Carlo Schmid

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Carlo Schmid 1958, Quelle
Unterschrift von Carlo Schmid

Carlo Schmid (* 3. Dezember 1896 in Perpignan/Frankreich; † 11. Dezember 1979 in Bad Honnef) war ein deutscher Politiker und Staatsrechtler. Er zählte zu den wichtigsten Persönlichkeiten der SPD in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte.

Schmid war als Student, Assistent und Professor an der Universität Tübingen tätig. Er trat nach dem 2. Weltkrieg in die SPD ein. Er war Abgeordneter im Landtag von Württemberg-Hohenzollern, 1945-47 erster Regierungschef dieses Landes und von 1949 bis 1972 Abgeordneter (für den Wahlkreis Mannheim I) im Bundestag, wo er fast durchgehend auch dessen Vizepräsident war. Bei der Entwicklung des Grundgesetzes im Bonner Parlamentarischen Rat 1948/49 (als Vorsitzender der SPD-Fraktion), am Godesberger Parteiprogramm 1959 und in den Wahlkämpfen der SPD auf Bundesebene der 60er Jahre - im Team um Willy Brandt - war Carlo Schmid maßgeblich beteiligt. Neben Weiterem war er auch Kandidat für das Bundespräsidentenamt 1959, drei Jahre Bundesminister der ersten Großen Koalition 1966-69 und langjähriger Koordinator der deutsch-französischen Beziehungen. 1953-66 hatte er eine Professur für Politische Wissenschaft an der Uni Frankfurt.

Beziehung zu Tübingen[Bearbeiten]

Nach dem 1. Weltkrieg absolvierte Carlo Schmid ab 1919 ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Eberhard Karls Universität Tübingen, das er 1921 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach dem Referendariat legte er 1924 das zweite Staatsexamen ab. 1923 erfolgte mit der Arbeit Die Rechtsnatur der Betriebsvertretungen nach dem Betriebsrätegesetz seine Promotion zum Doktor juris.

Er ließ sich zunächst als Rechtsanwalt in Reutlingen nieder, trat aber schon 1925 als Gerichtsassessor in den Justizdienst des Landes Württemberg ein. Von 1927 bis 1931 war er Richter am Amtsgericht und später Landgerichtsrat in Tübingen.

Von 1927 bis 1928 war er für eine Tätigkeit als Referent am Kaiser-Wilhelm-Institut für ausländisches Öffentliches Recht und Völkerrecht in Berlin beurlaubt. 1929 erfolgte an der Universität Tübingen, wo er seit 1930 als Privatdozent tätig war, seine Habilitation mit einer Arbeit über die Rechtsprechung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes.

Zur Zeit der französischen Besatzung trat Schmid im Oktober 1945 an die Spitze der provisorischen Regierung (Präsident des „Staatssekretariats für das französisch besetzte Gebiet Württembergs und Hohenzollerns“). Gleichzeitig übernahm er das Amt des Landesdirektors für das Unterrichtswesen und die kulturellen Angelegenheiten in der von der französischen Militärregierung eingesetzten Landesverwaltung.

Ab 9. Dezember 1946 war Schmid Justizminister von Württemberg-Hohenzollern, dessen Hauptstadt Tübingen war, und bis zum 8. Juli 1947 übte er gleichzeitig die Funktion des Staatspräsidenten aus. Nach den Landtagswahlen 1947 war Carlo Schmid bis 12. August 1948 stellvertretender Staatspräsident und behielt bis zum 1. Mai 1950 das Amt des Justizministers in der von Lorenz Bock (CDU) bzw. dessen Nachfolger Gebhard Müller geführten Staatsregierung dieses Landes, das er auch beim Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee vertrat.

1945 bildete Schmid auch einen Arbeitsstab, der an der Wiedereröffnung der Universität Tübingen maßgeblich beteiligt war. Schmids Verdienst war die Berufung von z.B. Romano Guardini, Wilhelm Weischedel, Eduard Spranger, Alfred Kühn oder dem Chemie-Nobelpreisträger Adolf Butenandt an die Universität. Die Universität verdankt ihm außerdem eine nicht willkürlich vorgenommene Entnazifizierung. In den Jahren 1946 bis 1953 wirkte er als Professor für Öffentliches Recht in Tübingen. 1953 folgte er dem Ruf der Goethe-Universität in Frankfurt am Main auf den Lehrstuhl für Politische Wissenschaft.

Grab auf dem Stadtfriedhof

1949 gründete Schmid in Tübingen unter Mithilfe des Politologen Theodor Eschenburg gemeinsam mit dem ehemaligen Hauptabteilungsleiter der Reichsjugendführung Heinrich Hartmann und dem französischen Besatzungsoffizier Henri Humblot den Internationalen Bund (IB) (heute in Mainz), der nach dem Vorbild des Freiwilligen Arbeitskreises Jugendlichen eine Chance zur Weiterbildung ermöglichen soll.[1]

In Tübingen wohnte er bis 1954 in seinem Haus in der Goethestraße 17, Ecke Untere Schillerstraße, das 1925 von den Architekten Wägenbaur & Weidle im Bauhausstil entworfen wurde.[2]

Am 8. Januar 1977 wurde Carlo Schmid zum Ehrenbürger der Stadt Tübingen ernannt. [3]

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Carlo Schmid in Orscheid, einem Ortsteil von Aegidienberg bzw. der Stadt Bad Honnef bei Bonn.[4]

Er wurde auf dem Tübinger Stadtfriedhof mit einem Staatsbegräbnis beigesetzt. 1989 wurde nach ihm das Carlo-Schmid-Gymnasium benannt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. carlo.schmid-stiftung.de
  2. Udo Rauch, Antje Zacharias (Hg.): Sieben Jahre Landeshauptstadt. Tübingen und Württemberg-Hohenzollern 1945 bis 1952. Universitätsstadt Tübingen, Kulturamt, 2002, Seite 152
  3. www.tuebingen.de/11/1336.html
  4. Artikel in Wikipedia

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Setzler (Hg.): Reden und Aufsätze von und über Carlo Schmid, 1896-1979: eine Kostprobe zum 100. Geburtstag. Kulturamt der Stadt Tübingen, 1996 (Kleine Tübinger Schriften;19)