König Wilhelm I. von Württemberg
Wilhelm I. von Württemberg (* 27. September 1781 in Lüben in Schlesien; † 25. Juni 1864 in Cannstatt), geboren als Prinz Friedrich Wilhelm Karl, war von 1816 bis 1864 als Wilhelm I. der zweite König von Württemberg.
Wilhelm I. und Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
König Wilhelm I. hatte mehrere direkte und indirekte Verbindungen zur Stadt Tübingen.[1]
- Symbolische Präsenz: Die Wilhelmstraße wurde nach ihm benannt.[2] Die Benennung der prächtigsten Tübinger Straße erfolgte 1843.
- Das Viertel um diese Straße wurde Wilhelmsvorstadt genannt.
- Das katholische Wilhelmsstift - eine Ausbildungsstätte für den katholischen Priester- und Theologennachwuchs - wurde 1817 zu Beginn seiner Regierungszeit von ihm gegründet und trägt seinen Namen.
- Besuch in Tübingen (1822): Wilhelm I. besuchte die Universitätsstadt erstmals persönlich und zeigte großes Interesse an der Universität. Er inspizierte alle Institute, ließ sich die Professoren vorstellen und hörte akademische Ansprachen. Er logierte im Gasthof Zur Traube, gegenüber dem damals neuen Museum.
- Verfassung von 1819: Wilhelm setzte gegen den Widerstand des Adels eine vergleichsweise liberale Verfassung durch, die auch der Universität Tübingen zugutekam. Die Pressefreiheit und das akademische Leben wurden weniger eingeschränkt als in anderen deutschen Staaten.
- Förderung liberaler Ideen: In Tübingen durften studentische Vereinigungen wie die Burschenschaft Germania relativ frei agieren, was in anderen Regionen oft unterdrückt wurde.
- Ferner: Aus einer Bestellung von Mammutbaumsamen von ihm für die Stuttgarter Wilhelma stammen einige der im Raum Tübingen inzwischen stattlich großen Mammutbäume.
Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Von seinem Besuch der Stadt und Universität Tübingen am 3. und 4. Juni 1822 berichtet dieser Beitrag:
Johannes Tiede: „Das hohe Glück eines Besuchs Seiner Majestät unseres allverehrten Königes“, historischer-augenblick.de, 6. Dezember 2022
Die Studierendenzeitschrift Kupferblau hat sich mit seinem Leben beschäftigt und schreibt:
[..] Als König der Schwaben führte Wilhelm durch eine durchaus aufregende Zeit und obwohl er dabei zunächst wenig, wie ein Schwabe auftrat, erfüllte er diese Rolle genau wie seine Rolle als Monarch mit fortschreitendem Alter bestens. Oder kurz: Er wurde ein Ordnungsfanatiker und heiratete mehrere Verwandte. Doch der Reihe nach.
Geboren wurde Friedrich Wilhelm Carl, König von Württemberg am 27. September 1781 in Lüben in Schlesien, fernab seines späteren Herrschaftsgebietes in der Garnison seines Vaters. Dabei pflegte er in den ersten Jahren seines Lebens noch einen eher studentischen Lebensstil, war also bis zu seinem 28. Geburtstag zumeist arbeitslos. Von einer genetisch vererbten „Schaffe-Schaffe-Schlössle-baue“-Mentalität war da noch wenig zu spüren. Gepaart mit seinem aufmüpfigen Gemüt bahnte sich in Württemberg daher eine aufregende Zukunft an.
Diese Zukunft wollte es Wilhelm beim Aufbau des eigenen Vermächtnisses dann jedoch alles andere als leicht machen. So bestieg er den Thron im Jahre 1816, dem „Jahr ohne Sommer“, und sah sich sofort mit Ernteausfall und Hungersnot konfrontiert.
Während diese schwierige Zeit bereits das Wohlwollen des Volkes in die Ferne rücken ließ, zeigte Wilhelm seinen politischen Spürsinn und fand einen Weg zusätzlich auch den Adel gegen sich aufzubringen. Dieser litt zwar weniger unter den Ernteausfällen, empörte sich jedoch schrecklich über eine neue Verfassung. Entgegen der alten Ständegesellschaft sollte diese einer Volksversammlung zunehmenden Einfluss gewähren und wurde von Wilhelm gegen die Ablehnung des Adels einseitig durchgesetzt. Und so gelang es ihm zu dieser Zeit zwar noch den Unmut aller Menschen im Ländle auf sich zu ziehen, gleichzeitig jedoch auch den Staatsapparat zu modernisieren.
Wilhelms Talent, andere gegen sich aufzubringen, machte wie seine Aufmüpfigkeit nicht an den eigenen Grenzen halt. So wehrte er sich auch gegen den immensen Einfluss der Großmächte Preußen und Österreich im deutschsprachigen Raum, was Wilhelm einen Ruf als unbeherrschten und verdorbenen Herrscher einbrachte. Erst später gelang es ihm, sich das Ansehen zu erkämpfen, das ihm letztlich zu mehreren Namenspatenschaften verhalf. Seine Aufmüpfigkeit wich, während seine schwäbischen Tugenden hervortraten. Mit der Zeit entfalteten die voranschreitende Bürokratisierung und der Ausbau des Beamtentums ihre Wirkung. [...]
Wilhelms Vater und Vorgänger war König Friedrich I., sein Sohn und Nachfolger war König Karl.
Quellen, Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Johannes Tiede: „Das hohe Glück eines Besuchs Seiner Majestät unseres allverehrten Königes“, historischer-augenblick.de, 6. Dezember 2022
- ↑ Von manchen wurde oder wird fälschlich vermutet, dass die Straße nach Kaiser Wilhelm II. benannt ist, der als "zu kriegerisch" abgelehnt wird, weshalb die Straße schon für eine Umbenennung vorgeschlagen wurde.