Altstadtsanierung

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Die Altstadtsanierung in Tübingen war eine Bauperiode in den 1970er und 1980er Jahren, in der alte Fachwerkhäuser renoviert wurden und Baulücken in der Altstadt durch Gebäude in einem an die Umgebung angepassten Stil geschlossen wurden. In dieser Zeit wurde die Altstadt teilweise zur Fußgängerzone. Die Wohnqualität sollte durch Modernisierung der Bausubstanz deutlich verbessert und an moderne Standards herangeführt werden, ohne die erhaltenswerten Eigenheiten der mittelalterlichen Gebäude, ihre Fassaden, kleinen Parzellen und die Mischung von (Klein-)Gewerbe und Wohnnutzung zu zerstören. Das Konzept wurde maßgeblich durch Andreas Feldtkeller, den Leiter des Sonderamtes für Altstadtsanierung und später des Stadtsanierungsamtes, beeinflusst. Sein Artikel in der Zeitschrift "die Alte Stadt" von 1985 gibt die Überlegungen der Tübinger Herangehensweise an die Sanierung gut wieder.[1]


Altstadtsanierung in den 1980er Jahren in der Langen Gasse schräg gegenüber vom Stern - rechts das Modehaus Bleckmann von hinten (heute H & M), noch ohne rückseitigen neuen Anbau
Altstadtsanierung: Hirschgasse/Lammhof (?)
Ans Altstadtbild angepasste Neubauten an der Metzgergasse, Anfang 1980er Jahre (rechts Geschäft bero)
Eine heutige Inschrift an dem hinteren Trakt des Modehauses Bleckmann/H&M zur Langen Gasse hin (vgl. Foto ganz oben), der neu, aber mit Fachwerk gebaut wurde: O Denkmalamt - O Sonderamt !
Datum aber unbekannt. Möglicherweise beklagte sich damit der Hausbesitzer über enge Vorschriften der Stadtbildsatzung.
Sanierung eines Fachwerkhauses am Kleinen Ämmerle in der Unterstadt (2025)

„Als Lazarettstadt fast ohne Industrie hatte Tübingen das Glück, dass seine mittelalterlich geprägte Altstadt im 2. Weltkrieg nahezu unzerstört blieb. Dem in anderen Städten folgenden „modernisierenden“ Kahlschlag zugunsten autogerechter Innenstädte standen in Tübingen außerdem strukturelle Gründe entgegen: kleinteiliger Grundbesitz und eine hohe Wohnnutzung der alten Gebäude. Eine geplante „Querspange“ vom Lustnauer Tor zum Haagtor konnte durch das Denkmalamt verhindert werden. Auf dieser Grundlage entwickelte Tübingen ein Sanierungskonzept, das beispielhaft wurde. Wichtigstes Ziel neben der denkmalgerechten Renovierung und Rekonstruktion der alten Bausubstanz war die Erhaltung der „altstadt-typischen“ Nutzungsmischung von Wohnen, Handel, Handwerk und Kultur. Eine breite öffentliche Diskussion im Vorfeld, Überzeugungsarbeit und sozialplanerische Begleitung bewirkten eine hohe Akzeptanz von Sanierungsauflagen und Unbequemlichkeiten. Bewohner wurden durch Baumaßnahmen nicht entmietet, sondern (vorübergehend) in Ersatzwohnungen umgesetzt. Ende 1971 wurde Tübingen in das Stadtsanierungsprogramm der Bundesregierung aufgenommen. Verkehrsberuhigung (große Fußgängerzone), Entkernung von Hinterhöfen, neue Wegebeziehungen, öffentliche und halböffentliche Plätze, die Öffnung des Ammerkanals zu einem Wasserlauf verbesserten die Aufenthalts- und Wohnqualität und machten die Altstadt auch zu einem touristisch beliebten Flanierzentrum. Über die Sanierungsperiode und den Denkmalschutz hinaus wirkende Instrumente zum Schutz des Stadtbilds und der Stadtstruktur sind die Stadtbildsatzung (Vorschriften für Fenster, Läden, Dachdeckung, Werbeanlagen) und ein Bebauungsplan „Altstadtgebiet“ (Nutzungsänderung oberhalb des ersten OG nur zugunsten von Wohnen).“ [2]

Auszug aus dem Rahmenplan zur Altstadtsanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgabe der Sanierung ist es, die Lebens-, Wohn- und Arbeitsverhältnisse im Sanierungsgebiet zu verbessern. Hierzu gehört vor allem das Nebeneinander von Wohnen und einer Vielfalt von gewerblichen und kulturellen Tätigkeiten. Das Sanierungsgebiet nimmt überörtliche Versorgungsaufgaben wahr. Die Erhaltung von Handwerksbetrieben ist erwünscht. Die Universität soll ihre historischen Gebäude in der Altstadt weiter nutzen. Ein Ersatz alter Gebäude durch Neubauten soll nur in begründeten Ausnahmefällen vorgenommen werden. Die Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnraums dürfen im Interesse einer ausgewogenen Sozialstruktur nicht dazu führen, dass ansässige Bevölkerungsgruppen, seien es Alte, Kinderreiche, Ausländer oder Studenten, hinausgedrängt werden. Durch die Festlegung von Geschossen, die nur Wohnzwecken dienen dürfen, soll erreicht werden, dass die Bewohner der Altstadt erhalten bleiben. Öffentliche kulturelle und soziale Einrichtungen sind mit Vorrang in historischen Gebäuden unterzubringen. Das Angebot an Wohnfolgeeinrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen, Schülerhorte, Jugendhäuser, Altenzentren und Sozialstationen ist zu erweitern. Der Fahrverkehr ist soweit wie möglich aus dem Innern des Gebiets herauszunehmen und, wie auch größere Parkierungsanlagen, an seinen Rand zu verlagern .. Fußgängerzonen sind zu schaffen und ihre Andienung ist auf bestimmte Tageszeiten zu beschränken.

Eugen Schmid: Altstädtische Urbanität heute und morgen, Erfahrungen eines Kommunalpolitikers, in "Die alte Stadt" 3/1999, S. 210 ff.[3]


Größere Maßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

bitte ergänzen

Führungen zur Altstadtsanierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Tod Andreas Feldtkellers im August 2024 taten sich einige seiner früheren Weggefährten und Kolleg:innen bei Altstadtsanierung & Südstadtentwicklung zusammen und boten im Mai 2025 Führungen dazu an, unterstützt vom schwäbischen Heimatbund.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. PDF-Netzversion des Artikels "Altstadtsanierung - zum Beispiel Tübingen", in "Die Alte Stadt" 1985/2, S. 195 ff
  2. Architekturführer Tübingen. Neue Architektur im Landkreis Tübingen 1901-2001. (Hrsg.: Architektenkammer Baden-Württemberg, Kammergruppe Tübingen ... Texte und Red.: Ulrike Pfeil ...). - Tübingen: Bund Dt. Architekten, Kreisgruppe Neckar-Alb, 2002
  3. Eugen Schmid: Altstädtische Urbanität heute und morgen, Erfahrungen eines Kommunalpolitikers, in "Die alte Stadt" 3/1999, S. 210 ff. - Im Netz gefunden bei forumstadtverlag.de
  4. Verwaltungsbericht Tübingen 1975-1981


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]