Ehemaliges Opernhaus

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Am Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Tübingen ein kleines Opernhaus. Herzog Karl Eugen hat es im alten Reithaus des Collegium Illustre vor dem Lustnauer Tor einrichten lassen. Am 4. November 1767 wurde es mit der Uraufführung von Niccolò Jommellis Oper „Il cacciatore deluso“ (Der enttäuschte Jäger) eingeweiht.[1]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Opernhaus im Botanischen Garten auf dem Kohlerschen Stadtplan von 1819

Leider wurde bisher noch keine Abbildung des Opernhauses gefunden. Lediglich der Kohlersche Stadtplan von 1819 zeigt noch seinen Grundriss. Demnach stand es am Rande des (späteren) Alten Botanischen Gartens neben dem heutigen Museum, etwa dort, wo die Unterführung in den Botanischen Garten mündet.[2]

Geschichte des Baus[Bearbeiten]

Herzog Karl Eugen ordnete den Umbau des alten Reithauses an, das bis dahin vom Collegium Illustre benutzt worden war. Es ersetzte 1669 einen Vorgängerbau, der unter den Wirren und Folgen des Dreißigjährigen Krieges sehr gelitten hatte.

Der Neubau des Reithauses von 1669 war fast 43 Meter lang und etwa 13 Meter breit. Er bestand neben einem kleineren Eingangsbereich praktisch nur aus einer großen Halle im vier Meter hohen Erdgeschoss. Darüber befand sich bereits der Dachstuhl. Das insgesamt niedrige Gebäude war aus Holz errichtet. Nur die Seite zur Stadt hin war massiv. Denn hier war die Umfassungsmauer mitbenutzt worden, die den Tummelplatz des Collegiums umgab.

Der Umbau zum Opernhaus soll 1767 in kürzester Zeit von statten gegangen sein. Der Herzog drängte in jenen Jahren meist auf eine rasche Ausführung seiner Befehle. Dies ist aber auch ein Hinweis auf die bescheidenen Mittel, mit denen das hundert Jahre alte Reithaus vermutlich mehr dekoriert als umgebaut wurde. Wahrscheinlich kamen einfachste Baumaterialien, viel Stoff und illusionistische Malerei zum Einsatz. Das Ganze war nicht für die Ewigkeit bestimmt.[2]

Reduktion und Ende des Theaterbetriebs[Bearbeiten]

Schon zu Herzog Karl Eugens Zeiten wurde der Theaterbetrieb wieder reduziert. Bald wurden Dekorationsstücke zum Bau des neuen Stuttgarter Theaters in die Landeshauptstadt geschafft. 1792 überlegte man eine Zeit lang, die Universitätsbibliothek in der Oper aufzustellen. Zuletzt ging 1802 noch einmal Shakespeares Julius Cäsar über die Bühne.

Dann kam das Ende: Der ehemalige Stadtarchivar Joseph Forderer schrieb 1942 in den Tübinger Blättern, das Opernhaus sei „gleichsam ein Symbol einer unwiederbringlich versunkenen Welt“ im Sommer 1802 abgebrochen worden: „So ist nach 36jährigem Bestand eine im Geiste ihres Jahrhunderts entstandene und gepflegte Kunststätte verschwunden.“[2] [3]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Eine Tübinger Oper: Il Cacciatore deluso
  2. 2,0 2,1 2,2 Stadtarchivar Udo Rauch: Eine Oper für Tübingen
  3. S. Esser: Das höfische Theater unter Herzog Carl Eugen und König Friedrich. In: Das Schloß und seine Ausstattung als denkmalpflegerische Aufgabe, 1999.