Heinrich Johann Niemeyer

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Wohnhaus Neckarhalde 43 in Tübingen (1959 ff.), Bauherr und langjähriger Bewohner war Hans Herb mit seiner Familie.
Kristallhäuser-Siedlung in Pulheim-Sinnersdorf bei Köln, 11 Gebäude, 1967-1973


Heinrich Johann Niemeyer (*1936 in Tübingen, † 2010 ebenda) war ein freier Architekt (BDA) in Tübingen.


Nach einem Studium der Architektur in Stuttgart eröffnete er 1964 mit 27 Jahren sein Büro in Tübingen.


Am Beispiel des von ihm 1968/69 erbauten Wohnhauses Neckarhalde 41 beschreibt der Architekturführer Tübingen, 2002[1] Niemeyers Bauphilosophie:

»Dieser auffällige Bau ist ein Frühwerk des eigenwilligen Tübinger Architekten Heinrich Niemeyer, aber schon sehr typisch für die von ihm nach dem Vorbild von Frank Lloyd Wright, Gaudí und anderen entwickelte „naturnahe“, „organische“ Bauweise, die Beton mit Glas, Metall und Naturstein kombiniert. Heinrich Niemeyer gruppierte die Wohnräume stets um einen massiven Naturstein-Kern (mit Kamin). Die unüblich formatierten Wohneinheiten, oft aufgeständert oder hängend, sind von sanft abfallenden, meist begrünten Dach-Elementen gedeckt („schippernde Dächer“ sagte der Architekt dazu), die aparte Öffnungen, Ausblicke, Fensterbänder ermöglichen. Räume von unterschiedlicher Höhe, Fenster von verschiedenstem Format, Lichteinfall aus verschiedenen Richtungen, wie Schalen auskragende, bepflanzbare Balkone: Niemeyers Postulat war es, dass Häuser mit ihrer natürlichen Umgebung in engem Austausch stehen, ja mit ihr verschmelzen sollen.« 

In diesem Haus Nr. 41 mit mehreren Apartments wohnte u.a. der Literaturwissenschaftler Hans Mayer.

Es ist direkt an das niedrigere Haus Nr. 43 mit Natursteinwänden und begrüntem Dach angebaut, das Niemeyer schon 1959/60 als Student für den Drogisten Hans Herb errichtet und später erweitert hatte.


Weitere Bauwerke in Tübingen sind z.B. zwei Wohnhäuser am Cottaweg, zwei Bauten im Loretto-Viertel (Lilli-Zapf-Straße 3 und Gölzstraße 18), die Wohnhäuser Kleiststraße 15/17 und Lichtenberger Weg 22 (2018 in Renovierung) sowie der Umbau der Drogerie Müller & Co von Hans Herb. Der ebenfalls durch seine typische Handschrift vollzogene Um- und Anbau des lang ansässigen Geschäfts für Bürobedarf Fritz Schimpf, mitten im Zentrum Tübingens, gehört ebenso zu dem mannigfaltigen Schaffen von Heinrich J. Niemeyer. Werke des Architekten wurden bundesweit mehrfach prämiert. Es gibt rund 300 verwirklichte Bauvorhaben.


Niemeyer selbst wohnte und arbeitete in dem eher kleinen, nicht von ihm gebauten, sondern älteren Haus Charlottenstraße 22, das "romantisch-verwunschen" von vielen Bäumen und anderem Grün umwachsen, in der Straße ziemlich aus der Reihe fiel und von seiner besonderen Liebe zur Natur zeugte. Das Haus wurde einige Jahre nach seinem Tod 2016 abgerissen. Ca. 1977 hatte er für sich und seine Familie auch ein Haus bei Rottenburg-Dettingen gebaut, dem 2015 trotz Denkmalschutzes ebenfalls der Abriss drohte.


Mit dem berühmten brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer war er entfernt verwandt.


Quellen[Bearbeiten]

  1. Architekturführer Tübingen. Neue Architektur im Landkreis Tübingen 1901-2001. (Hrsg.: Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Tübingen ... Texte und Red.: Ulrike Pfeil ...). - Tübingen: Bund Dt. Architekten, Kreisgruppe Neckar-Alb, 2002, Seite 15

Weblinks[Bearbeiten]

  • Ehemalige Internetpräsenz www.architektur-niemeyer.de bei web.archive.org (Momentum von 01. Feb 2015 = Startseite, andere Seiten rudimentär)

Die sehr interessanten Webseiten sind leider inzwischen aus dem Netz genommen worden. - Hier ein Aufruf, sie wenn möglich in irgendeiner Form, als Erinnerung an das Werk des Architekten, wieder einzustellen.