Christophstraße

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Christophstraße
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living_streetAnliegerstraße
OberflächeAsphalt
Höchstgeschwindigkeit30 km/h
Einbahnstraßeja
Beleuchtetja
Bürgersteigbeidseitig
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Blick in die Straße von der Hechinger Straße nach Osten

Ansicht aus www.mapillary.com

Südstadtfriseur Wolfgang Knapp in der Christophstraße 10 Ecke Hechinger Straße
Christofstraße um 1912 (Schreibweise mit "f"

Die Christophstraße ist eine Straße in der Südstadt. Das westliche Drittel der Straße ist eine Einbahnstraße in Richtung Osten. Sie ist nach Herzog Christoph von Württemberg benannt, dem Sohn und Nachfolger von Herzog Ulrich.[1]


Verlauf[Bearbeiten]

Sie verläuft parallel zur Eugenstraße von der Steinlach aus über die Hechinger Straße bis zur Eberhardstraße am LTT. Sie ist etwa 375 m lang.


Gewerbe[Bearbeiten]

(nach Hausnummern geordnet):

  • 1: Beginenstiftung
  • 3: Immobilien Kurcz
  • 9: Schuhmacherei Böhnisch
  • 10: Familien-Bildungstätte Tübingen, Christoph-Eck
  • 10: Friseursalon Wolfgang Knapp
  • 22: Tobias Magnus Baur Dipl.-ing. (FH), freier Designer (agd)
  • 23: Frisör Oase
  • 23: HiFi Viertel [1]
  • 30: Rechtsanwaltskammer Tübingen
  • 30/1: Odenwald & Guckes Krankengymnastik[2]
  • 32: Gesellschaft für Internationalen Kulturaustausch mbH

Stolpersteine[Bearbeiten]

Mit Stolpersteinen in Tübingen erinnert der Künstler Gunter Demnig an das Schicksal der Menschen, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden:

Adresse Person(en) Inschrift mit Ergänzungen Verlegedatum Bilder Anmerkung
Christophstraße 1


Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1.JPG

Spiro, Edwin Edwin Spiro (* 10. Mai 1903; gest. 10. März 1943 in Auschwitz) wuchs in der Tübinger Christophstraße auf und wurde nach mehreren Wohnortswechseln in Cannstatt ein erfolgreicher Versicherungsbeamter, der sich ein Auto mit Chauffeur leisten konnte. Er wurde am Samstag, den 21. November 1935, eine Woche, nachdem eine Ausführungsverordnung zum sogenannten „Blutschutzgesetz“ erlassen worden war, durch einen Fellbacher Polizei-Oberkommissar und Polizeiwachtmeister in der Fellbacher August-Brändle-Straße verhaftet. Das Stuttgarter Landgericht verurteilte ihn am 28. Januar 1936 zu sechs Monaten Gefängnis, weil ihm zur Last gelegt wurde, dass er gegen das „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ verstoßen habe, laut dem „außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes“ verboten war.[2] „Der Angeklagte unterhielt seit Herbst 1932 als Volljude ein Liebesverhältnis mit einer verheirateten Frau deutschen Blutes in Fellbach und setzte dieses auch nach Erscheinen des Gesetztes gegen Rassenschändung fort,“ hieß es dazu im Bericht im Schwäbischen Merkur vom 29. Januar 1936.[3]

In der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 wurde Edwin Spiro erneut verhaftet und ins KZ Welzheim verschleppt, wo er bis 31. Januar gefangen gehalten wurde. Am 20. Februar 1942 wurde er zum dritten Mal verhaftet und im KZ Welzheim gefangen gehalten, bis er am 2. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert wurde, wo er am 10. März 1943 umgebracht wurde. Im Rahmen der sogenannten Wiedergutmachung hat die Bundesrepublik Deutschland seiner Frau 3900 DM für erlittene Freiheitsentziehung und 3540 DM für Schaden im beruflichen Fortkommen ausgezahlt.[2]

25. November 2011 Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1 - Familie Spiro.JPG
Christophstraße 1


Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1.JPG

Spiro, Elfriede Elfriede Spiro (* 21. April 1894 in Bad Dürkheim; für tot erklärt am 23. Januar 1943 in Auschwitz) besuchte in Tübingen die Höhere Töchterschule. Nach dem Tod ihrer Mutter führte den Haushalt ihres Vaters, Ludwig Spiro, bis dieser am 23. März 1941 starb. Am 20. August 1942 wurde sie in Tübingen verhaftet und in das Sammellager auf dem Stuttgarter Killesberg verschleppt. Von dort aus wurde sie zwei Tage später nach Theresienstadt deportiert. 1943 kam sie nach Auschwitz, wo sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft umgebracht wurde.[4] 25. November 2011 Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1 - Familie Spiro.JPG
Christophstraße 1


Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1.JPG

Spiro, Hans Hans Spiro (* 15. Juli 1898 in Landau in der Pfalz; gest. 19. März 1943 in Auschwitz) wurde mit seiner Schwester Elfriede Spiro in der Stuttgarter Stiftskirche evangelisch getauft, als sein Vater, Ludwig Spiro, zum evangelischen Glauben konvertierte. Er begann in Tübingen eine Lehre als Bankkaufmann, die er während des Ersten Weltkriegs unterbrechen musste. 1916 wurde er an die Westfront eingezogen. Nachdem er schwer verwundet worden war, kam er zur Passzentrale im französischen Lille, wurde aber in den letzten Kriegsmonaten noch einmal an die Front eingezogen. Nach dem Krieg schloss er seine Bankausbildung ab und arbeitete erst als Bankangestellter in Tübingen, später als Prokurist.

1923 heiratete er in Bochum die Christin Klara Teckemeyer und bekam mit ihr die Tochter Liselotte. Nachdem er 1936 Berufsverbot erhielt, arbeitete er illegal als Buchhalter bei der Straßenbaufirma Wilhelm Hahn in Tübingen, als Reklamefachmann in Reutlingen und als Werbefachmann beim Reutlinger Generalanzeiger. Während der Reichspogromnacht am 10. November 1938 wurde Hans Spiro festgenommen und nach Dachau verschleppt, wo er etwa einen Monat festgehalten wurde. Mitte Dezember 1938 kehrte er kurzgeschoren und abgemagert aus Dachau nach Tübingen zurück. Im November 1939 wurde Hans Spiro erneut verhaftet und zuerst in Tübingen, dann in Stuttgart ins Gefängnis gebracht, aus dem er er wieder frei kam. Am 4. Dezember 1942 wurde Spiro zum dritten Mal verhaftet und ins KZ Welzheim verschleppt. Von dort wurde er am 27. Januar 1943 weiter nach Auschwitz deportiert, wo er am 19. März 1943 umgebracht wurde.[4]

25. November 2011 Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1 - Familie Spiro.JPG
Christophstraße 1


Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1.JPG

Spiro, Lieselotte Lieselotte Spiro (* 1924) war eine Tochter von Ludwig Spiro. Im Sommer 1939 wurde sie mit einem Kindertransport der Jüdischen Kultusgemeinde Stuttgart nach Südengland in Sicherheit gebracht, wo sie in Bournemouth auf ein Internat ging. Sie verbrachte den Rest ihres Lebens in England.[4] 25. November 2011 Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1 - Familie Spiro.JPG
Christophstraße 1


Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 1.JPG

Spiro, Ludwig Dr. Ludwig Spiro studierte in Tübingen und München und wurde 1897 zum Doktor der Philosophie promoviert. Als Gymnasialprofessor unterrichtete er zuerst in Tübingen, später in Schwäbisch Gmünd Latein und Französisch. Er konvertierte am 6. Januar 1902 in Stuttgart zum evangelischen Glauben, aber seine Frau Jertha (gest. 1929) behielt ihr Leben lang ihren jüdischen Glauben bei. Er war der Vater von Hans und Elfriede Spiro

Ludwig Spiro war ein renommierter Goethe-Forscher und besaß eine überregional bekannte Goethe-Bibliothek. Im Jahr 1939 schloss ihn die Weimarer Goethe-Gesellschaft, der er seit Studententagen angehörte, aus. Als letzter Gasthörer wurde ihm, nachdem es schon keine immatrikulierten jüdischen Studenten mehr in Tübingen gab, nach dem Sommersemester 1940 auch das Betreten der Tübinger Universität untersagt. Sein Tod nach langer Krankheit am 23. März 1941 ersparte ihm die Deportation. Sofort nach seinem Tod wurde seine Wohnung versiegelt und seine umfangreiche Bibliothek versteigert.[4]

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Christophstraße 15


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Löwenstein, Emil Emil Löwenstein[5] 25. November 2011 Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 15 - Familie Löwenstein.JPG
Christophstraße 15


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Löwenstein, Karoline Karoline Löwenstein[5] 25. November 2011 Stolpersteine in der Tübinger Christophstraße 15 - Familie Löwenstein.JPG


Quellen[Bearbeiten]

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_(W%C3%BCrttemberg)
  2. 2,0 2,1 Rainer Redies: Edwin Spiro: Rassenschande in Fellbach.
  3. Schwäbischen Merkur vom 29. Januar 1936, On-line Digitalisat.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Andrea Hoffmann: Es wurde uns jetzt zur Gewissheit?. Die Todesanzeige für Hans Spiro. In: Zerstörte Hoffnungen. Wege der Tübinger Juden. Hrsg. von der Geschichtswerkstatt Tübingen. Tübingen 1995 (Beiträge zur Tübinger Geschichte, Bd. 8). S. 397–400. Zitiert in Zeichen der Erinnerung.
  5. 5,0 5,1 Peter Steinle: "26 Stolpersteine für Opfer des Nationalsozialismus in Tübingens Südstadt. Gunter Demnigs Kunst gilt als weltgrößtes dezentrales Mahnmal. Pressemitteilung der Evangelischen Landeskirche Württemberg vom 25. November 2011.


So sieht's der Vogel[Bearbeiten]

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