraße 12
Großer Kneipsaal des Corps Suevia Tübingen im Haus in der Gartenstr. 12, ca. 1900

Das erste Corpshaus der Suevia war ein gekauftes Haus in der Neckarhalde 66, das von 1885 bis 1900 vom Corps genutzt wurde. Bald reichte der Platz nicht mehr aus und es wurde ein neues Haus direkt am Neckarufer gebaut, das unter dem Namen Schwabenhaus bekannt wurde. Das Gebäude in der Gartenstraße 12 war von 1900 bis 1936 das Corpshaus der Suevia Tübingen, heute ist es Sitz der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Tübingen. Seit 1952 nutzt Suevia ein neues Haus in der Kleiststraße 12. [1] [2]

Geschichte des Hauses[Bearbeiten]

Schwabenhaus und Umgebung, um 1910

Aufgrund des Drucks der Nationalsozialisten musste Suevia 1936 den Aktivenbetrieb einstellen. Der Altherrenverein beschloss, das Haus trotz der ungewissen Lage nicht zu verkaufen. 1940 wurden die Räumlichkeiten von der Wehrmacht beschlagnahmt, die sie als Kasino nutzte und ab 1942 als Heereslazarett für sehbehinderte und erblindete Soldaten mietete.

Das Haus wurde schwer beschädigt, als in der Nacht vom 15. auf den 16. März 1944 eine Luftmine bei der Neckarbrücke einschlug. Die Soldaten des Lazaretts konnten die Schäden wieder reparieren.

Nach Kriegsende beschlagnahmte das französische Militär das Haus und nutzte es unter anderem als Unteroffizierskasino. Nach der Rückgabe für die zivile Nutzung zog im Herbst 1949 das Kaiser-Wilhelm-Institut (später Max-Planck-Institut) für ausländisches und internationales Privatrecht in das Haus ein.

Die Stadt Tübingen kaufte es 1953 dem Verein alter Tübinger Schwaben für 55.000 D-Mark ab. Von 1959 bis 1972 war in dem Schwabenhaus der „Jugendclub“ untergebracht, in dem zuerst in privater Initiative, dann als offizielle Jugendarbeit von Stadt und Kreis Tübingen Veranstaltungen für junge Leute von 16 bis 21 Jahren durchgeführt wurden.

Die Stadt zog jedoch bereits in den 1960er Jahren einen Abbruch des Gebäudes in Erwägung. Es bestanden Planungen für eine Gesamtbebauung zusammen mit dem Nachbargrundstück. Ein entsprechender Bebauungsplan wurde 1968 genehmigt.

Widerstand gegen den Abriss des Schwabenhauses kam von einer Bürgerinitiative und dem Landesdenkmalamt. Die Behörde sah in dem Gebäude ein erhaltenswertes Kulturdenkmal: „Es ist dem französischen Rokokostil nachempfunden und steht im positiven Gegensatz zu den teutonischen Trutzburgen der übrigen Verbindungshäuser“. Es stelle „einen wichtigen Beitrag des Historismus mit leichten Jugendstileinflüssen“ dar und sei aufgrund seiner „kulturgeschichtlichen und heimatkundlichen Bedeutung“ ins Denkmalbuch einzutragen.
(Anm.: Daran ist aber auch zu erkennen, dass die Abwertung der anderen Verbindungshäuser auch bei Fachleuten noch bis in die damalige Zeit reichte; das wird heute längst anders gesehen.)

Der lang andauernde Streit wurde sowohl mit politischen, als auch mit juristischen Mitteln ausgetragen. Die Stadt Tübingen klagte auf Abbruch und verlor auch in der Revision beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg in Mannheim. Die Klage wurde abgewiesen. Die Sanierung des Gebäudes konnte Ende 1976 beginnen. Am 15. August 1978 wurde das Gebäude an die Volkshochschule übergeben, die es fast 20 Jahre nutzte.

Seit 1998 ist die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik Tübingen im Schwabenhaus untergebracht.

Das Corps Suevia benutzt das Schwabenhaus ebenfalls weiterhin für Feierlichkeiten zu besonderen Anlässen.[3]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Arnold Sieveking, Wilhelm Girardet, Vladimir Freiherr von Schnurbein, Nicolaus Fallmeier: Eckdaten zur Corpsgeschichte Suevia Tübingens - zur Geschichte der Schwabenhäuser. in: Wilhelm G. Neusel (Hrsg.): Kleine Burgen, große Villen - Tübinger Verbindungshäuser im Porträt, Tübingen 2009, S. 232-241, ISBN 978-3-924123-70-3
  2. Corpshaus der Suevia auf Wikipedia.
  3. Schwabenhaus auf Wikipedia