Preisend mit viel schönen Reden
Ein altes Lied - auch Württemberger-Lied genannt -, das an Graf Eberhard im Bart gerichtet ist und die starke Verbundenheit der Landeskinder, also Bewohnerinnen und Bewohner, seien es Bauern oder Städter, mit ihrem Landesfürsten preist.
Entstehung und Melodie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Justinus Kerner verfasste den Text im Jahre 1818 als Ballade zu Ehren von Eberhard im Bart (1445–1496), dem ersten Herzog von Württemberg. Gesungen wird der Text nach der Melodie des Volksliedes "In des Waldes tiefsten Gründen", die lange Zeit zuvor von einem unbekannten Komponisten geschaffen und 1801 erstmals in einem Liederbuch veröffentlicht wurde. Auffällig sind die melodischen Gemeinsamkeiten mit der Marseillaise. Der früheste gemeinsame Abdruck des Textes und der Melodie erschien im Jahr 1823. Kerner schöpfte den Stoff seiner Ballade aus der historischen Sage über den Reichstag zu Worms im Jahre 1495, auf dem Eberhard in Anerkennung seiner Leistungen von König Maximilian I. zum ersten Herzog von Württemberg erhoben wurde. Laut dem Humanisten und Reformator Philipp Melanchthon soll es auf dem Gastmahl zu einem Streitgespräch der anwesenden Fürsten über die Reichtümer ihrer Länder gekommen sein, aus dem Eberhard als Sieger hervorgegangen sein soll. Denn sein Land Württemberg sei zwar arm, aber sein Fürst könne seiner Bevölkerung rückhaltlos vertrauen, denn selbst im tiefsten Wald könne er seinen Kopf zum Schlafen „jedem Untertan in Schoß“ legen, ohne Angriffe auf Leib und Leben fürchten zu müssen. Die Begebenheit wird in einer Tischrede Luthers erwähnt.[1]
Text[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Preisend mit viel schönen Reden
Ihrer Länder Wert und Zahl,
Saßen viele deutsche Fürsten
Einst zu Worms im Kaisersaal.
„Herrlich“, sprach der Fürst von Sachsen,
„Ist mein Land und seine Macht;
Silber hegen seine Berge
Wohl in manchem tiefen Schacht.“
„Seht mein Land in üpp’ger Fülle,“
Sprach der Kurfürst von dem Rhein,
„Goldne Saaten in den Tälern,
Auf den Bergen edlen Wein!“
„Große Städte, reiche Klöster“,
Ludwig, Herr zu Bayern, sprach,
„Schaffen, daß mein Land den euren
wohl nicht steht an Schätzen nach.“
Eberhard, der mit dem Barte,
Württembergs geliebter Herr,
Sprach: „Mein Land hat kleine Städte,
Trägt nicht Berge silberschwer;
Doch ein Kleinod hält’s verborgen:
Daß in Wäldern, noch so groß,
Ich mein Haupt kann kühnlich legen
Jedem Untertan in Schoß.“
Und es rief der Herr von Sachsen,
Der von Bayern, der vom Rhein:
„Graf im Bart! Ihr seid der Reichste!
Euer Land trägt Edelstein!“
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Johann Konrad Irmischer (Bearb.): Tischreden, Bd.V. (Dr. Martin Luther‘s sämtliche Werke 61). Heyder & Zimmer, Frankfurt am Main und Erlangen 1854, Nr. 2364, S. 326f (Google-Books); D. Martin Luthers Werke. (Kritische Gesamtausgabe. Tischreden 6). H. Böhlau, Weimar 1921. Nr. 6949, S. 286f.