Ödenburg

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Ödenburg

Die Ödenburg ist eine abgegangene Spornburg zwischen Tübingen und Hirschau. Der östliche Abhang des Burgbergs beheimatete 1907 bis 1919 einen Tiergarten. Inzwischen ist das Gebiet direkt westlich davon ein Naturschutzgebiet.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Ödenburg liegt etwa 2 km östlich von Hirschau auf dem Bergsporn Spitzberg (427 m ü. NHN) des gleichnamigen Höhenzugs Spitzberg (474,4 m ü. NHN). Von der Gipfelregion des bewaldeten Bergsporns senkt sich sein von dort an besonders markanter Hauptarm (419 m ü. NN)[1] zunächst ein Stück weit nach Südosten herab, um nach einer leichten Einsenkung ein schmales Plateau zu bilden, von dort nach Süden zur einer Höhe von 407,3 m ü. NHN hohen Stelle überzuleiten und dann steil zum Neckar hin abzufallen. Vor Ort liegt das Naturschutzgebiet Spitzberg-Ödenburg.

Beschreibung[Bearbeiten]

Von der Ödenburg ist heute kaum mehr etwas zu sehen. Nur das Bodenprofil lässt noch etwas von der verschwundenen Anlage erahnen, vor allem eine von Büschen und Bäumen überwucherte Erhebung, die durch einen verwitterten Gedenkstein als Ort der Ödenburg kenntlich gemacht ist.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Ursprünge der verschwundenen Burganlage gehen in frühmittelalterliche Zeit zurück. Sie liegt unmittelbar an der weit zurückreichenden politischen Grenze zwischen hohenbergischem (später vorderösterreichischem) und Tübinger (später württembergischem) Territorium und sollte wahrscheinlich der Sicherung dieser Grenze von Tübinger Seite aus dienen. So zerstörte Albrecht von Hohenberg die Ödenburg im Jahr 1291. Der Böblinger Götz (Gottfried I. Graf von Böblingen und Pfalzgraf von Tübingen) hat sie im folgenden Jahr wieder aufgebaut, aber anscheinend mehr als Trotzreaktion als zu einem wirklichen Nutzen. Denn schon zwanzig Jahre später, im Jahr 1310 erscheint die Oedenburg wirklich verödet[3] und diesmal endgültig verlassen.[4] Im 16. Jahrhundert ist noch von einem „alten Gemäuer, die Ödenburg genannt“ die Rede.[5] Bereits 1593 heißt es dann jedoch, von der Ödenburg sei kein Stein mehr übrig.[6]

Die Ödenburg in der Dichtung[Bearbeiten]

Ludwig Uhland konstatierte, dass sich von der Ödenburg nur der Flurname erhalten habe: „Eine Halde am Spitzberg heißt in Urkunden, Lagebüchern und noch gewöhnlich die Ödenburg. Das althochdeutsche Adjektiv „ôdi“, öde, bedeutet leer, verlassen… So mag Ödenburg heißen: zur öden, verlassenen, aufgegebenen Burg.[7] Von dem schrofferen, engeren Berge mochten die Tüwinge[8] auf einen andern, bequemeren, auf die Stelle des jetzigen gezogen sein, ihre vormalige Burg war nun die verlassene, vereinsamte geworden. Man findet auch nirgends ihrer urkundlich gedacht, kein Dienstmann der Tübinger Pfalzgrafen ist von Ödenburg genannt, nur der zerschnittene Rücken des Spitzbergs gibt noch Zeugnis von der vormaligen Burgfeste“.[9]

Friedrich Hölderlin beschrieb vermutlich die Ödenburg in seinem Gedicht „Burg Tübingen“:[10][11][2]

„Still und öde steht der Väter Feste,
Schwarz und moosbewachsen Pfort' und Turm,
Durch der Felsenwände trübe Reste
Saust um Mitternacht der Wintersturm, …“

Ausflugsziel[Bearbeiten]

Überreste vom Tiergarten (2010)
An der Ödenburg (Karte von 1911)

Für die Tübinger Bevölkerung und namentlich auch für die Studentenschaft war die Ödenburg früher ein beliebtes Ausflugsziel. Am östlichen Hang unterhalb davon betrieb von 1907 bis 1914 Eugen Mannheim einen privaten Tiergarten mit einem angegliederten Gastronomiebetrieb im dort noch erhaltenen Gebäude. Nördlich der Ödenburg wurde bis 1992 ein beliebtes Sommercafé, das „Wald-Café Spitzberg“ mit schöner Aussicht betrieben. Heute ist es ein privater, nicht öffentlich zugänglicher Skulpturenpark eines Künstlers.

Wenn man von Tübingen heraufkommend die Höhe des Spitzbergs erreicht hat und eine Weile den Bogen und Windungen des Sträßchens gefolgt ist, nimmt man schließlich einen kleinen Weg, der sich links in den Wald hinabschlängelt. Er führt am Ende auf das Plateau der Ödenburg. Bevor man zu dem kegelartigen Fundament der verschwundenen Hauptburg[12] mit dem oben erwähnten Gedenkstein gelangt, lädt eine Bank mit eisernem Jugendstiltisch (die Marmorplatte ist abhanden gekommen) zum Verweilen ein.

Früher gab es laut Karte von 1911[1] eine direkte Fußwegverbindung von der Bergspitze zum ehemaligen Tiergartengelände mit den heutigen Häusern. Diese ist jedoch heute völlig verwachsen und nicht mehr begehbar. Man kann allenfalls ohne Weg den rutschigen Waldhang hinuntergehen, was natürlich nicht zu empfehlen ist. 1911 wurde in Richtung Süden vom damaligen Verschönerungsverein auch ein steiler, kurviger Pfad angelegt, der vom Berg ins Neckartal führt.[1] Dieser ist aber heute in sehr schlechtem Zustand, und man kann auf ihm nur über einen größeren Umweg durchs Tal zum Ziel "ehemaliger Tiergarten" gelangen... (Der "normale" Weg dorthin ist der Abstecher von der Neckartal-Straße oder dem Hennentalweg aus.)

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 Karte der Oedenburg (Ödenburg), in Tübinger Blätter, 1911, auf commons.wikimedia.org
  2. 2,0 2,1 Ernst Mögel: Hölderlins „Burg Tübingen“ – ein Gedicht über die Ödenburg, auf tuepedia.de
  3. Karl Klüpfel und Max Eifert: Oedenburg (Ödenburg), in Beschreibung der Stadt Tübingen, Bd. 1, 1849, S. 60.
  4. Gerhard Wein: Mittelalterliche Burgen auf dem Ammerberg. In: Der Spitzberg bei Tübingen. Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-Württembergs, Bd. 3, 1966, a.a.O. S. 3f.
  5. Gerhard Wein: Mittelalterliche Burgen auf dem Ammerberg, Bericht des Amtes Tübingen von 1535, a.a.O., S. 5
  6. In Annales Suevici (Schwäbische Annalen) von Martin Crusius. (nach Rudolph Moser, Vollständige Beschreibung von Württemberg…, Ein geographisch-statistisch-topographisches Hand- und Hausbuch…, 2. Bd., Stuttgart 1843, S. 473).
  7. Wenn Uhland hier (wie auch die meisten heutigen Heimatforscher) annimmt, die Ödenburg hätte ihren Namen erst erhalten, nachdem sie „verödet“ war, so ist dies keineswegs zwingend. Angesichts ihrer einsamen Lage könnte es sich durchaus auch um den Originalnamen handeln. (nach einem Hinweis bei Jürgen Sydow, Geschichte der Stadt Tübingen, 1. Teil: Von den Anfängen bis zum Übergang an Württemberg 1342, Tübingen 1974, S. 120, Anm. 13).
  8. Tüwinge und Tuwinge: moderne romantische Bezeichnungen für die Vorfahren der Tübinger Pfalzgrafen
  9. Uhlands Schriften zur Geschichte der Dichtung und Sage, Bd. 8, 1873, S. 596 (Nachträge, Nr. 7: Ödenburg).
  10. Hölderlin: Sämtliche Werke, Im Auftrag des Württembergischen Kultusministeriums hg. von Friedrich Beißner, Adolf Beck u. a., Stuttgarter Ausgabe 1943–1977, Bd. 1, S. 101–103.
  11. Sämtliche Werke. Historisch-kritische Ausgabe, Hg. von D. E. Sattler u. a., Frankfurter Ausgabe, 1975 ff, Bd. 2 (Lieder und Hymnen), S. 11–24 (samt Faksimile des Manuskripts)
  12. Außer der Hauptburg gab es eine weiter zum Hang hin gelegene Vorburg (siehe den Lageplan bei Gerhard Wein, Mittelalterliche Burgen auf dem Ammerberg, a.a.O. S. 4).

Weblinks[Bearbeiten]