Neujahrsempfang
Jedes Jahr im Januar gibt es einen Neujahrsempfang der Stadt. Bei der Veranstaltung werden geladene Gäste und die Bürgerschaft vom Oberbürgermeister begrüßt, die traditionelle Neujahrsrede gehalten sowie Danksagungen gesprochen und Ehrungen wie etwa die Uhland- und Hölderlinplakette verliehen.
Seit den Umbaumaßnahmen am Rathaus fanden sie im Festsaal der Neuen Aula statt. Da die Nachfrage das Platzangebot oft übertrifft, kann man sich vorher anmelden, muss man aber nicht.
1990 wurde dabei die Partnerschaftsurkunde zwischen Tübingen und Petrosawodsk gegengezeichnet.[1]
2011 wurden Ergebnisse einer Umfrage zu möglichen Einsparmöglichkeiten präsentiert, die wegen der diesjährigen knappen Stadtkasse nötig wurden. Die Präsentation ist [hier] zu finden.
Beim Neujahrsempfang 2014 war der amtierende Ministerpräsident Baden-Württembergs, Winfried Kretschmann, zu Besuch.[2] Für diesen Empfang warb Boris Palmer auf Facebook. Boris Palmer lud über Facebook zu der Veranstaltung ein.[3]
Beim Neujahrsempfang am 12. Januar 2015 wurde Boris Palmer für seine zweite Amtszeit verpflichtet, weswegen auch der Gemeinderat hierbei für diesen einen Punkt eine Sitzung abhielt.[4]
2016 verlieh Boris Palmer die Bürgermedaille an Eva Arnold-Schaller und Dr. Lisa Federle stellvertretend für alle Tübinger*innen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren. [5] Der musikalische Rahmen stammte von Voice Cream. [6]
2017 hielt Boris Palmer eine hier veröffentlichte Rede. Er verlieh dabei die erste Uhland-Plakette an Sigrid Kochendörfer für ihr Engagement im Verein "Hilfe für Kranke Kinder", zu dem sie 1999 auch den Anstoß gegeben hatte.
Rahmenprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der typische Ablauf der jährlichen Veranstaltung ist meist vergleichsweise ähnlich aufgebaut:
1. Einlass und musikalischer Auftakt Die Veranstaltung beginnt meistens in der Neuen Aula der Universität. Traditionell zieht der Oberbürgermeister in den Festsaal ein, begleitet von einem musikalischen Eröffnungsstück, das oft von lokalen Künstlern wie einem Jazz-Duo oder der Tübinger Musikschule (z.B. mit einem Orchester) gestaltet wird.
2. Begrüßung Der Oberbürgermeister mit umgehängter Amtskette eröffnet den Abend offiziell mit einer kurzen Ansprache, in der er die anwesenden Gäste aus Bürgerschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung auch teilweise persönlich mit namentlicher Erwähnung willkommen heißt.
3. Verleihung der Auszeichnungen (Hölderlin- und Uhland-Plakette) Dieser Programmpunkt steht meist vor der großen Rede. Der Oberbürgermeister hält die Laudationes auf verdiente Persönlichkeiten der Stadt. Im feierlichen Rahmen werden dann die Hölderlin-Plakette (meist für kulturelle Verdienste) und die Uhland-Plakette (für besonderes bürgerschaftliches Engagement) übergeben. Nicht jedes Jahr werden beide Plaketten vergeben, da die Anzahl der Plaketten unter den lebenden Preisträgern limitiert ist.
4. Die Neujahrsrede Dies ist der politische Kern des Abends. Der Oberbürgermeister hält eine ausführliche Rede, in der er Bilanz über das vergangene Jahr zieht, aktuelle Krisen und Herausforderungen der Stadtpolitik einordnet und einen Ausblick auf die geplanten Projekte des neuen Jahres gibt.
5. Musikalischer Abschluss und Stehempfang Nach einem letzten Musikstück endet der offizielle Teil im Saal. Die Gäste begeben sich anschließend in die Wandelhalle der Neuen Aula zum geselligen „Defilee“. Dort gibt es traditionell Wein, alkoholfreie Getränke und Brezeln (mit und ohne Butter je nach wirtschaftlicher Lage) und es besteht die Möglichkeit zum persönlichen Austausch.
Themen der jährlichen Ansprachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bei jedem Neujahresempfang wird eine große Rede gehalten, welche meist um gesellschaftliche Entwicklungen handelt, die für dieses Jahr besonders prägend waren. Hier eine Auflistung der vergangenen Jahre:
Bitte beachten Sie: In den Jahren der Corona-Pandemie (insbesondere 2021) gab es keinen klassischen Neujahrsempfang im Januar.
- 2026: Das Ende des Aufstiegsversprechens Palmer konstatierte, dass das Wohlstandsversprechen („Den Kindern soll es einmal besser gehen“) aufgrund von Demografie, Bildungsmisere und Wirtschaftskrise wackelt. Er forderte radikalen Pragmatismus und Kompromisse jenseits von Ideologien („Es braucht beides“), um den Abstieg des Landes zu verhindern.[7]
- 2025: Die fetten Jahre sind vorbei / Haushaltskonsolidierung Palmer schwor die Stadt auf einen strikten Sparkurs ein. Seine Kernbotschaft war, dass man nicht "sparen" (Geld zurücklegen) könne, sondern aktiv Ausgaben kürzen müsse ("Wir müssen Menschen etwas wegnehmen, an das sie sich gewöhnt haben"). Er thematisierte die schwierige Finanzlage und warb für Verständnis bei unpopulären Entscheidungen.[8]
- 2024: "Gute Nachrichten" in der "Omnikrise" Entgegen der allgemeinen Krisenstimmung (Kriege, Klima, Inflation) widmete Palmer seine Rede den "guten Nachrichten". Er bezog sich auf das Buch Factfulness von Hans Rosling und argumentierte, dass die Weltlage oft zu negativ wahrgenommen werde und viele objektive Fortschritte (Gesundheit, Armutsbekämpfung) übersehen würden.[9]
- 2023: Glück im Unglück (Corona-Rückblick) Der Empfang fand verspätet im April statt. Palmer blickte auf die Pandemie zurück ("Tübinger Modell") und zog das Fazit, dass man trotz aller Härten "Glück im Unglück" gehabt habe, da das Virus weniger tödlich war als historische Seuchen. Er thematisierte zudem den gesellschaftlichen Zusammenhalt nach den Spaltungen der Pandemie.[10]
- 2022: Krieg und Konfliktkultur Auch dieser Empfang fand wegen Corona erst im März statt, kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges. Palmer sprach über den Krieg, die Aufnahme von Geflüchteten und die Bedeutung von Konflikten für die Demokratie ("Liberale Demokratie ist Regierung durch Konflikt"). Er betonte, dass Streit nicht vertuscht, sondern produktiv ausgetragen werden müsse.[11]
- 2021: Ausgefallen Aufgrund des bundesweiten Lockdowns zur Eindämmung der Corona-Pandemie fand kein klassischer Neujahrsempfang statt.
- 2020: Klimaneutralität ("Tübingen macht blau") Palmer trat symbolträchtig im blauen Anzug auf. Das dominante Thema war der Klimaschutz mit dem ambitionierten Ziel, Tübingen bis 2030 klimaneutral zu machen. Er warb für radikale Maßnahmen (z.B. Solarpflicht), um der globalen Erwärmung lokal entgegenzutreten.[12]
- 2019: Hegel und die Streitkultur Palmer nutzte den Philosophen Hegel (These, Antithese, Synthese), um über die Art und Weise zu sprechen, wie öffentliche Debatten geführt werden. Er kritisierte die Verengung von Meinungskorridoren und plädierte für einen dialektischen Austausch, bei dem Widerspruch als notwendig für den Erkenntnisgewinn gesehen wird.
- 2018: Bürgerengagement und Stadtentwicklung Thematisch ging es um die erfolgreiche Sanierung der Altstadt (würdigte den ehemaligen Sanierungschef Andreas Feldtkeller) und das bürgerschaftliche Engagement, etwa in der Friedensbewegung oder im Naturschutz.[13]
- 2017: Weltpolitik in der Provinz Palmer sprach darüber, wie globale Krisen (Flüchtlingskrise, Terroranschläge wie in Berlin oder Nizza) direkt auf die Stadtgesellschaft durchschlagen. Er thematisierte die Integrationsleistung Tübingens ("Wir schaffen das" im lokalen Kontext) und den Bauboom in der Stadt.[14]
- 2016: Postfaktische Debatten Palmer warnte vor einer Politik, die Gefühle über Tatsachen stellt ("postfaktisch"). Er thematisierte die Flüchtlingskrise und forderte einen Realismus in der Debatte, der sich an Machbarkeit und Zahlen orientiert, statt an rein moralischen Wunschvorstellungen.[15]
- 2015: „Je suis Charlie“ – Meinungsfreiheit und Toleranz Nach den Terroranschlägen von Paris (Charlie Hebdo) stand die Rede im Zeichen der Meinungsfreiheit. Palmer warnte davor, Muslime pauschal zu verurteilen, forderte aber zugleich eine offene Debatte über religiösen Fundamentalismus, ohne „falsche Toleranz“.[16]
- 2014: Wachstumsschmerzen („Pest und Cholera“) Palmer thematisierte das starke Wachstum der Stadt (Einwohner, Arbeitsplätze) und den daraus resultierenden Zielkonflikt: Wirtschaftswachstum sei gut für die Finanzen, aber schlecht für die Umwelt („Pest und Cholera“). Er warb für „qualitatives Wachstum“ und Innenverdichtung statt Flächenfraß.[17]
- 2013: Die „unregierbare“ Stadt? Bezugnehmend auf ein Zitat seines Vorgängers Eugen Schmid, Tübingen sei „fast unregierbar“, sprach Palmer über die Zersplitterung des Gemeinderats und die lebhafte Streitkultur der Bürger (z.B. über „Kleinigkeiten“ wie Laubbläser oder das „Mohrenköpfle“). Er verteidigte diese Debattenfreude als Wesenskern der lokalen Demokratie.[18]
- 2012: Stuttgart 21 und die Bürgerbeteiligung Nach dem hitzigen Herbst 2011 (Volksabstimmung zu S21) stand das Thema Bürgerbeteiligung im Fokus. Palmer analysierte, wie direkte Demokratie Gräben aufreißen, aber auch schließen kann, und plädierte für mehr Sachlichkeit in hochemotionalen Debatten.
- 2011: Sparen mit den Bürgern (Haushaltsbefragung) Aufgrund der Finanzkrise musste die Stadt sparen. Palmer stellte die Ergebnisse einer großen Bürgerbefragung vor, bei der die Tübinger selbst priorisieren durften, wo gekürzt werden soll (z.B. eher bei der Straßenbeleuchtung als bei Kitas).[19]
- 2010: Finanzkrise und Klimaschutz („Tübingen macht blau“) Mitten in der globalen Finanzkrise warnte Palmer vor massiven Einnahmeausfällen. Gleichzeitig forcierte er die Klimaschutzkampagne „Tübingen macht blau“ als Antwort auf die globale Erwärmung und als lokalen Konjunkturmotor.[20]
- 2009: Die Krise als Chance? Palmer provozierte mit der These, die Wirtschaftskrise sei eine „gute Nachricht“ für das Klima, da der CO2-Ausstoß sinke. Er nutzte dies als Aufhänger, um die Abhängigkeit unseres Wohlstandsmodells vom Ressourcenverbrauch zu kritisieren („Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen“).[21]
- 2008: Das „Wunder von Tübingen“ (Schuldenfreiheit) In seiner zweiten Rede konnte Palmer eine überraschende Bilanz ziehen: Dank sprudelnder Gewerbesteuereinnahmen sei Tübingen „faktisch schuldenfrei“. Er warnte jedoch davor, dass dies nur eine Momentaufnahme sei und die strukturellen Probleme blieben.[22]
- 2007: Amtsantritt – Ökologie vs. Ökonomie In seiner ersten Neujahrsrede kurz nach Amtsantritt skizzierte er seine Vision: Die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie. Er betonte, dass Umweltschutz kein „Luxusthema“ für gute Zeiten sei, sondern die Basis für künftigen Wohlstand.
Das Butterbrezel-Signal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Je nach gefühlter Situation der Stadtlage - wirtschaftlich und allgemein - gibt es Brezeln mit und/oder ohne Butter.
Die Brezeln werden nach Ende des offiziellen Rahmenprogramms von der Feuerwehr ausgegeben, nachdem die Menschen den großen Saal verlassen haben, in dem das Rahmenprogramm statt gefunden hat.
Auf dem Flur vor dem Saal werden die Brezeln und teilweise wie z.B. in 2026 auch ein Glas Wein verteilt. Hier können diese Zeichen dokumentiert werden:
| Jahr | Brezelorakel |
|---|---|
| 2026 | 50% mit Butter, 50% ohne Butter |
| 2025 | mussten selbst beschmiert werden, aber es gab immerhin klassische und vegane Butter zur Auswahl[23] |
| 2024 | 50% mit Butter, 50% ohne Butter[24] |
| 2023 | Halbe-Halbe [25] |
| 2022 | zu ergänzen |
| 2021 | (ausgefallen wegen Corona-Pandemie) |
| 2019 | alle mit Butter |
| 2014 | alle mit Butter[26] |
| Vorjahre bitte ergänzen | Butter oder nicht Butter |
Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ http://www.tuebingen.de/2319.html#176.212
- ↑ http://www.neckar-chronik.de/Nachrichten/Wie-peinlich-95113.html
- ↑ https://www.facebook.com/ob.boris.palmer/posts/702349663137902?stream_ref=10
- ↑ http://www.tagblatt.de/Nachrichten/Anmeldung-noetig-Stadt-laedt-zu-Neujahrsempfang-und-OB-Verpflichtung-des-Oberbuergermeister-58542.html
- ↑ http://www.tuepps.de/weblog/stadtgeschehen/view/dt/3/article/48462/NEUJAHRSEMPFANG%3A_OB_Boris_Palmer_ehrt_Ehrenamtliche_in_der_Fl-uuml-chtlingshilfe.html
- ↑ http://www.tuepps.de/weblog/stadtgeschehen/view/dt/3/article/48094/St-auml-dtischer_Neujahrsempfang_am_22-_Januar_-ndash-_Anmeldung_erforderlich.html//imageId/885091
- ↑ https://www.swp.de/lokales/tuebingen/neujahrsrede-boris-palmer-das-versprechen-traegt-nicht-mehr-78581735.html
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2025.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2024.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2023.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2022.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2020.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2018.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2017.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2016.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/Neujahrsrede_2015.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsempfang_text_internet.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsempfang_2013_Rede.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_2011.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/rede_ob_2010.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede09.pdf
- ↑ https://www.tuebingen.de/Dateien/neujahrsrede_08.pdf
- ↑ https://www.swp.de/lokales/tuebingen/neujahrsempfang-der-stadt-tuebingen-brezelstreichen-in-zeiten-des-spardiktats-77776799.html
- ↑ Trotz aller Krisen geht der Blick hoffnungsvoll nach vorne, Schwäbisches Tagblatt vom 19.01.2024 (€)
- ↑ https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Die-Neujahrsrede-von-OB-Boris-Palmer-im-Wortlaut-616824.html
- ↑ Eigene Beobachtung vom Benutzer Qwave