Mathilde Weber

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Tübinger Sozialreformerin des 19. Jahrhunderts. (* 16.8.1829 in Tübingen - 21.6.1901 ebenda) Bild hier: [1]

Mathilde Weber und Tübingen[Bearbeiten]

1829 als Mathilde Walz geboren, lebte Mathilde Weber von 1854 bis zu ihrem Tod im Jahr 1901 in Tübingen, die längste Zeit in der Neckarhalde 52. Nach ihr sind die Mathilde-Weber-Schule und die Weberstraße benannt.


Mathilde Weber - Namenspatronin der Weberstraße

Aus: Artikel von Dr. Thomas Hanstein, Schwäbisches Tagblatt im Januar 2010 - Auszüge hier zur Illustration & Dokumentation, Danke an die Quelle von Tüpedia!

Im soeben ausgelaufenen Jahr 2009 wäre Mathilde Weber 180 Jahre alt geworden und in diesem Jahr 2010 jährt sich die auf sie zurückgehende Gründung des „Hilfs- und Armenbeschäftigungsvereins“ zum 130. Mal.


Zwei Jahre vor ihrem Tod, zum 70. Geburtstag im Jahre 1899, wurde sie zur „Wohlthäterin der Stadt“ ernannt. Heute hält auf dem Stadtfriedhof, an der Stelle ihres einstigen Grabes, ein großer Stein das Gedenken an sie wach: „Frauenrechtlerin“, „Sozialreformerin“ ist unter ihrem Namen zu lesen. Eine kleine Straße in der Tübinger Unterstadt, die die Belthlestraße kreuzt und durch deren westlichen Teil man zur kleinen Molkerei stößt, führt ihren (und den des Mannes) Namen. Wer war diese Frau, die sich selbst augenzwinkernd als „ziemlich eitles Schloßfräulein“ bezeichnete, was auf die vornehme Herkunft schließen lässt, von Zeitgenossinnen indes als auffallend praktisch denkend beschrieben wurde?

Mathilde Weber wurde in die altwürttembergische Familie Walz hinein geboren, welche die Stuttgarter Hofapotheke über Generationen führte, und wuchs im als paradiesisch empfundenen Ellwangen auf, wo die einfachen Mahlzeiten „herrlicher schmeckten als später alles Zuckerwerk der feinsten Gesellschaften“. Dieses Glück ihrer Kindertage ist der Nährboden ihres späteren Bewusstseins, dass ihr Stand gesellschaftlich verpflichtet.

Im beschaulichen Tübingen, in dem ihr Ehemann Heinrich Weber drei Jahre nach der Hochzeit, 1854, zum Professor für Forst- und Landwirtschaft berufen wird, nimmt Mathilde Weber das Gefälle zwischen Ober- und Unterstadt feinfühlig wahr und registriert ebenso die Situation der Wengerter wie sie ein „Schmerzgefühl angesichts der überstickten, überhäkelten, übermalten Gegenstände in einem töchterreichen Hause“ der Oberschicht empfindet. Sie gründet mit weiteren Frauen den „Hilfs- und Armenbeschäftigungsverein“, sein Geschäftsbericht des Jahres 1882 wird von ganzen acht schlechten Obst- und Weinjahren mit Missernten berichten. So setzt sich der junge Verein „die zweckmäßige Unterstützung“ der Einwohner Tübingens, „die nicht in öffentlicher Armenunterstützung stehen“, die „Fürsorge für die Erziehung und Erwerbsbildung“, die Einrichtung „billiger und gesunder Mietwohnungen“, und die „Besserung der Verhältnisse der ärmeren Klasse durch die Beschaffung von Arbeit“ zum Ziel. Diese Aufgaben lesen sich wie ein Webersches Programm, das auch ihre weiteren Stiftungen durchzieht, und das nahe legt, wie ganzheitlich Mathilde Weber dachte und plante. Bereits zwei Jahre nach Vereinsgründung ist das erste Haus fertig gestellt, es wird nach der im selben Jahr verstorbenen Professorentochter, die mit ihrem Nachlass das Startkapital hinterlegt hatte, zum Jägerstift getauft. Aufgrund der großen Bewerberschaft wird schon vier Jahre nach seiner Einweihung das zweite Haus errichtet, nun das Weberstift, in der später so benannten Straße.

Die Abgeordnete des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins, die zu jeder Generalversammlung von ihrem Ehemann begleitet wird, initiiert 15 Jahre nach der ersten Gründung eine zweite, die ihr besonderes Engagement für die Frauen erkennen lässt, den „Verein für Hausbeamtinnen und Honoratiorentöchter“. Dieser erbaut 1896 in der Hechinger Straße das Mathildenstift, das mit der späteren Zusammenführung beider Gründungen ebenso wie das Neumannhaus in den Bestand des ersten Vereins übergeht.

Da fast hundert Jahre nach Vereinsgründung, 1978, in einem Haus in der Hirschgasse aus dem Erlös des an die Stadt verkauften Jägerstifts zusätzlicher Wohnraum erworben wurde, verfügt der „Hilfsverein Tübingen“, wie er mit Verleihung der Rechtsfähigkeit durch königlichen Erlass ab 1883 bis heute heißt, nunmehr über 24 Wohnungen im Tübinger Stadtgebiet. Als günstigster Anbieter ansehnlicher, nach Maßgabe der Gründerin selbst zumeist mit Gartenanteil versehener Mietwohnungen, hält er das Vermächtnis Mathilde Webers in ihrem Sinne lebendig.

Mit dem zweiten Verein hatte die Gründerin diejenigen der „höheren Töchter“ im Blick, die, da unverheiratet, mittellos geworden waren – zumeist durch die Versorgung ihrer alten Eltern. Im Einsatz für die Frauen ihrer Zeit bewies Mathilde Weber einen besonders weiten, in die Zukunft weisenden Horizont: Es war ihr nicht nur an der Linderung von Notlagen gelegen, sie besaß eine mehrdimensionale Auffassung von Förderung, aus Erziehung und Arbeitsunterricht bestehend.

Viele frauenspezifische Bildungsinitiativen, zum Beispiel die in ihrem Haus, der Weißen Villa in der Neckarhalde, durchgeführten Kurse für Dienstmädchen, die sie selbst mit der Aushändigung des in schwäbischen Dialogen verfassten „Leitfadens“ abschloss, gingen auf Mathilde Weber zurück. Oder die mit Ottilie Wildermuth nach dem Vorbild von Ferdinand Steinbeis in Reutlingen gegründete „Frauenarbeitsschule“, in der durch eine innovative Theorie-Praxis-Verknüpfung der „mustergiltige höhere Arbeitsunterricht“ möglich werden sollte.

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Aus: Artikel von Dr. Thomas Hanstein, Schwäbisches Tagblatt im Januar 2010 - Auszüge hier zur Illustration & Dokumentation, Danke an die Quelle von Tüpedia!


Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helga Merkel; Zwischen Ärgernis und Anerkennung - Mathilde Weber 1829 - 1901. Tübingen 1993