Schwärzloch

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Schwärzloch
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Schwärzloch von oben
Panorama von Schwärzloch Blickrichtung Norden
Gartenwirtschaft des Schwärzlocher Hofs mit der bei Studenten beliebten Mostbowle
Historische Ansicht der romanischen Apsis von Schwärzloch des Fotografen Paul Sinner (1838 - 1925)[1]
Reste romanischer Bauskulptur an der ehemaligen Kapelle von Schwärzloch. Fotograf: Paul Sinner (1838 - 1925)[1]
Christoph Friedrich Dörr: Bildnis einer Unbekannten, im Hintergrund der Schwärzlocher Hof (Öl auf Leinwand, um 1807-1810)

Schwärzloch oder Schwärzlocher Hof ist ein beliebtes, traditionsreiches Ausflugslokal in Tübingen. Bereits im Mittelalter (ca. 1085) wurde es erstmals erwähnt und gehört damit zu den ältesten Wohnplätzen auf Tübinger Stadtgemarkung.

Lage[Bearbeiten]

Schwärzloch liegt etwa eine Viertelstunde zu Fuß westlich von Tübingen. Es liegt auf der halben Höhe eines nördlichen Ausläufers des Spitzberges, auf einem wohlgerundeten Vorhügel. Der Hof Schwärzloch bietet einen guten Blick ins Ammertal und zum Schönbuch-Trauf.

Gebäude[Bearbeiten]

Schwärzloch kommt schon 1085 unter den an das Kloster Blaubeuren geschenkten Stiftungsgütern vor. Das Kirchlein war dem heiligen Nikolaus geweiht,[2] dem Patron des Wassers, dessen Wahl erklärlich ist, wenn man bedenkt, daß in früheren Zeiten das ganze obere Ammertal vom Schwärzlocher Hügel bis zu den Unterjesinger Bergen ein Sumpf oder See gewesen sein soll.[3]

Die Gebäude sind durch eine Mauer verbunden und bestehen aus der heutzutage zu einem Gasthaus umgbauten Kapelle und zwei Ökonomiegebäuden. Von der romanischen Kapelle sind noch wesentliche Teile erhalten. Ihr ursprünglich flachgedecktes Schiff ist innen ganz als Gastraum eingerichtet und zeigt außen noch ringsum den alten Sockel. Früher waren an der Nordseite auch die alten schmalen Rundbogenfensterchen erhalten.

Der Figurenfries[Bearbeiten]

An der Südseite zieht sich noch unter dem Dachgesims ein Rundbogenfries hin, in dessen Feldern verschiedene merkwürdige Flachskulpturen zu finden sind. Es sind teils Pflanzengebilde: Palmen, Lilien, Rosen, Klee- und Eichenblätter, teils figürliche Darstellungen: Drachen, Fuchs und Bär, eine Schlange, ein fressender Adler, das Brustbild eines Mannes, der nach antiker Weise mit aufgehobenen Händen betet.

Gerade über dem neuen Eingang wird der Rundbogenfries durch einen großen ungeflügelten Drachen unterbrochen. Links von der Türe gibt es einen Löwen und einen geflügelten Drachen mit einem in einen Pfeil endigenden Schweif, die gegen einander springen, eingemauert.[2]

Darüber steht eine Säule, an der ein langgeflügelter Engel in halber Lebensgröße steht, mit der rechten Hand segnend, mit der linken ein Buch haltend. Das untere Stück einer entsprechenden Figur, in Priestertracht und ein Buch haltend, ist jetzt in der Scheune eingemauert. Beide waren an den Pfosten des alten Eingangs angebracht. Der höchst primitive Stil aller dieser Skulpturen deutet auf die frühromanische Zeit. Die noch ganz erhaltenen östlichen Teile der Kapelle, der jetzt als Kellerchen benützte quadratische Chor samt seiner halbrunden Apsis, sind dagegen entschieden spätromanisch.[2]

Nach einer anderen Interpretation bezieht sich die als Gurt am Fries entlang laufende Reihe von roh gearbeiteten Darstellungen auf eine Lindwurmsage: Eine weibliche Figur mit angstvoll erhobenen Armen wird vom Rachen eines auf zwei Felder verteilten Ungeheuers mit gewundenem Schwanz bedroht. Allerdings wird dieses Ungeheuer von zwei Hunden angefallen, neben denen kurzfüßige Wasservögel und Lilien erscheinen. Der heilige Nikolaus wird häufig in Verbindung mit einem Wasser-Ungeheuer dargestellt, auf dem er siegreich steht, während es sich gegen ihn aufbäumt. Wahrscheinlich ist dann das Ungeheuer Symbol des vom Heiligen Nikolaus bewältigten Elementes, und so könnten die Bilder an der Nikolauskapelle sich auf die Nikolauslegende beziehen.[4]

Wenn man sich die Reihe von Bildern aber ergänzt denkt, so scheint hinter den Hunden der rettende Ritter St. Georg aus der Lindwurmsage folgen zu müssen, dessen Verehrung in Tübingen so sehr zu Hause ist, daß ihm nicht bloß die Stiftskirche geweiht wurde, an der sein Bild als Lindwurmtöter wiederholt dargestellt ist, sondern daß nach einer Volkssage die Tübinger Gegend als Hauptplatz seiner Legende beschrieben wird.[4]

Vom Lindwurm, den der fromme Ritter zur Rettung der Königstochter erschlug, könnte der Wurmlinger Berg seinen Namen erhalten haben. Darüber hinaus haben die Ritter von Wurmlingen in ihrem Wappen einen Lindwurm. Bei der Stiftskirche kommen Georg und Nikolaus nebeneinander vor. So wäre es möglich, daß sie auch in Schwärzloch nebeneinander verehrt worden sind, und während der Altar dem Nikolaus geweiht war, sollten die Friesverzierungen an St Georg, den anderen Ungeheuertöter, erinnern.[4]

Der Chor ist schmäler als die Kapelle und hat in den vier Ecken Säulen, die auf keilförmigen Kapitellen ein hohes Rippenkreuzgewölbe tragen. Der Triumphbogen, der vom Schiff in den Chor führt, ist spitzbogig, die schmalen Fensterchen sind noch halbrund, die Gewölberippen von birnförmigem Querschnitt. An der Ostwand des Chores befindet sich über dem Halbkreisbogen der Apsis ein Relief, das ein Einhorn darstellt, ein anderes daneben wurde herausgebrochen. Durch die Tünche der Wände und des Gewölbes schimmern noch Spuren von Fresken.[2]

Außen gibt die von Lisenen, Rundbogen- und Zahnschnittfries belebte Chorpartie, die ganz an den grünen Abhang vortritt, ein sehr anmuthiges Bild. Starke über Eck stehende Strebepfeiler von spätromanischer Form stützen die freien Ecken des Chores; ein quadratisches, von romanischer Vierblattrosette erfülltes Fenster durchbricht seinen Ostgiebel. Der alte höhere Steingiebel des Schiffes wird von dem hölzernen des jetzigen Daches überragt, auf ihm sitzen, in den hölzernen Giebel eingebaut, noch die Reste des alten steinernen Glockengiebels, daran ein Steinmetzzeichen.[2]

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Wolfgang Hesse: Ansichten aus Schwaben; Kunst, Land und Leute in Aufnahmen der ersten Tübinger Lichtbildner und des Fotografen Paul Sinner (1838 - 1925); Verlag Gebr. Metz, Tübingen, 1989.
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Beschreibung des Oberamts Tübingen von 1867
  3. Nikolauskapelle in Karl Klüpfel und Max Eifert: Geschichte und Beschreibung der Stadt und Universität Tübingen, Band 1, 1849, Seite 61.
  4. 4,0 4,1 4,2 Schwärzlocher Hof in Karl Klüpfel und Max Eifert: Geschichte und Beschreibung der Stadt und Universität Tübingen, Band 1, 1849, Seite 62.

Weblinks[Bearbeiten]