Güterbahnhof

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Blick von der Eisenbahnstraße auf den Güterbahnhof mit seiner Lagerhalle (2011)
Die zugewachsenen Gleisanlagen des Güterbahnhofs von der Blauen Brücke aus (Juni 2011).
Güterbahnhof Tübingen, vom Blauen Turm aus gesehen, Ende April 2012
Die gleiche Perspektive wie oben: Bäumchen "gerodet" und Weichen bereits abgebaut (Januar 2014)
Die gleiche Perspektive wie oben: Ein Wald von Kränen und die ersten Bauten wachsen (September 2017)

Der Güterbahnhof liegt auf einem 15 Hektar großen Gelände zwischen der Eisenbahnstraße und Schaffhausenstraße im Bereich von der Blauen Brücke bis zum Trinkwasserschutzgebiet des Au-Brunnens. Er wird seit den 1990er Jahren kaum noch genutzt. Seit die Stuttgarter Bahndirektion die Stückgut-Abfertigung nach Reutlingen verlegt hat und das französiche Militär abgezogen wurde, gabt es fast nur noch Schrott-Transporte.


Das gesamte Areal wurde deshalb von der Bahn zur Bebauung in Aussicht gestellt. Die Fläche steht allerdings nicht komplett für eine Neuordnung zur Verfügung. Im Norden behält die Bahn einen sieben Gleise breiten Streifen, den sie weiterhin für den Zugverkehr braucht. Dabei ist auch schon der künftige Platzbedarf einer Regionalstadtbahn samt Haltestelle auf Höhe des Neckarstauwehrss berücksichtigt. Die Schrebergärten entlang der Schaffhausenstraße sind von der Neugestaltung ausgenommen. Vier Hektar der insgesamt 9 Hektar großen Fläche entlang der Eisenbahnstraße wurden bis 2015 unterschiedlich genutzt für den Werkzeughandel, als Lagerhallen und für die Zeltkirche der TOS-Gemeinde. Dieser Bereich gehört der Aurelis Real Estate GmbH, einer 2007 privatisierten Bahn-Tochter zur Projektentwicklung.[1]

Südlich der Bahnlinie entsteht nun das neue Wohnquartier "Alter Güterbahnhof" mit rund 570 Wohnungen, 40 Büros und kleineren Betrieben. Die Firmen Kemmler und Möck bekommen zusätzliche Flächen, um ihre Betriebe standortnah zu erweitern. Insgesamt zehn Hektar Bauland gewinnt die Universitätsstadt auf dem ehemaligen Bahngelände hinzu. In den denkmalgeschützten Gebäuden in der Eisenbahnstraße soll das "kollektive Gedächtnis", das Tübinger Stadtarchiv untergebracht werden. Die Arbeiten an den Neubauten haben 2016 begonnen. 2017 findet in der Lagerhalle des Güterbahnhofs das Tübinger Sommertheater statt.

Wettbewerb[Bearbeiten]

2010 waren sich die Eigentümer Aurelis Real Estate und DB Services Immobilien mit der Stadt Tübingen im Wesentlichen einig, dass die Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs zu einem neuen qualitätsvollen Stadtquartier entwickelt werden sollen. Im Oktober 2011 haben dazu die Eigentümer gemeinsam mit der Stadt für einen 7 ha großen Teil des Areals einen städtebaulichen Realisierungswettbewerb durchgeführt. Am 16. März 2012 hat eine Jury über die Siegerentwürfe entschieden (siehe Weblinks).

Den 1. Platz erhielten die Arbeitsgemeinschaft ANP Architektur- und Planungsgesellschaft, Kassel und GTL Gnüchtel Triebswetter Landschaftsarchitekten, Kassel.

Der 2. Platz ging an das gemeinsame Konzept von Steidle Architekten und vom Büro t17 Landschaftsarchitekten, beide München.

Anstelle eines dritten Preises wurden an vier weitere Arbeitsgemeinschaften Anerkennungen ausgesprochen.

Die Aurelis GmbH versprach auf ihrer Website "die Einrichtung eines regelmäßig stattfindenden Runden Tisches als Instrument der Öffentlichkeitsbeteiligung" [2]. Es wäre sinnvoll einen solchen Runden Tisch mit den bestehenden lokalen Strukturen der Südstadt im September 2013 anzuberaumen.

Die Bauarbeiten begannen 2014. Im Jahr 2017 wurde nach einem Namenswettbewerb der Name Alter Güterbahnhof für das neue Stadtviertel gewählt.

Kontroverse zum geplanten Projekt[Bearbeiten]

Als Zentrum des neuen Quartiers wird der Güterbahnhof erhalten, ein Teil wurde allerdings inzwischen abgerissen. Ein "Lern- und Dokumentationszentrum zur NS-Geschichte Tübingens" soll im Mittelteil der Güterhalle entstehen. Denn dort befindet sich ein Überwachungsposten, von dem aus im 2. Weltkrieg Zwangsarbeiter beim Verladen von Gütern kontrolliert wurden. Auch das Stadtarchiv soll im Güterbahnhof Raum finden. Der Initiative "cafecolectiva"[3], die sich für eine (Zwischen-)Nutzung eines Raums im Güterbahnhof interessierte, wurde 2013 von der Aurelis GmbH abgesagt. Für das Zentrum des neuen Stadtteils fehlt(e) nach Ansicht der Initiative ein öffentlicher, nicht kommerzialisierter Ort, an dem alle Menschen zusammen kommen können.

Meinung: "Anfang August 2013 wurde das Gleis des Güterbahnhofs für ein Wochenende besetzt.[4] Nachdem einige Informationen gesammelt wurden, war klar, dass viele der Anwohner*innen nur sehr grob Bescheid wussten, was hier geplant ist und dass die meisten der Veränderung ihres Umfeldes in ihrer jetzigen Form nicht zustimmten. Dicht gebaute bis zu siebenstöckige Betongebäude, die Unklarheit, ob der Flohmarkt am Güterbahnhof mit dem Projekt verdrängt wird oder ob er auf dem geplanten Boulevard stattfinden kann, sowie der Umstand, dass in den neueren Planungen der Regionalbahnhof und die Unterführung nicht mehr miteingeplant sind, waren einige vieler Kritikpunkte an der jetzigen Planung. Als Negativbeispiel kann das Depot-Areal herhalten, in dem es ausschließlich kommerzielle Räume gibt. Es scheint bei dem Güterbahnhof-Großprojekt vor allem um Profite einiger Firmen zu gehen, anstatt ein lebendiges neues Viertel zu bauen." Gestalt der Stadt, 19:47, 6. Aug. 2013

Ausstellung[Bearbeiten]

Für die Ausstellung „Schwelle zur Moderne – 150 Jahre Eisenbahn in Tübingen", die im Sommer 2011 im Stadtmuseum zu sehen war, hatte Stadtarchivar Udo Rauch unter anderem auch die Geschichte dieses Bahnhofs erforscht und zusammengestellt.[5]

Video[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Neun Hektar Neuland: Güterbahnhof soll nach 20 Jahren rasch entwickelt werden. Tagblatt vom 4. Februar 2010.
  2. Die Aurelis GmbH über das Projekt "Quartier Güterbahnhof"
  3. Website des cafecollectiva
  4. Hintergründe zur Besetzung des Güterbahnhofs am 2.8.2013
  5. Sonderseite im Tagblatt: Die Geschichte des Tübinger Güterbahnhofs. Tagblatt vom 5. Mai 2011.


Weblinks[Bearbeiten]

So sieht's der Vogel[Bearbeiten]


Dieses ist der 1900. Artikel in TÜpedia.