Hans Spielmann

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Beim Weihnachtsmarkt (Foto: Peter Hönle)
Beim Weihnachtsmarkt 2012

Regelmäßig beim Weihnachtsmarkt im Dezember sang Hans Spielmann (im bürgerlichen Leben: Hanns Fuchs) (*Mai 1949, † 9. Oktober 2024) Lieder für Kinder und Erwachsene vor dem Markt am Nonnenhaus. Da er im Mai 2024 seinen 75. Geburtstag feierte, war es ihm 2023 zu anstrengend, die 2,5 Tage mitzubespielen. Er wohnte zuletzt in Stockach, freute sich über seine 29 veröffentlichten CDs und blickte zufrieden auf seinen vom Singen und Musizieren geprägten Lebenslauf zurück.[1]

Seine Mission: die Leute zum Singen bringen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Singen ist die Sprache des Herzens

… und wo die verloren geht, entsteht eine große Leere. Noch niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit gab es soviel Beschallung und Berieselung auf der Erde wie heute. Und noch niemals zuvor wurde so wenig gesungen.

Deshalb möchten wir euch ermutigen: Ladet das Singen wieder in Euren Alltag ein!

Jede Tageszeit, jede Jahreszeit und jede Lebenslage hat ihre Lieder. Singt wie Euch der Schnabel gewachsen ist frei drauf los, singt schräg, singt falsch, aber singt !!! Singt gemeinsam mit anderen oder alleine in der Badewanne – doch vor allem anderen: Singt mit Euren Kindern!

Singen ist so wichtig wie Essen und Trinken. Eine große Heilkraft liegt darin und eine große Freude. Singen ist wie eine Brücke zwischen Himmel und Erde, ein immerwährend sprudelnder Quell frischer Lebensenergie.

Diese Brücke nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, das ist mein ganzes Anliegen. Dafür arbeite und lebe, komponiere, singe und musiziere ich. Dafür suche ich nach Liedern, die man heute noch mit Vergnügen singen kann: Lieder voller Witz und Weisheit, die das Herz berühren, zum Mitsingen verführen und zum Tanzen bewegen.

Lasst uns eine neue Kultur des Singens begründen, eines Singens im Alltag, das ganz einfach ist und von Herzen kommt. Die Zeit ist reif dafür! "

Hans Spielmann 2024, www.liedersonne.de

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Nachruf im Tagblatt vom 17.10.2024 ":Der Übriggebliebene aus der Folkszene" von Jürgen Jonas:


[...] Geboren ist er, als Hanns Fuchs, in Stuttgart-Cannstatt, 1949, der Krieg war noch überall greifbar. „In sehr armen Verhältnissen“ wuchs er in Ludwigsburg auf. Die große Familie lebte in engen Räumen. Auch geistig. Der Vater, durch die Teilnahme am Raubkrieg der Faschisten an der Seele schwer beschädigt, unterwarf seine Familie einem strengen pietistischen Regiment, lebte im bibeltreuen Glauben, körperliche Züchtigung sei göttliches Gebot. Was auch der junge Hanns zu spüren bekam.

Raus hier, als Ziel „Raus hier!“, war sein Ziel. Er war auf der Flucht, „schon als ganz kleiner Wicht“, wie es in seinem autobiografischen Lied „Rosen zwischen den Steinen“ heißt. Markenzeichen war ihm später ein rotes Samtbarett. Eine Kopfbedeckung, vertraut seit der Kindheit. Er war von zu Hause so oft ausgerissen, dass seine Mutter, die er zeitlebens liebte, ihm eine signalgebende rote Mütze aufsetzte, damit er auch immer wieder aufgefunden werden könne. „Wenn ich die Musik nicht gehabt hätte, ich hätte es nicht überlebt“, erzählte er. Er war Vorsänger im Kirchenchor, lernte, Gitarre zu spielen, „dafür war die Jungschar gut“. Wie ein Schwamm das Wasser verleibte er sich Melodien und Texte ein, die Liebe zum Singen konnte man ihm nicht nehmen. Schulen und Lehrpläne hingegen waren ihm ein Graus. Schließlich absolvierte er eine Ausbildung als Heilerzieher, arbeitete in verschiedenen Einrichtungen.

Bhagwanische Verheißungen lockten ihn nach Indien, längere Zeit verbrachte er als Sannyasin im „Osho International Meditation Resort“. Zurückgekehrt wollte er die Musik zu seinem Beruf machen. Er lebte eben in der Musik. Und für das Publikum, das ihn hören wollte, das er miteinbezog, weil er es selber singen hören wollte. In einigen europäischen Ländern belebte er die Marktplätze, lud die Passanten ein, innezuhalten, Liedern von Bob Dylan, Woody Guthrie oder Pete Seeger zuzuhören, wie er sie interpretierte. Die Sesshaftigkeit war sein Ding nicht. Er lebte unstet, wechselte die Tätigkeiten. Zu den Beschwernissen, die einen Menschen davon abhalten können, seinen Weg zu gehen, zählte er einen dicken Geldbeutel und das stetige Sinnen darauf, ihn weiter zu befüllen.

Sehnsucht nach Wärme und Licht

Er hatte „Sehnsucht nach Wärme und Licht.“ Und „offnen Herzen“. Lange Zeit war dann Ammerbuch eine Zentralstation für ihn. Von dort zog er aus, immer „sternförmig“, wie er sagte, den Landkreis mit Liedern zu bedenken. Wie ein Wandermedicus war er unterwegs, um zur Heilung der Menschen einen Beitrag zu leisten. Ohne Salben, Säfte und Tinkturen. Er war kein Quacksalber, kein Marktschreier in eigener Sache. Er vertraute auf die Kraft des Gesangs, um die Schmerzen der Seelen zu lindern. Die Freude am Singen wollte er weitergeben, den Erwachsenen, vor allem aber den Kindern. [...]


Aus dem Nachruf im GEA am 11. Oktober 2024:


[...]Fuchs hat ein bewegtes Leben hinter sich. Er arbeitete als Heilerzieher und trat nebenher als Straßenmusiker auf. Seinen Traum, singend durch die Lande zu ziehen, erfüllte er sich 1985. Er kündigte dafür Wohnung und Arbeit. Begonnen hat er mit Liedern von Joan Baez und Bob Dylan. Erst später kamen Kinderlieder dazu.

Kurz vor der Coronakrise verliebte er sich und zog mit seiner Lebensgefährtin in ein kleines Haus nach Stockach. Im Erdgeschoss richtete er einen Begegnungsraum ein. Er wollte sich mehr in Richtung therapeutisches Singen entwickeln.

Die Coronazeit hat ihn als Sänger hart getroffen. Was tut ein Spielmann und Sänger, der vom Kontakt mit dem Publikum lebt? Er sang und spielte in Balingen auf einem Parkplatz vor vielen Autos, er spielte vor der Tübinger Kinderklinik. Die kleinen Patienten hörten ihn durch die geschlossenen Scheiben. Und da gab es dann noch ein ganz besonderes Angebot des Spielmanns: Lieder übers Telefon. Wer wollte, konnte anrufen und gegen eine kleine Spende sich ein Lied wünschen.


Videos[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt 2012: https://youtu.be/AAKZeu271xA?si=0L0_FEw3rO6mAM8X

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]