Neuer Botanischer Garten

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Der (Neue) Botanische Garten befindet sich im Norden der Stadt, am Hang und in einer Mulde zwischen den Gemarkungen Morgenstelle und Wanne. Er wurde gebaut, als der Alte Botanische Garten in der Innenstadt zu klein geworden war. Die Eröffnung der neuen Anlage war im Jahr 1969.

Mit seiner Pflanzenvielfalt zählt der Garten "zu den fünf bedeutendsten von etwa 70 botanischen Gärten in Deutschland". [1]

Das Gelände ist das ganze Jahr über täglich geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Der Haupteingang mit Aussichtskanzel liegt im Westen, Auf der Morgenstelle neben Gebäude 5. Größere Parkmöglichkeiten gibt es im nahen Parkhaus Ebenhalde.

Im Norden ist ein Nebeneingang, bei den Gewächshäusern und der Verwaltung, Nordring/ Abzweig Hartmeyerstraße.

ÖPNV: Buslinien 5, 13, Haltestelle Botanischer Garten beim Nordeingang.


Führung im Geografischen Alpinum
Die Magnolien sind ein beliebtes Fotomotiv
Palmen im Gewächshaus


Beschreibung[Bearbeiten]

Unter den Sammlungen der Universität nimmt der Botanische Garten eine Sonderstellung ein, setzt sich sein Bestand doch ausnahmslos aus lebenden Sammlungs-„Objekten“ zusammen. Auf einer Fläche von zehn Hektar finden sich über 10 000 Pflanzenarten aus aller Welt, deren natürliche Lebensbedingungen im Freiland und in den Gewächshäusern nachempfunden werden. Die Pflanzensammlungen des Botanischen Gartens sind nach geografischen, ökologischen und verwandtschaftlichen Gesichtspunkten gegliedert, ergänzt durch thematische Abteilungen wie Apotheker- und Bauerngarten sowie die Prachtstaudenbeete. Dabei lernt der Besucher nicht nur exotische Gewächse kennen, sondern auch die heimische, nicht minder spannende Pflanzenwelt. So bildet die Abteilung der Schwäbischen Alb die Vegetation in ihren typischen Gesellschaften ab. Im umfangreichen Alpinum bieten Hunderte Tonnen Steine und Felsen den an extreme Bedingungen angepassten Hochgebirgspflanzen einen geeigneten Standort. Einen weiteren Sammlungsschwerpunkt stellen die Rhododendren mit etwa 75 Zuchtformen und über 170 Wildarten dar. Ihnen werden im Taleinschnitt eines natürlichen Bachlaufes günstige Lebensbedingungen geboten. Die Systematische Abteilung erstreckt sich über Terrassen unterhalb des Tropicariums. In diesem Kernstück der studentischen Ausbildung werden die Familien der Blütenpflanzen nach ihren verwandtschaftlichen Beziehungen gezeigt. Oberhalb des Tübinger Nordrings findet sich zudem auf fünf Hektar das Arboretum, die systematisch gegliederte Gehölzsammlung des Botanischen Gartens. Die Gewächshausanlagen präsentieren auf über 3000 Quadratmetern die subtropische und tropische Pflanzenwelt. Neben dem Regenwald im emblematischen Tropicarium zeigen sie die Vegetation der Wüsten, subtropischer Feuchtwälder und der Kanarischen Inseln. Nach seinen klassischen universitären Aufgaben von Forschung und Lehre versteht sich der Botanische Garten auch als Ort der Bildung, Begegnung und Erholung. [2]


Orientierung[Bearbeiten]

Das Gelände ist in verschiedene Reviere (Themen-Bereiche) eingeteilt:

  • Tropicarium und Gewächshäuser
  • Systematische Abteilung
  • Ökologie
  • Weinberg
  • Heilpflanzen
  • Zierpflanzen
  • Fuchsien-Pavillon
  • Freiland-Sukkulente
  • Schachbrettblumenwiese
  • Schwäbische Alb
  • Alpinum mit Alpinenhaus
  • Asiatische Hochstauden
  • Asiatische Gehölze
  • Japanteich
  • Nordamerikanische Hochstauden
  • Nordamerikanische Gehölze
  • Heide
  • Arboretum (Baumgarten, nördlich des Nordrings)


Eine umfassende Information und Präsentation bieten die neue Webseite und der Gartenplan der früheren Webseite.


Sonstiges[Bearbeiten]

Verschiedene Führungsangebote: Lehrveranstaltungen der Universität (Spezielle Botanik und Mykologie), Führungen im Rahmen des Jahresprogrammes des Förderkreises und Führungen nach Anmeldung durch Mitarbeiter des Gartens. An jedem zweiten Sonntag eines Monats finden um 14 Uhr öffentliche Führungen durch einen Teil des Botanischen Gartens statt.

2002 und 2005 gab es eine Lehrausstellung Heimische Schmetterlinge, die (leider) nicht als Dauereinrichtung fortgeführt wurde. Sie war viel beachtet und europaweit einmalig. In naturnahen Biotopen wurden die engen Abhängigkeiten der Schmetterlinge von ihren Fraß- und Nektarpflanzen erklärt und Möglichkeiten zum Schutz dieser gefährdeten Schönheiten aufgezeigt.

Außerhalb des Botanischen Gartens befindet sich etwas östlich im Käsenbachtal in einem kleinen Wäldchen namens Elysium in der Nähe des Ursrainer Rings ein steinerner Kegel, der den geographischen Mittelpunkt Baden-Württembergs markiert.

Video[Bearbeiten]

Video

Bildershow

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Vorgänger[Bearbeiten]

Geschichte des Botanischen Gartens in Tübingen[Bearbeiten]

Die Tradition botanischer Forschung und Lehre in Tübingen reicht bis auf den pflanzenkundigen Mediziner Leonhart Fuchs (1501-1566) zurück, der in seinem Garten am Nonnenhaus Arzneipflanzen kultivierte. Seit 1663 erfolgte auf Anordnung Herzog Eberhards III. (1614-1674) der Aufbau eines Hortus medicus zwischen Bursa und Alter Aula, der nach drei Jahren soweit gediehen war, das im Jahre 1666 ein eigener Universitätsgärtner angestellt wurde. Die Leitung des Hortus medicus hatte ab 1681 Balthasar Metzger (1623-1687) inne. Im Jahre 1688 übernahm der Tübinger Rudolf Jacob Camerarius (1655-1721) das Amt eines Garteninspektors. [Es gelang ihm, die Geschlechtlichkeit der Pflanzen zu beweisen.] Ihm und seinem Sohn Alexander (1696-1736), der 1721 die Nachfolge seines Vaters antrat, gelang es, den Garten wesentlich zu verbessern. So wurde ein Gewächshaus gebaut und ein eigenes Gebäude zur Durchführung botanischer Übungen eingerichtet. Auf Alexander Camerius folgte 1736 Burkhard David Mauchart (1696-1751), Dekan der Medizinischen Fakultät, als Gartendirektor. Unter Johann Georg Gmelin (1709-1755), dem berühmten Erforscher der Flora Sibiriens, seit 1751 Vorsteher des Hortus medicus, konnten die Pflanzensammlungen nochmals erheblich erweitert werden. Nach Gmelins frühem Tod im Jahre 1755 übernahm sein Bruder die Stelle.

Mit einem Dekret des Herzogs Friedrich II. (1754-1816) aus dem Jahre 1804 ging der Hortus medicus in den neu anzulegenden Botanischen Garten auf. Den Aufbau des Geländes vor den Stadttoren leitete der Professor für Chemie, Pharmazie und Medizin Karl Friedrich Kielmeyer (1765-1844). Als im Jahre 1809 vier Gewächshäuser, die Wohnungen der Gärtner sowie ein Hörsaales fertig gestellt worden waren, konnte der neue "Botanisch-ökonomische Garten" seine erweiterten Aufgaben vollständig wahrnehmen. Bereits ab 1817 wurde der Garten unter dem Direktorat des Botanikers Gustav Schübler (1787-1843) erneut erheblich vergrößert und in seinem Artenbestand bereichert. Etwa um diese Zeit erschien auch das erste gedruckte Samenverzeichnis (1920). Im Jahre 1835 trat Hugo von Mohl (1805-1872) die Stelle des Gartendirektors an. Unter seiner Leitung erfolgten beispielsweise die Anlage eines systematisch geordneten Arboretums sowie die Erweiterung des Gartens durch das Friedhofsgelände und die Reitbahn. Etwa zehn Jahre später konnte 1846 dann auch ein großzügiges Institutsgebäude bezogen werden. Eine abermalige Erweiterung zu seiner endgültigen Fläche erfuhr die Anlage durch den 1866 erfolgten Kauf eines Privatgartens. 1872 übernahm der zuvor noch in Heidelberg lehrende Wilhelm Hofmeister (1824-1877), Entdecker der Generationswechsel der Moose, Farne und Blütenpflanzen, die Leitung des Botanischen Gartens.

Im Jahre 1959 wurde Karl Mägdefrau (1907-1999) nach Tübingen berufen. Er verantwortete als Direktor gleichzeitig den Alten als auch die wissenschaftliche Planung für den Neuen Botanischen Garten, dem er nach der Eröffnung auf der Tübinger Morgenstelle am 8. Mai 1969 noch bis 1972 vorstand. Die Gewächshäuser des ehemaligen Gartens, zu dem Zeitpunkt noch als "Alter Botanischer Garten" bezeichnet, wurden abgerissen und die Anlage in einen Stadtpark umgewandelt. [2]

Im Jahr 1900 machte Carl Correns (1864-1933) im Botanischen Garten seine bedeutenden (Wieder-)Entdeckungen zur Pflanzengenetik.


Quellen[Bearbeiten]

  1. Morgenstelle, wikipedia.org
  2. 2,0 2,1 universitaetssammlungen.de/sammlung/301, Beschreibung und Geschichte des Botanischen Gartens in Tübingen (2012)

Weblinks[Bearbeiten]