Diskussion:Münze 13
Hier kommt etwas Input mit KI-Hilfe, für die Haus-Hintegrundgeschichten (erzeugt mit Perplexity.ai Pro, Deep Research am 3.6.2026):
Input mit KI: Münze 13
[Quelltext bearbeiten]Die Münze 13 ist ein historisches Gebäude in der Münzgasse in der Tübinger Altstadt. Es wurde im 17. Jahrhundert als Neubau des Stipendiums Martinianum errichtet und diente über Jahrhunderte als Studentenstift und späteres Studentenwohnheim.[web:1][web:2][web:11][1] In der Zeit des Nationalsozialismus war in dem Haus die Tübinger Polizeidirektion mit Außenstellen von Kriminalpolizei und Gestapo untergebracht, von wo aus Verfolgung und Deportationen von Jüdinnen und Juden organisiert wurden.[web:13][web:17][web:18][web:20][2] Seit der Besetzung 1977 wird das Haus als selbstverwaltetes Wohnprojekt Münze 13 genutzt und ist heute ein wichtiger Ort alternativer Wohn- und Stadtkultur in Tübingen.[web:6][web:7][web:8][web:16][web:18][3]
Geschichte des Gebäudes
[Quelltext bearbeiten]Gründung als Studentenstift und Martinianum
[Quelltext bearbeiten]Das Stipendium Martinianum wurde 1509 durch den Stuttgarter Stiftsherrn Georg Hartsesser und den Tübinger Stiftskirchenpfarrer Martin Plantsch als „Collegium Sanctorum Georgii et Martini“ gegründet, um armen Studenten ein sorgenfreieres Studium zu ermöglichen.[web:1][web:11][4][1] Ursprünglich nutzte die Stiftung einen Gebäudekomplex gegenüber dem heutigen Wilhelmsstift, bevor in der Münzgasse ein repräsentativer Neubau geplant wurde.[web:1][web:11][4][1]
Der heutige Bau in der Münzgasse 13 entstand zwischen 1662 und 1665 nach Plänen des Baumeisters Michael Beer als dreigeschossiger, verputzter Massivbau mit profiliertem Rundbogentor, Fensterrahmungen und Stockwerksgesimsen.[web:2][5] 1683 bezog die Stiftung ihren „Neuen Bau“ in der Münzgasse 13, der fortan als Collegienhaus des Martinianums diente und im universitären Umfeld auch als Neuer Bau bekannt war.[web:1][web:11][4][1]
Studentenstift und Wohnheim bis 1923
[Quelltext bearbeiten]Vom späten 17. Jahrhundert bis 1923 bot der Bau des Martinianums in der Münzgasse 13 Wohnraum für Stipendiaten und andere Studierende und war damit eines der bedeutendsten Studentenstifte Tübingens.[web:1][web:11][web:16][4][1][3] In dieser Zeit wurden über 2000 Studenten gefördert, und das Haus war ein wichtiger Ort des studentischen Lebens, an dem sich etwa im frühen 19. Jahrhundert auch Kreise der Schwäbischen Romantik um Justinus Kerner trafen.[web:11][1]
Da es im Collegienhaus keine Bediensteten gab, war das Leben im Martinianum bereits früh in hohem Maße von Selbstverwaltung und gemeinschaftlicher Organisation der Bewohner geprägt.[web:16][3] Nach dem Verlust eines großen Teils des Stiftungsvermögens infolge von Kriegen, Inflation und Währungsreform musste die Martinianums-Stiftung 1923 den eigenen Wohnheimbetrieb einstellen; das Haus ging in die Verwaltung der Studentenhilfe über, blieb aber weiterhin studentisch genutzt.[web:11][web:16][1][3]
Zwischenkriegszeit, Polizeidirektion und Gestapo
[Quelltext bearbeiten]Zwischen 1923 und 1933 wurde das ehemalige Martinianum als Studierendenwohnheim unter der Verwaltung der Studentenhilfe genutzt, bevor es im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten an die Polizei vermietet wurde.[web:16][3] Ab 1936 war im Haus Münzgasse 13 die Tübinger Polizeidirektion untergebracht, in der sich auch Außenstellen der Kriminalpolizei und der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) befanden.[web:13][web:17][2][6]
Von hier aus wurden politische Gegner verhaftet und in frühe Konzentrationslager wie den Heuberg verschleppt sowie ab 1941 die Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Tübingen vorbereitet und organisiert.[web:17][web:18][web:20][6][7][8] Insgesamt wurden nach Recherchen der Geschichtswerkstatt Tübingen 22 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Tübingen deportiert; die Münzgasse 13 gilt als einer der zentralen Orte dieser lokalen Verfolgungsgeschichte.[web:17][web:20][6][8]
Nachkriegszeit als Polizeirevier
[Quelltext bearbeiten]Nach 1945 blieb das Gebäude zunächst polizeilich genutzt: In der Münzgasse 13 war bis 1976 das Tübinger Polizeirevier untergebracht, zeitweise ging hier auch die französische Gendarmerie ein und aus.[web:8][web:16][9][3] In dieser Zeit verfiel das Gebäude zunehmend, da größere Sanierungen ausblieben.[web:16][3]
Ende 1976 zog die Polizei in ein neues Revier in der Pfleghofstraße um, womit das Haus vorübergehend leer stand und in den Fokus der Tübinger Hausbesetzer:innenbewegung rückte.[web:16][web:3][3][10]
Hausbesetzung 1977 und Entstehung des Wohnprojekts
[Quelltext bearbeiten]Bereits im Herbst 1976 kursierten in der Tübinger Studierendenschaft Überlegungen, das ehemalige Martinianum nach dem Auszug der Polizei zu besetzen, um es wieder als Wohn- und Gemeinschaftshaus für Studierende zu nutzen.[web:8][web:16][9][3] Am 27. Februar 1977 besetzten über 200 Studierende das Gebäude; ein im Vorfeld verbreitetes AStA-Flugblatt trug die Parole „Die Bullen gehen raus, wir nehmen uns das Haus!“.[web:8][web:16][web:3][9][3][10] Die Besetzung wurde nie geräumt; ein Rechtsstreit zwischen dem Studentenwerk e. V. und dem Land Baden‑Württemberg trug dazu bei, dass die Bewohner:innen im Haus bleiben konnten.[web:8][web:16][9][3]
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Münzgasse 13 zu einem selbstverwalteten Wohnprojekt, das zunächst vom Tübinger Studentenwerk e. V. als Wohnheim in Selbstverwaltung getragen wurde.[web:6][web:16][11][3] 1983 eröffnete im Erdgeschoss die Hausbar Blauer Salon, die sich schnell zu einem wichtigen nicht-kommerziellen Kulturort und Treffpunkt der Tübinger Subkultur entwickelte.[web:6][web:7][web:16][web:14][11][12][3][13]
Vom Studentenwerk zum selbstverwalteten Wohnprojekt im Mietshäuser Syndikat
[Quelltext bearbeiten]Von 1977 bis 2002 vermietete das Studentenwerk e. V. das Haus an das Wohnprojekt, wobei die Selbstverwaltung der Bewohner:innen anerkannt blieb.[web:16][3] 1998 übernahm das Studierendenwerk Tübingen‑Hohenheim als Anstalt des öffentlichen Rechts das Erbbaurecht an Grundstück und Gebäude; Versuche, die Münzgasse 13 wieder in ein reguläres Studierendenwohnheim mit befristeten Mietverhältnissen umzuwandeln, scheiterten am Widerstand der Hausgemeinschaft.[web:16][web:6][3][11]
Seit den 2010er‑Jahren planen die Bewohner:innen den Kauf des Hauses unter dem Dach des Mietshäuser Syndikats, um das Projekt langfristig als selbstverwalteten Wohn- und Kulturort zu sichern.[web:7][web:16][web:18][web:22][12][3][7][14] 2015 fasste das Hauskollektiv den Beschluss, den Kauf gemeinsam mit dem Syndikat vorzubereiten; 2021 kam es zu einer symbolischen erneuten Besetzung, um Gespräche mit Studierendenwerk und Land über die Zukunft des Hauses anzustoßen.[web:16][web:18][3][7]
2022 stimmte der Verwaltungsrat des Studierendenwerks grundsätzlich einer Veräußerung des Erbbaurechts an die Bewohner:innen zu, wobei ein tragfähiges Sanierungs- und Finanzierungskonzept Voraussetzung ist.[web:16][web:8][3][9] Im Oktober 2022 erschien es realistisch, dass die Münze 13 ein Projekt des Mietshäuser Syndikats werden könnte; die Kaufoption wurde zunächst bis Ende 2023, dann bis Ende 2024 verlängert.[web:8][web:18][9][7] Nach Angaben der Bewohner:innen laufen seitdem intensive Verhandlungen mit Land, Studierendenwerk und Stadt, begleitet von Öffentlichkeitsarbeit, Ausstellungen und Spenden‑ bzw. Direktkreditkampagnen.[web:16][web:14][web:22][3][13][14]
Heutige Nutzung
[Quelltext bearbeiten]Heute leben in der Münzgasse 13 rund 20 bis 22 Menschen unterschiedlichen Alters in mehreren Wohngemeinschaften; das Projekt versteht sich als selbstverwaltetes, nicht-profitorientiertes Wohnheim jenseits marktüblicher Mieten.[web:6][web:7][web:8][web:18][11][12][9][7] Die Hausgemeinschaft organisiert Aufnahmeverfahren, Hausversammlungen und den Alltag kollektiv und legt Wert auf solidarische, diskriminierungssensible Strukturen.[web:6][web:7][web:16][11][12][3]
Im Erdgeschoss befindet sich mit dem Blauen Salon eine seit 1983 bestehende Hausbar und Veranstaltungsfläche, in der regelmäßig Konzerte, Partys, Lesungen, politische Veranstaltungen und „Küche für alle“ (Küfa) stattfinden.[web:6][web:7][web:8][web:14][web:4][11][12][9][13][15] Die Münze 13 wird in der Tübinger Öffentlichkeit häufig als „Perle der Altstadt“ und als wichtiger Hotspot der alternativen und subkulturellen Szene beschrieben.[web:7][web:4][web:3][web:18][12][15][10][7]
Erinnerungskultur
[Quelltext bearbeiten]Auf die Rolle des Hauses als Sitz von Polizeidirektion, Gestapo und Kriminalpolizei in der NS‑Zeit weisen verschiedene Projekte der lokalen Erinnerungskultur hin, etwa der Tübinger Geschichtspfad, Stadtführungen der Geschichtswerkstatt Tübingen und eine Gedenktafel zur Polizei und Verfolgung in der Münzgasse.[web:13][web:17][web:20][2][6][8] Bewohner:innen der Münze 13 haben gemeinsam mit dem Stadtarchiv und dem städtischen Fachbereich Kunst und Kultur eine Ausstellung „Münzgasse 13 – Ein Haus mit vielen Geschichten“ erarbeitet, die sowohl die Stiftungs- und Universitätsgeschichte als auch die NS‑Zeit und die Hausbesetzung thematisiert.[web:14][web:16][13][3]
Die heutige Nutzung als selbstverwaltetes Wohnprojekt wird von Unterstützer:innen explizit auch als Umnutzung eines ehemaligen Gestapo‑Standorts in einen offenen, emanzipatorischen Ort des Zusammenlebens und der Kultur verstanden.[web:4][web:7][web:18][15][12][7]
Weblinks
[Quelltext bearbeiten]- Website des Wohnprojekts Münze 13[web:22]
- Geschichte des Hauses – Münze 13[web:16]
- Münze 13 beim Mietshäuser Syndikat[web:7]
- Münzgasse 13 (Münze) – Wohnprojekte in Tübingen[web:6]
- Wohnprojekt Münze 13 – Tag des offenen Denkmals[web:18]
- Artikel Martinianum in der Wikipedia[web:1]
- LEO‑BW: Martinianum (Münzgasse 13, Tübingen)[web:2]
- Münze 13 – bestehender Tüpedia‑Artikel (Stand: Stub)[web:8]
Einzelnachweise
[Quelltext bearbeiten]- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 Ain ewig Stipendium – 500 Jahre Martinianum in Tübingen, idw / Universitätsarchiv Tübingen, 2009, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Polizei und Verfolgung unter Nationalsozialismus, historische Markierung Münzgasse 13, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 3,10 3,11 3,12 3,13 3,14 3,15 3,16 3,17 3,18 3,19 3,20 Geschichte des Hauses, Website Münze 13, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 Martinianum, Wikipedia, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ Martinianum (Münzgasse 13, Tübingen), LEO-BW, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 6,0 6,1 6,2 6,3 Öffentliche Stadtführung zum Nationalsozialismus und zur Verfolgung von Juden in Tübingen, Geschichtswerkstatt Tübingen, 9. November 2024, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 7,4 7,5 7,6 Wohnprojekt Münze 13, Tag des offenen Denkmals, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 Geschichtspfad: Blick auf Tübingens Rolle in der NS-Zeit, Stuttgarter Zeitung, 14. Februar 2020, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 9,5 9,6 9,7 Münze 13, Tüpedia, Version vom 2. Juni 2026.
- ↑ 10,0 10,1 10,2 Die Münzgasse 13 ist besetzt!, Wohnprojekt Schellingstraße, 2020, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 Münzgasse 13 (Münze), Wohnprojekte in Tübingen, 2014, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 12,5 12,6 Münze 13, Mietshäuser Syndikat, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 13,0 13,1 13,2 13,3 Ausstellungseröffnung in der Münzgasse 13 – Ein Haus mit vielen Geschichten, RTF.1, 26. Mai 2023, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 14,0 14,1 Münze 13 – Das Tübinger Wohnprojekt in der Münzgasse 13, Startseite des Projekts, abgerufen am 3. Juni 2026.
- ↑ 15,0 15,1 15,2 Unterstützer:innen, Statements zur Münze 13, abgerufen am 3. Juni 2026.