Friedrich Wilhelm Schnitzler

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Friedrich Wilhelm Schnitzler bei der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1983

Friedrich „Fritz“ Wilhelm Schnitzler (* 16. Dezember 1928 in Ohnastetten; † 15. Juli 2011 ebenda[1]) war ein deutscher Landwirt, Verbandsfunktionär, Politiker der CDU, Unternehmer, Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Intermilch-Gruppe, Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Südmilch AG und der Sachsenmilch AG, Vorstandsvorsitzender der Südmilch AG, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender der Bezirksmilchverwertung Reutlingen e. G. (BMV), Mitgründer, Vorstandsvorsitzender und Ehrenvorsitzender der Milcherzeugergenossenschaft (MEG) Reutlingen e. G. und Manager der deutschen Wirtschaft. Außerdem war er Gründer und erster Präsident des Kreisbauernverbandes Reutlingen, Gründer und Funktionär des Kreis-Landfrauenverbandes Reutlingen und des Kreis-Landfrauenchores, Gründer und erster Vizepräsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, Funktionär und Dozent der Schwäbischen Bauernschule, der Mariaberger Heime, erster Lobbyist des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg und Schöffe (Ehrenamtlicher Richter) am Landgericht Tübingen. Sein Sohn ist der Künstler und Schauspieler Frank Christoph Schnitzler.

Leben[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Schnitzler besuchte von 1934 bis 1942 die Volksschule in Ohnastetten, anschließend die landwirtschaftliche Berufsschule in Münsingen. Bis 1944 war Schnitzler in der Hitler-Jugend und wurde danach freiwilliger Soldat in der Wehrmacht. Schnitzler geriet dort in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er nach Kriegsende entlassen wurde und zu Fuß nach Ohnastetten zurückkehrte, wo er die Landwirtschaft seines Vaters Friedrich Wilhelm (Senior) übernahm, die er 1964 zum Aussiedlerhof erweiterte. Schnitzler war Jahrzehnte Mitglied des Ohnastetter Kirchengemeinderats, der Sportschützen Ohnastetten e.V. und 60 Jahre aktives Mitglied des Männergesangvereins Frohsinn e.V. in Ohnastetten.[2]

Politische Tätigkeit und öffentliche Ämter[Bearbeiten]

"Fritz" Schnitzler war von Oktober 1962 bis Dezember 1974 Gemeinderat in der eigenständigen Gemeinde Ohnastetten und stellvertretender Bürgermeister. Während dieser Zeit war er auch als Ehrenamtlicher Richter|Schöffe am Landgericht Tübingen tätig. Nach der Gemeindereform war Schnitzler von 1975 bis 1996 Ortsvorsteher des St. Johanner (Württemberg) Teilortes Ohnastetten und Mitglied des Ortschaftsrats. Der gelernte Landwirtschaftsmeister bewirtschaftete einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb und war als Wildschadenschätzer vereidigt. Der Bauernfunktionär und Kommunalpolitiker der CDU wurde im Januar 1962 zum Vorsitzenden des damaligen Bauernverbandes Reutlingen gewählt und vereinigte 1975 die Bauernverbände Reutlingen und Münsingen zum Kreisbauernverband Reutlingen e.V. Von 1962 bis 1992 war Schnitzler 1. Vorsitzender (Kreisobmann) des Kreisbauernverbandes Reutlingen und Lobbyist des Landesbauernverband in Baden-Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg unter Lothar Späth in enger Zusammenarbeit mit Ernst Geprägs. Friedrich Wilhelm Schnitzler war der erste politische Vertreter des bäuerlichen Berufsstandes für den gesamten Landkreis Reutlingen. Sein besonderes Engagement galt der bäuerlichen Landwirtschaft. Besonders prägte er die Bereiche Milcherzeugung und -verarbeitung, in denen er wesentliche Strukturveränderungen erwirkte, die bundesweit heftige Auseinandersetzungen, auch innerhalb des Berufsstandes und mit der Politik zur Folge hatten. Schnitzler war maßgeblich bei der Gründung des Kreislandfrauenverband Reutlingen und des Landfrauenchores beteiligt. Danach war er Ehrenvorsitzender des Kreisbauernverband Reutlingen. Er eröffnete die erste politische Bauernversammlung, die Lichtmesstagung, in St. Johann und brachte somit erstmals die Lichtmess in die Gemeinde. Schnitzler war stellvertretender Geschäftsführer im Milchwerk in Reutlingen und Vorstandsvorsitzender der Bezirksmilchverwertung Reutlingen e.G. (BMV), die seit 1996 als Milcherzeugergenossenschaft (MEG) Reutlingen e.G firmiert. Als Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender leitete Fritz Schnitzler die Südmilch AG Deutschland. Am 28. November 1983 wurde Friedrich Wilhelm Schnitzler von Bundespräsident Karl Carstens durch Staatssekretär Ventur Schöttle das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Politischer Werdegang[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Schnitzler Chef der Südmilch AG 1993
Friedrich Wilhelm Schnitzler bei CAMPINA GMBH 1993

Friedrich Wilhelm Schnitzler – Südmilch-Chef, Politiker (CDU) und Bauernverbandsfunktionär[Bearbeiten]

Der CDU Politiker Friedrich Wilhelm Schnitzler begann seine politische Laufbahn als Ortschaftsrat in dem Teilort Ohnastetten der Gemeinde St. Johann in Baden-Württemberg, in dem er von 1975 bis 1996 zum Ortsvorsteher gewählt wurde. Zuvor war er in der eigenständigen Gemeinde Ohnastetten Gemeinderatsmitglied und Stellvertretender Bürgermeister gewesen. Schnitzler wurde während dieser Zeit zum ehrenamtlichen Richter (Schöffe) beim Landgericht Tübingen berufen.

Als Landwirtschaftsmeister bewirtschaftete er, ebenfalls in Ohnastetten, einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb mit Schwerpunkt Milchproduktion auf einer Gesamtproduktionsfläche von ca. 30 Hektar und war als Wildschadenschätzer vereidigt. Schnitzler wurde 1962 zum Kreisobmann / Kreisvorsitzenden des Kreisbauernverband Reutlingen e.V. gewählt und übte dieses Amt bis 1992 aus. Bei der Gründung (Fusion des Nord- und Südverband) des Landesbauernverband in Baden-Württemberg wurde Friedrich Wilhelm Schnitzler als Lobbyist im Stuttgarter Landtag, damals unter Ministerpräsident Lothar Späth, gewählt. Schnitzler stand in enger Zusammenarbeit mit dem ersten Präsident des Landesbauernverband Ernst Geprägs und dem Präsident des Deutschen Bauernverbands Constantin Heereman von Zuydtwyck.

Der Milchproduzent Schnitzler stand unter Liefervertrag mit der Bezirksmilchverwertung (BMV) Reutlingen e.G. und wurde bald darauf zum 2. Geschäftsführer im Milchwerk Reutlingen, in Zusammenarbeit mit dem 1. Geschäftsführer Gottlieb Rapp, bestimmt. Als Aktionär der Südmilch AG und Mitglied in deren Aufsichtsrat wurde er dort zum Aufsichtsratsvorsitzenden. Damaliger Vorstandsvorsitzender der Südmilch AG war Wolfgang Weber. Nach Gründung der Sachsenmilch AG durch die Südmilch AG, die dadurch finanziell geschwächt wurde und mehreren Betrugs- und Veruntreuungsfälle durch Weber (Südmilch-Skandal) kam es schließlich zum Vergleich der Südmilch AG - „Die Südmilch-Pleite“ - .
Dr. Wolfgang Weber flüchtete 1993 mit den ergaunerten ca. 20 Millionen DM nach Paraguay und begann dort eine Rinderzucht mit der er Rindfleisch für McDonald's produzierte. So rückte nun Friedrich Wilhelm Schnitzler zum Vorstandsvorsitzenden der Südmilch AG nach, da die Aktiengesellschaft durch Webers Flucht führungslos geworden war. Dadurch hatte Schnitzler die seltene Doppelfunktion des Vorstandsvorsitzenden und des Aufsichtsratsvorsitzenden der Südmilch AG inne.

Schnitzler fand in Zusammenarbeit mit seinen Aufsichtsratsmitgliedern ein milchverarbeitendes Unternehmen mit ähnlicher Betriebsstruktur wie die Südmilch AG – Die Campina GmbH & Co. KG - mit Firmensitz in Holland. Die heutige FrieslandCampina Germany GmbH mit Sitz in Heilbronn. Schnitzlers Verhandlungsgeschick mit der Campina GmbH & Co. KG erwies sich als sehr erfolgreich für die Mitarbeiter und Milchlieferanten der Südmilch AG. So konnte Schnitzler schlimmeres verhindern und sogar Teile der Südmilch AG retten, da verschiedene Rezepturen und noch 2 Sitze der Südmilch AG Aufsichtsräte bei der FrieslandCampina Germany verbleiben konnten.

Gründer und erster Präsident des Kreisbauernverbandes Reutlingen[Bearbeiten]

Der Bauernverbandsfunktionär und Kommunalpolitiker der CDU wurde im Januar 1962 zum 1. Vorsitzenden des damaligen Bauernverbandes Reutlingen gewählt, vereinigte 1975 die Bauernverbände Reutlingen und Münsingen zum Kreisbauernverband Reutlingen und wurde dadurch zum Gründer des Kreisbauernverbandes Reutlingen. Von 1975 bis 1992 war Schnitzler 1. Vorsitzender (Kreisobmann) des Kreisbauernverbandes Reutlingen. Er war dadurch der erste politische Vertreter des bäuerlichen Berufsstandes für den gesamten Landkreis Reutlingen und gilt deshalb als Gründungsvater des Kreisbauernverbandes Reutlingen. Nach 1992 war Schnitzler bis zu seinem Tod Ehrenvorsitzender des Kreisbauernverbandes Reutlingen.

Gründer des Kreis-Landfrauenverbandes Reutlingen und des Kreis-Landfrauenchores[Bearbeiten]

Der Kreis-Landfrauenverband Reutlingen entstand 1982 im Kreisbauernverband Reutlingen. Nachdem Fritz Schnitzler 1975 den Kreisbauernverband Reutlingen, mit Sitz in Münsingen, gegründet hatte, wurde Heinrich Mangold aus Münsingen-Apfelstetten zum Geschäftsführer gewählt.[3]

Der Kreisbauernverband Reutlingen begann die Landfrauenarbeit im Landkreis Reutlingen mit einer Sommerlehrfahrt, bei der die Landfrauen Einblicke in verschiedene Industriebetriebe bekamen. Auf Anraten des Präsidenten des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg Ernst Geprägs und des Präsidenten (Kreisobmann) des Kreisbauernverbandes Reutlingen Fritz Schnitzler, veranstaltete Mangold auch im Winterhalbjahr regionale Versammlungen für die Landfrauen im Landkreis Reutlingen. Am 3. Juni 1982 gründeten die Gründungsväter des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, Fritz Schnitzler und Ernst Geprägs zusammen mit den Landfrauen des Landkreises Reutlingen den Landfrauenverband Reutlingen im Kreisbauernverband Reutlingen e. V.[4] Als erste Kreisvorsitzende wurde nach der Gründung Lore Lamparter aus Münsingen-Dottingen ins Amt gewählt.[5]

1991 wurde auf Betreiben von Lore Lamparter und den Landfrauen, zusammen mit Fritz Schnitzler und Ernst Geprägs, der Kreis-Landfrauenchor gegründet. Die höchste Auszeichnung des Verbandes ist die Ehrennadel Die fleißige Biene in Gold. Dem Landfrauenverband Reutlingen gehören mehr als 1000 Mitglieder aus 21 Ortsverbänden an. Der Landfrauenverband Reutlingen ist Mitglied in dessen Dachverband Landfrauenverband Württemberg-Hohenzollern, den die Gründer Ruth Wößner, Toni Teufel und Ernst Geprägs am 16. Oktober 1981 als Landfrauenverband Südwürttemberg-Hohenzollern gegründet haben, welcher Mitglied im Deutschen Landfrauenverband ist. Zielsetzungen, Bildungs- und Weiterbildungsangebote des Landfrauenverbandes Reutlingen sind Bildungs- und Weiterbildungsseminare in Kultur, Familie und Gesundheit, Informations- und Lehrfahrten, Landfrauentreffen, Interessenverband Bäuerlicher Landwirtschaft und Ländlicher Hauswirtschaft.

Gründer und erster Vizepräsident des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg[Bearbeiten]

1989 gründete Friedrich Wilhelm Schnitzler zusammen mit seinem Freund und Mitstreiter Ernst Geprägs den Landesbauernverband in Baden-Württemberg. Die Delegierten wählten Ernst Geprägs zum ersten Präsident und Friedrich Wilhelm Schnitzler zum ersten Vizepräsident und ersten Lobbyist des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg (LBV) im Landtag von Baden-Württemberg. Friedrich Wilhelm Schnitzler und Ernst Geprägs gelten seither als die Gründungsväter des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg und waren auch die Mitbegründer der Schwäbischen Bauernschule in Bad Waldsee, dessen Täger der LBV ist. Sein besonderes Engagement galt der bäuerlichen Landwirtschaft. Besonders prägte er die Bereiche Milcherzeugung und -verarbeitung, in denen er wesentliche Strukturveränderungen erwirkte, die bundesweit heftige Auseinandersetzungen, auch innerhalb des Berufsstandes und mit der Politik zur Folge hatte. Bedingt als Lobbyist des bäuerlichen Berufsstandes für das Bundesland Baden-Württemberg und als Vorstandsvorsitzender der Südmilch AG Deutschland, mit Hauptsitz in Stuttgart, führte Fritz Schnitzler jahrelang Verhandlungen mit Lothar Späth im Landtag von Baden-Württemberg, woraus eine langjährige Freundschaft zwischen beiden entstand. Schnitzler war maßgeblich bei der Gründung des Kreis-Landfrauenverband Reutlingen und des Kreis-Landfrauenchores beteiligt. Er eröffnete die erste politische Versammlung des Kreisbauernverbandes Reutlingen, die Lichtmesstagung, in St. Johann und brachte somit erstmals die Lichtmess in die Gemeinde. Am 28. November 1983 wurde Schnitzler vom Bundespräsident Karl Carstens durch Staatssekretär Ventur Schöttle das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, für seine Verdienste um den bäuerlichen Berufsstandes in der Bundesrepublik Deutschland, verliehen.

Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender der Intermilch-Gruppe, der Südmilch AG und der Sachsenmilch AG[Bearbeiten]

Schnitzler war Mitgründer der sich im Juni 1969 in Heilbronn gegründeten überregionalen Interessengemeinschaft Milch (Intermilch-Gruppe), der sich neben der MVH auch die Württembergische Milchverwertung Südmilch AG (WMV) aus Stuttgart und das Dauermilchwerk Hohenlohe-Franken GmbH aus Künzelsau anschlossen und die damit zum größten deutschen milchverarbeitenden Unternehmen wurde. Am 29. Juni 1972 erfolgte die Fusion der MVH mit der WMV zur Südmilch AG. Zum ersten Vorstandsvorsitzenden wurde Wolfgang Weber, zum ersten Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Friedrich Wilhelm Schnitzler gewählt. Da die Südmilch AG Ende der 1980er-Jahre und im Zusammenhang mit der deutschen Wende sehr stark expandierte, gründeten die Vorstände der Südmilch AG die Sachsenmilch AG, in welcher Fritz Schnitzler ebenfalls zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt wurde. Die Sachsenmilch AG belastete anfänglich, bedingt durch hohe Investitionskosten, die Südmilch AG sehr hoch. Dazu kam der durch Wolfgang Weber ausgelöste Südmilch-Skandal hinzu, welcher eine zu starke Schwächung beider Konzerne und dadurch einen Vergleich der Südmilch AG und der Sachsenmilch AG zur Folge hatte. Die Sachsenmilch AG wurde durch die Unternehmensgruppe Theo Müller übernommen, die Südmilch AG fusionierte mit der Campina BV, der heutigen FrieslandCampina Germany.[6][7]

Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender der Südmilch AG[Bearbeiten]

Als Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender leitete Fritz Schnitzler die Südmilch AG Deutschland mit Hauptsitz in Stuttgart, die er 1993, bedingt durch den Südmilch-Skandal, für etwa 350 Millionen DM an die FrieslandCampina Germany mit Sitz in Holland verkaufen musste. Die Südmich AG hatte zu dieser Zeit einen Kurswert von rund 1 Milliarde DM. Durch die Tätigkeit als Konzernchef der Südmilch AG führte Schnitzler unter anderen viele Gespräche mit Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel, woraus später eine Freundschaft entstand.

Südmilch-Skandal[Bearbeiten]

Wolfgang Weber war von 1970 bis 1992 Vorstandsvorsitzender und danach bis Januar 1993 Aufsichtsratschef der Südmilch AG in Stuttgart. Die Südmilch AG war damals der größte deutsche Molkereibetrieb. 1990 war unter Führung der Südmilch AG die Sachsenmilch AG gegründet worden, deren Leitungsfunktionen weitgehend mit Personen aus dem Südmilch-Vorstand besetzt wurden. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeichneten sich bereits 1991 finanzielle Probleme bei der Umsetzung des Projekts ab. Weber betrog die Aktiengesellschaft um ca. 20 Millionen DM. Dieser Millionenbetrug gelang ihm über einen Manager (Mittäter) bei der Deutschen Bank, der dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der Südmilch AG, Friedrich Wilhelm Schnitzler, gefälschte Bankunterlagen (Bilanzen) vorlegte und weitere Beteiligte täuschte. Nach Aussage der Staatsanwaltschaft steht Weber im Verdacht, mit einem Know-how-Verkauf versucht zu haben, die Südmilch AG zu Lasten der ostdeutschen Sachsenmilch AG zu sanieren. In diesem Zusammenhang soll er mit dem von der Südmilch AG betreuten Börsengang der Sachsenmilch AG durch falsche Angaben die Aktienkäufer sowie die Emissionsbank geschädigt haben. Neben gemeinschaftlichen Betrug wirft ihm die Staatsanwaltschaft auch Untreue zum Nachteil der Sachsenmilch AG vor. Dr. Wolfgang Weber floh 1993 nach Paraguay, wo er mit diesem Geld Rinderzuchtfarmen gründete und McDonalds mit Fleischprodukten belieferte. Mehrere Manager der Südmich AG wurden von der Staatsanwaltschaft zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Bei Dr. Wolfgang Weber wurde der Haftbefehl gegen eine Sicherheitsleistung von 100.000 Euro im Jahr 2003 außer Vollzug gesetzt. Nach der "Südmilch-Pleite" übernahm Friedrich Wilhelm Schnitzler die Konzernleitung der Südmilch AG und wickelte Ende 1993 die Fusion mit der damaligen Campina BV, heute FrieslandCampina Germany, in Holland erfolgreich ab.

Der bisherige Südmilch-Chef hatte geheimen Zusatzvertrag Staudacher wollte die Vereinbarung nicht "zerreißen" / Neue Forderung an die Deutsche Bank mih. STUTTGART, 13. September. Frank Staudacher, der am vergangenen Freitag vom Aufsichtsrat der Südmilch AG, Stuttgart, als Vorstandsvorsitzender entlassen wurde, hatte einen zweiten Anstellungsvertrag, von dem das Kontrollgremium nichts wußte. Da Staudacher nicht bereit war, diese Vereinbarung "zu zerreißen", entzog ihm der Aufsichtsrat nach den Worten des Aufsichtsratsvorsitzenden Fritz Schnitzler das Vertrauen und beendete das Vertragsverhältnis mit sofortiger Wirkung. Nach Schnitzlers Darstellung holte der damalige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Weber Staudacher 1992 von der Kraft General Foods GmbH nach Stuttgart. Staudacher erhielt ... Quelle: F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.09.1993, Nr. 213, S. 18 Wirtschaft

Familie[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Schnitzler lebte mit seiner Ehefrau Annemarie und ihrem gemeinsamen Sohn Frank Christoph im Ortsteil Ohnastetten der Gemeinde St. Johann. Die Familie bewirtschaftete einen 30 Hektar Bauernhof mit Schwerpunkt Milchproduktion als Nebenerwerbsbetrieb.

Funktionär in Konzernen, Verbänden und Institutionen[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Schnitzler war Funktionär und Mitglied in folgenden Konzernen, Verbänden und Institutionen:

  • Intermilch, Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender
  • Südmilch AG, Mitgründer, Aufsichtsratsvorsitzender und Vorstandsvorsitzender
  • Sachsenmilch AG, Mitgründer und Aufsichtsratsvorsitzender
  • Bezirksmilchverwertung Reutlingen e.G. (BMV), Vorstandsvorsitzender
  • Milcherzeugergenossenschaft (MEG) Reutlingen, Mitgründer, Vorstandsvorsitzender und Ehrenvorsitzender
  • Bezirksmilchverwertung Reutlingen e.G. (Milchwerk Reutlingen), stellvertretender Hauptgeschäftsführer
  • Deutscher Bauernverband, Mitglied und Funktionär
  • Landesbauernverband in Baden-Württemberg, Mitgründer und erster Lobbyist
  • Bauernverband Reutlingen, 1. Vorsitzender
  • Kreisbauernverband Reutlingen, Mitbegründer und 1. Vorsitzender (Kreisobmann)
  • Kreis-Landfrauenverband Reutlingen, Mitgründer und Funktionär
  • Landfrauenchor Reutlingen, Mitgründer und Funktionär
  • Deutscher Fleckviehzuchtverband, Mitglied und Funktionär
  • Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Mitglied und Funktionär
  • BayWa, Mitglied und Funktionär
  • Landgericht Tübingen, Schöffe (ehrenamtlicher Richter)
  • CDU, Mitglied und Funktionär
  • Ortschafts- und Gemeindeverwaltung der eigenständigen Gemeinde Ohnastetten, stellvertretender Bürgermeister und Mitglied des Gemeinderats
  • Ortschafts- und Gemeindeverwaltung der Gemeinde St. Johann (Württemberg), Ortsvorsteher des Teilorts Ohnastetten, Mitglied des Ortschaftsrats und Mitglied des Gemeinderats
  • Mariaberger Heime, Mitglied des Mitgliederausschuß, des Verwaltungsrats und Dozent
  • Schwäbische Bauernschule, Mitgründer und Fachdozent

Mäzenat[Bearbeiten]

Schnitzler förderte mehrere Institutionen, soziale Einrichtungen und Verbände, die er selbst gegründet und ins Leben gerufen hat als Mäzen. Unter anderem die Mariaberger Heime, die Schwäbische Bauernschule in Bad Waldsee, den Kreisbauernverband Reutlingen und den Landesbauernverband in Baden-Württemberg.

Schwäbische Bauernschule[Bearbeiten]

Am 22. Dezember 1949 gründete der Präsident des Landesbauernverbandes für Württemberg und Hohenzollern, Bernhard Bauknecht, die Schwäbische Bauernschule in Bad Waldsee. Danach beteiligten sich die Gründungsväter des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, Friedrich Wilhelm Schnitzler und dessen Freund und Mitstreiter Ernst Geprägs, zu wesentlichen Teilen am Auf- und Ausbau der Schule zum heutigen Bildungszentrum für den ländlichen Raum in Baden-Württemberg. Friedrich Wilhelm Schnitzler, Ernst Geprägs und Bernhard Bauknecht waren die gefragtesten Fachdozenten für die Bereiche Ökologie, Ökonomie, Agrarwirtschaft moderne Agrartechnik und bäuerliche Landwirtschaft.

Mariaberger Heime[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Schnitzler im Verwaltungsrat der Mariaberger Heime 1997

Friedrich Wilhelm Schnitzler war viele Jahre im Mitgliederausschuss und im Verwaltungsrat der Mariaberger Heime aktiv. Er war maßgeblich bei der Erstellung und Verfassung der Satzung der Mariaberger Heime e. V. beteiligt und baute die dortige Landwirtschaft, in der die Bewohner bis heute Arbeit und Beschäftigung finden, wesentlich aus, wo er als Dozent in moderner Landwirtschaft auch unterrichtete.

Landwirtschaftliches Hauptfest[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Schnitzler war maßgeblich an der Durchführung und als Hauptredner der Festansprachen, insbesondere als Mitbegründer des Landesbauernverband in Baden-Württemberg und erster Lobbyist des Landesbauernverband in Baden Württemberg im Landtag von Baden-Württemberg, beim Landwirtschaftlichen Hauptfest auf dem Cannstatter Wasen, welches zeitgleich und in direkter Verbindung zum Cannstatter Volksfest stattfindet, aktiv. Ebenso bei der jährlichen Eröffnung der Internationale Grüne Woche Berlin, war Schnitzler ein gefragter Redner vor tausenden Messebesuchern.

Auszeichnungen / Ehrungen[Bearbeiten]

Grabanlage der Familie Friedrich Wilhelm Schnitzler im Friedhof Ohnastetten am 16. Dezember 2015
  • 28. November 1983 Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland durch Bundespräsident Karl Carstens. Die Laudatio hielt Staatssekretär Ventur Schöttle in Würtingen.
  • 1992 - 2011 Ehrenvorsitzender des Kreisbauernverband Reutlingen.
  • 1996 - 2011 Ehrenvorsitzender der Milcherzeugergenossenschaft (MEG) Reutlingen e.G.
  • 2010 Ehrung für 60-jährige Mitgliedschaft im Liederkranz Ohnastetten.[8]

Gedenken an Fritz Schnitzler[Bearbeiten]

Am 20. Juli 2011 fand wieder eine Sitzung des Gemeinderates statt. Zur Sitzung waren zahlreiche Zuhörerinnen und Zuhörer erschienen, ebenso wie die Vertreter der Presse. Mit beratender Stimme nahmen die Mitglieder des Ortschaftsrates an der Sitzung teil.

Zu Beginn der Sitzung gedachten die Anwesenden Herrn Ortsvorsteher a.D. Fritz Schnitzler, der am 15. Juli 2011 verstorben ist. Herr Schnitzler hat sich unermüdlich und uneigennützig im öffentlichen Leben der Gemeinde und weit über die Gemeindegrenzen hinaus in verschiedenen Ämtern und Positionen eingesetzt. Als besondere Persönlichkeit des bäuerlichen Berufsstandes war er landesweit bekannt. Für seine Verdienste, insbesondere um die Landwirtschaft, hatte Herr Schnitzler das Bundesverdienstkreuz erhalten. Mit ihm verliert die Gemeinde eine herausragende Persönlichkeit, die fehlen wird. Quelle: Homepage Gemeinde St. Johann/Württ. - Aktuelle Informationen.

Weblinks[Bearbeiten]

Pressemitteilungen[Bearbeiten]

Facebook[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

YouTube[Bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]