Lossow & Kühne

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Lossow & Kühne war ein namhaftes Dresdner Architekturbüro in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[1]. Es wurde 1906 gegründet von William Lossow (1852-1914), Direktor an der Kunstgewerbeschule, und seinem Schwiegersohn Max Hans Kühne (1874-1942).

Walther William Lossow studierte bis 1878 an der Höheren Gewerbeschule Chemnitz und am Polytechnikum Dresden. Dort war er Mitglied des Corps Thuringia. Noch während des Ingenieurstudiums entdeckte Lossow seine Neigung zur Architektur und wechselte zur Dresdner Kunstakademie unter Karl Weißbach. An den Studienabschluss 1878 schloss sich ein einjähriger Studienaufenthalt in Italien an.

Nach seiner Rückkehr eröffnete Lossow 1880 mit dem Architekten Hermann Viehweger (1846-1922) das gemeinsame Architekturbüro Lossow & Viehweger in Dresden, das bis 1906 bestand. Lossow & Viehweger konzentrierten sich auf Entwürfe historistischer Villen, Wohnhäuser und Geschäftshausbauten in Dresden und Umgebung. Der Stil war anfangs dem Historismus zuzuordnen. Später wurden auch Elemente des Barock aufgegriffen, damit erleichterte sich die Einordnung der Bauten in das historische Dresdner Stadtbild. Nach 1900 zeigen sich aber auch Einflüsse der zeitgenössischen Reformarchitektur.

In der Zeit ab 1906 entstanden zahlreiche bedeutende öffentliche Gebäude, Sakral- und Industriebauten sowie Wohn- und Herrenhäuser, die sich durch eine zeitgemäße Funktionalität, einfühlsame Materialwahl und eine wirkungsvolle Gestaltung auszeichneten. [2]

Nach dem Tod von Lossow im Jahre 1914 wurde Kühne alleiniger Firmeninhaber des Architekturbüros, dessen Name "Lossow & Kühne" aber beibehalten wurde. [3]

Zu den bekanntesten Werken des Büros Lossow & Kühne zählt der Leipziger Hauptbahnhof, der in den Jahren 1909 bis 1915 unter Beteiligung des damaligen Mitarbeiters Rudolf Bitzan als bis heute größter Kopfbahnhof Europas errichtet wurde.


Preußenhaus mit neuem Anstrich 2020
Preußenhaus mit Terrasse 2009

Tübingen[Bearbeiten]

Einer der ersten gemeinsamen Aufträge dieses Architektengespanns war der Bau des Verbindungshauses des Corps Borussia in Tübingen, das Preußenhaus genannt wird.

Die Erbauer waren natürlich auf der Höhe ihrer Zeit, und das Haus spiegelt exemplarisch den architektonischen Zeitgeist seiner Entstehung im Jahr 1906/07, einer Zeit des stilistischen Wandels hin zu einer "Reformarchitektur", die im süddeutschen Raum maßgeblich auf den Stuttgarter Architekturprofessor Theodor Fischer zurückgeht. Noch wenige Jahre zuvor hätte man historistisch gebaut, wie etwa bei den Nachbarn Franconia oder der "burgenhaften" Hohenstaufia (1902). Ein paar Jahre später wäre die Gestaltung wesentlich "nüchterner" ausgefallen, wie z.B. beim Rothenburgerhaus (1910). Im Inneren finden sich Einflüsse des Jugendstils, der in dieser Zeit noch in Blüte stand.

Das Corps schreibt auf seiner Webseite: Die imposante Halle im Zentrum des Hauses sowie der angrenzende Kneipsaal bieten Platz für über 200 Personen, die z.B. bei unseren großen Semesterveranstaltungen aus der ganzen Welt anreisen. Auf der Wohnetage finden sich Zimmer für bis zu elf Studenten. Mehrere gemütliche Ecken mit Sofas, ein Billiardtisch, ein wundervoller Balkon und eine große Terrasse sind nur einige Highlights des Hauses. [4]

Man hätte sich keinen vorteilhafteren Standort für dieses Haus vorstellen können. Es ist das erste Gebäude auf dem vorderen Österberg, das von der Neckarbrücke aus gesehen wird, entsprechend gut ist von oben die Aussicht, die auch von Baum- und höherem Strauchbewuchs freigehalten wird.

Im Gegensatz zum direkten Nachbarhaus Stuttgardia, das 1909 entstand, verzichtete man noch nicht auf ein Türmchen, jedoch ist dieses "nur" ein kleiner Aufsatz mit einer Stube auf dem großen Schrägdach.

Das Gebäude erhielt 2018 einen neuen zweifarbigen Außenanstrich, wodurch die Fassadengliederung mit dem Wappen im Giebel besser zur Geltung kommt.


Das Preußenhaus blieb die einzige Arbeit von Lossow & Kühne in Tübingen.


Weitere Bilder[Bearbeiten]


Quellen[Bearbeiten]

  1. "Architekten Lossow & Kühne, Dresden", 1998 Reprint der Ausgabe von 1930, Mann (Gebr.), Berlin, ISBN 978-3-7861-2256-2
  2. William Lossow, Wikipedia
  3. Stadtwiki Dresden
  4. corps-borussia.de/das-preussenhaus