Kusterdingen
Kusterdingen ist östlich von Tübingen der nächst gelegene Nachbarort und zugleich der Name der in den 1970er Jahren im Zuge der Gemeindereform zusammengeschlossenen Härtengemeinden. Kusterdingen liegt im Landkreis Tübingen, oberhalb des Neckartals zwischen Tübingen und Reutlingen und besitzt eine Anschlussstelle an die B 28 sowie eine Anbindung an den Stadtverkehr Tübingen und Reutlingen über die RAB Regionalbus-Linie 7611/10.
Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Gemeinde Kusterdingen besteht aus dem Ortsteil Kusterdingen (3619 Einwohner Stand: 30. Juni 2021) und den Ortschaften Immenhausen (738), Jettenburg (1153), Mähringen (1499) und Wankheim (1722). Die Ortschaften verfügen über einen eigenen Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzenden.
Gemeindereform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
1975 wurde gegen den Willen Immenhausens, Mähringens und Wankheims der Zusammenschluss der Härtengemeinden erzwungen. Die bis dahin selbstständigen Gemeinden legten beim Staatsgerichtshof ohne Erfolg Einspruch ein. Jettenburg, das damals schon freiwillig mit Kusterdingen zusammenarbeitete, hatte nichts gegen den Zusammenschluss einzuwenden. Diese Zwangsverbindung war Grund für ein tiefes Misstrauen und Zerwürfniss der Bürger der Teilgemeinden gegenüber Kusterdingen, sodaß sich erst um die Jahrtausendwende das Verhältnis langsam normalisierte.
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
2008 feierte der Ortsteil Kusterdingen sein 900-jähriges Bestehen.
Erste Siedlungsspuren stammen schon aus der Römerzeit. Die Gründung des Dorfes wird für die Zeit der alemannischen Landnahme (also ab dem 6. Jahrhundert n.Chr.) angenommen, worauf die Namensendung auf -ingen hindeutet, verbunden mit dem Personennamen "Custhard". Die erste Erwähnung des Namens „Kusterdingen“ war im Jahr 1108 im Blaubeurer Nekrolog. Im 11. und 12. Jahrhundert gehörte der Ort dem Adelsgeschlecht „von Custordingen“. 1455/56 wurde das Pfarrhaus gebaut, das damit eines der ältesten erhaltenen Gebäude im Dorf ist. 1506/07 folgte der Bau der Marienkirche. 1484 gelangte der Ort an Württemberg. Wie im ganzen Land führte Herzog Ulrich 1534 die Reformation ein. 1758 wurde der Ort dem Oberamt Tübingen zugeordnet und 1938 dem Landkreis Tübingen. [1][2]
Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Kurz bevor die alte Verbindungsstraße von Kusterdingen nach Wankheim die B 28 unterquert gibt es einen sehenswerten jüdischen Friedhof.
Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
In der Nacht auf den 16. März 1944 hatten rund 100 britische Lancaster- und Halifax-Bomber in Luftangriffen 30 Sprengbomben und 400 Stabbrandbomben, außerdem zwei Luftminen von jeweils fast zwei Tonnen Gewicht über Kusterdingen abgeworfen. (Insgesamt ca 2.500 Tonnen Bombenlast)[3] Drei Menschen sind dabei ums Leben gekommen, 144 Gebäude wurden zerstört, davon 93 Wohnhäuser größtenteils im Gebiet um die Tübinger Straße. Glücklicherweise gingen etwa 80% der Bomben auf die Felder vor dem Kusterdinger Ortseingang nieder. Das Ziel der insgesamt über 860 britischen Bomber war eigentlich Stuttgart gewesen.[4] Wegen der schlechten Sicht und einigen vor Stuttgart abgeworfenen Bomben, an deren Feuer sich die nachfolgenden Flieger orientierten, wurden damals aber neben anderen Orten weit um Stuttgart herum auch Kusterdingen, Wankheim, und Tübingen getroffen. Neben den Bomben wurden auch Flugblätter und gefälschte Lebensmittelkarten abgeworfen.[5]
1965 wurden beim Bau der Astrid-Lindgren-Schule 60 Bomben-Blindgänger aufgefunden.
2009 wurden auf dem Gelände vor der Ortseinfahrt beim Bau eines Kreisverkehrs insgesamt sieben Bomben, die seit dem Luftangriff auf Kusterdingen im Zweiten Weltkrieg im Boden lagen, von den Baumaschinen aufgedeckt und mussten vom Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft und geborgen werden. [6]
Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ https://de.wikipedia.org/wiki/Kusterdingen
- ↑ https://www.kusterdingen.de/de/Unsere-Gemeinde/Unsere-Ortschaften/Kusterdingen
- ↑ Vortrag zu den Geschehnissen am 16. März 1944 beim Geschichtsverein Härten, abgerufen am 6.12.2020 (nicht mehr online)
- ↑ Liste der Bombenangriffe auf Stuttgart unter: wwww.schutzbauten-stuttgart.de, abgerufen am 6.12.2010 (nicht mehr online)
- ↑ Als halb Kusterdingen brannte In: Zeit-Zeugnisse.de (18.03.2004), abgerufen am 15.7.2011 (nicht mehr online)
- ↑ Tagblatt-Artikel über Bombenfunde in Kusterdingen, abgerufen am 6.12.2010 (nicht mehr online)
Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Gasthaus Rössle
Lagekarte zwischen Reutlingen und Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Offizielle Webpräsenz der Gemeinde Kusterdingen
- Oberamtsbeschreibung von Kusterdingen (1867) bei Wikisource.org
- Astrid-Lindgren-Schule
- Ev. Blaulach-Gymnasium
- Evangelische Kirchengemeinde
- Gemeindebücherei
- Angebote der Volkshochschule in Kusterdingen
- Die deutschsprachige Wikipedia zum Thema „Kusterdingen“
- Wikipedia über die Kusterdinger Marienkirche
Presseberichte
- Abitur in Kusterdingen in General-Anzeiger (18.06.2010)
Vereine und Initiativen im Ortsteil Kusterdingen
- Lokale Agendagruppe "Klimaschutz Härten"
- CVJM
- Filmfreunde
- Geschichtsverein Härten e. V.
- Härtenliste für Umweltweltschutz und Demokatie e.V.
- Kindergruppe
- Motorradfreunde
- Musikverein
- Obst- und Gartenbauverein
- Schwäbischer Albverein
- SPD-Ortsverein
- Tennisclub
- Turn- und Sportverein
Die Städte Tübingen, Mössingen, Stadt Rottenburg a. N. und die Gemeinden Ammerbuch, Bodelshausen, Dettenhausen, Dußlingen, Gomaringen, Hirrlingen, Kirchentellinsfurt, Kusterdingen, Nehren, Neustetten, Ofterdingen und Starzach bilden den Landkreis Tübingen. |