Schloss Hohentübingen

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Die Hinweise passen zur Schräg-Ansicht des Luftbilds.


Hohentübingen aus der Luft

Das Schloss Hohentübingen prägt das Gesicht der Stadt durch seine Lage auf einem in Ost-West-Richtung verlaufenden Höhenrücken des Spitzberges über der Altstadt.

Was ist im Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schloss und in seinen Türmen sind ein Teil der Universität - unter anderem das Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft und die Klassische Archäologie - sowie das Museum Schloss Hohentübingen ("Alte Kulturen") untergebracht. Das Museum versammelt alle denkmalorientierten Wissenschaften der Uni, deren Institute [1] [2] hier auch angesiedelt sind, mit ihren Lehrsammlungen: Ur- und Frühgeschichte, Altorientalistik, Münzen etc. (siehe auch unten bei 1997). Neben den ständigen Ausstellungen gibt es Wechselausstellungen aktueller Forschungsergebnisse und Projekte sowie Mischausstellungen mit Exponaten moderner Künstler.[3]. Außerdem befindet sich die evangelische Schlosskirche im Südflügel. Seit 2023 gibt es draußen auf der Ostbastion das Café Musée (in den Sommermonaten zu den Museums-Öffnungszeiten).

Besonderheiten & Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Untere Tor zum Schloss aus dem Jahr 1607 ist besonders eindrucksvoll geschmückt. Es wurde 2009 restauriert. Davor liegt der sogenannte Bärengraben.[4]
  • Der Nordostturm des Schlosses ist der kartographische Mittelpunkt Württembergs - hier beginnt die Zählung der Koordinaten in alle Richtungen. Nicht zu verwechseln mit dem geographischen Mittelpunkt Baden-Württembergs im Elysium.
  • Der Blick ins Neckartal und auf die Altstadt zeigt die strategisch günstige Lage auf dem Sattel zwischen Ammer- und Neckartal.
  • Durch den Westflügel führt ein Treppendurchgang hinauf zum oberen Garten bei der "Kalten Herberge" und dem Haspelturm. Von hier hat man die schönsten Ausblicke. Vom westlichen Innenhof gelangt man auch durch zwei aufeinanderfolgende enge, längere Tunneldurchgänge zum Fuß des Haspelturms, um den herum man zur Mauer westlich des Schlosses beim "Schänzle" kommt. Über diese nur tagsüber (7 bis 20 h) geöffneten Wege ist somit eine Durchquerung des Schlosses möglich.
  • Im Schloss befindet sich eine Behindertengerechte Toilette.
    Detaillierte Informationen über barrierefreie Zugänge und Einrichtungen im Schloss von Sozialforum Tübingen e.V.: Hier
  • Seit 2018 bietet die Stadt für Gehbehinderte kostenlose Taxi-Fahrten zum Schloss an: Hier


Panorama des Schlosses Höhentübingen von der Nordseite (2021).jpg
Nordseite des Schlosses

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1078: In einem Schriftstück über die vergebliche Belagerung durch Truppen König Heinrichs IV (1050 - 1106) wird Schloss Tübingen erstmals als castrum Tuibingensis (auch castrum twingia) erwähnt. Graf Hugo von Tübingen war damals Besitzer des Schlosses. Schon 1188 ist die Johanneskapelle auf dem Burgberg erwähnt. Sie war somit die älteste urkundlich bekannte Kirche Tübingens.
  • 1301: Aus Geldmangel sind die Grafen von Tübingen gezwungen, Burg und Stadt an das Kloster Bebenhausen zu verpfänden.
  • 1342: Hohentübingen wird von Pfalzgraf Götz von Tübingen mitsamt Stadt an die Grafen von Württemberg verkauft.
  • Der Gründer der Tübinger Universität Graf Eberhard im Bart wohnt für eine gewisse Zeit auf der Burg. Er wird 1495 Herzog und stirbt 1496 auf Hohentübingen.
  • 1507 bis 1606: zahlreiche Umbauten des Schlosses. Die Anlage erhält ihr heutiges vierflügeliges Aussehen im Renaissancestil.
  • 1507 bis 1519: Herzog Ulrich lässt um die Burg etappenweise eine Befestigungsanlage mit Gräben und den vier Ecktürmen errichten.
  • 1519 bis 1534: Unter den Österreichern erfolgt - nach erfolgreicher Vertreibung Ulrichs - der Ausbau des Südflügels.
  • 1534: Herzog Ulrich erobert die Burg zurück und führt bis 1550 den Bau der Vierflügelanlage und damit die Umgestaltung zu einem Renaissanceschloss zu Ende. Die alte Burg wird dabei fast vollständig abgerissen. Die Kapelle wird in den Südflügel integriert.
  • 1548: Zur Aufnahme von Nahrungsmittelreserven für Belagerungen wird ein großes Fass errichtet, das 840.000 Liter fassen konnte. Dieses existiert noch heute und ist angeblich (nach dem in Heidelberg) das zweitgrößte der Welt, aber zum Schutz der in dem Keller lebenden Fledermäuse i.d.R. nicht mehr zu besichtigen.
  • 1550 bis 1568: Zahlreiche Innenausbauten unter Herzog Christoph.
  • 1593 bis 1606: Herzog Friedrich I. lässt im Westen die große Bastion errichten.
  • 1606/07: Das Untere Schlosstor im Stil der Renaissance und in der Grundform eines antiken Triumphbogens entsteht (Entwurf Baumeister Heinrich Schickhardt).
  • 17. Jahrhundert: Zahlreiche Belegungen und Belagerungen des Schlosses.
  • 1647: Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wird der südöstliche Eckturm von französischen Belagerern gesprengt. Er wird nicht wieder aufgebaut, wodurch die Ost- und Eingangsseite ihre symmetrische Form als doppeltürmige Fassade einbüßt.
  • 1667: Als Ersatz für den runden Eckturm und als Bastionsbau wird der niedrigere Fünfeckturm mit Pyramidendach errichtet.
  • 18. Jahrhundert: Die Anlage verliert stark an Bedeutung. Sie ist militärisch nicht mehr der Technologie angepasst und dem fürstlichen Hof auch nicht mehr repräsentativ genug.
  • 1752 Ein astronomisches Observatorium wird im Nordost-Turm errichtet. Hier wirkt ab 1798 J.G. Friedrich Bohnenberger als Professor. Er baut eine völlig neue Landesvermessung für Württemberg mit dem Schlossturm als Mittelpunkt auf und macht sich auch als Erfinder des Gyroskops, eines Elektroskops und des Reversionspendels einen Namen. Die Sternwarte bestand in Teilen noch bis 1955, als eine neue in der Nordstadt gebaut wurde.
Katasterplan von 1819
  • 1816 wird die komplette Anlage der Tübinger Universität überlassen. Es kommt zu zahlreichen Umbauten, wie z.B. die Entfernung der hofseitigen Laubengänge oder kleinere Umbauten an dem Südflügel und dessen Galerie.
  • 1818 entsteht in der ehemaligen Schlossküche ein chemisches Laboratorium. Hier arbeitet u.a. der Begründer der Biochemie und Entdecker des Hämoglobins Felix Hoppe-Seyler [1]. Im Jahre 1869 isoliert dort dessen Schüler, der aus der Schweiz stammende Mediziner Friedrich Miescher (1844 - 1895), erstmals die menschliche Erbsubstanz (Nucleinsäuren), ohne ihre Funktion bereits ganz zu verstehen.
  • 1821 entsteht im Rittersaal die Universitätsbibliothek, und es erfolgen zahlreiche Belegungen durch Universitätsinstitute.
  • 1892 wird das Obere Schlossportal von 1538 in der bisherigen Gestalt erneuert (siehe auch Fotogalerie).
  • 1912 wird der Platz für die Bibliothek zu klein, so dass diese wieder auszieht. Sie bezieht den heutigen Bonatzbau in der Stadt.
  • 1933-45 Ein Lehrstuhl für Rassenhygiene wird eingerichtet.[5]
  • 1945 Kurze Nutzung als Kaserne und Gefängnis durch die französische Besatzungstruppen[5]
  • 1956 Der Nordostturm erhält sein ursprüngliches Kegeldach zurück, die bisherige Sternwarte wird entfernt.
  • 1970 Beginn der Sanierung des Haspelturms[5]
  • 1979 beginnt man mit den umfangreichen Restaurierungen der Burg. Bis 1985 kommt es zum Umbau des Süd- und des Westflügels, sowie der Schlosskirche. Die Institute für Ur- und Frühgeschichte, Völkerkunde, Empirische Kulturwissenschaft sowie die evangelische Predigeranstalt finden hier ein neues Zuhause. Im Innenhof werden auf diesen beiden Seiten die ursprünglich an allen Seiten umlaufenden überdeckten Fachwerk-Galerien wiederhergestellt. Auch durch Verputzung und Fugenmalerei an den Mauern, die den rekonstruierten Zustand der Erbauungszeit darstellen, kontrastieren diese beiden Flügel optisch mit den anderen, die oft für die älteren gehalten werden.
  • 1988 werden Nord- und Ostflügel umgebaut. Institute für Archäologie, Ägyptologie, Altorientalistik lassen sich dort nieder.
  • 1997 wird im Nord-und Ostflügel und ein Jahr später auch im Fünfeckturm das Museum Schloss Hohentübingen eröffnet, das unter dem heutigen Namen "Museum Alte Kulturen" die Lehrsammlungen der Institute für Ur- und Frühgeschichte, Ägyptologie, der Klassischen Archäologie (einschließlich der Numismatischen Arbeitsstelle), der Ethnologie und des altorientalischen Seminars zusammenfasst.
    Zu den Highlights zählen beispielsweise eine altägyptische Grabkammer und einige der berühmten Eiszeit-Funde aus Höhlen der Schwäbischen Alb [6], welche die ältesten bekannten Kunstgegenstände der Menschheit (!) sind, z.B. Tierfiguren aus Elfenbein - Mammuts, das Wildpferdchen, Löwen, Wisente, ein Fisch sowie Fragmente einer Flöte aus Vogelknochen.
  • 2009 Restaurierung des Unteren Schlosstors u.a. mit Erneuerung der unteren Sandsteinreliefs.
  • 2015 Einrichtung des ehemaligen Schlosslabors als kleines Museum bei freiem Eintritt.
  • 2023 Eröffnung des Café Musée als Pop-up-Gastronomie im Garten vor dem Oberen Tor.
  • 2023-2024: Anschluss der Heizsysteme im Schloss an das Fernwärmenetz - ausführlicher Bericht im Stadtwerkeblog mit Podcast

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Nicolai

Friedrich Nicolai beschreibt die Etymologie des Namens in seinen Reisebeschreibungen Unter Bayern und Schwaben - Meine Reise im deutschen Süden 1781 wie folgt:

"In Württemberg gibt es drei einzeln stehende Berge, die daher mehr in die Augen fallen und die den Beinamen Hohen führen und ihre Namen von keltischen Völkern ihrer natürlichen Beschaffenheit wegen bekommen zu haben scheinen: Hohentübingen, Hohentwiel und Hohenasperg. Im Keltischen bedeutet O oder Ho jeden erhabenen Ort oder Berg, Hen die Spitze oder den Kopf des Berges. Twyn und Twyin bedeutet Glanz, weiß, schön glänzend; also Ho-hen-Twyn-gen oder Ho-hen-Twyin-gen heißt beides weiße, glänzende Bergspitze. Twyll bedeutet Dunkelheit, also Ho-hen-Twyll dunkle Bergspitze. Vermutlich war der Tübinger Berg als ein Fels weiß und kahl, der Twiel aber mit düsteren Tannen bedeckt."[7]

Heute gilt es hingegen als am wahrscheinlichsten, dass "Tübingen" zusamengesetzt ist aus dem Namen eines alemannischen Anführers "Tuwo" und dem Anhang "-ingen" für eine Ortschaft aus der Besiedlungszeit im 6. Jahrhundert.

Video "Kennen Sie Tübingen? Geheimnisse im und am Tübinger Schloss"[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Institute im Schloss
  2. Museum der Universität (MUT)
  3. Museum Schloss Hohentübingen
  4. Jürgen Sydow: Geschichte der Stadt Tübingen, Band 1, Mohr Siebeck, 1974, Seite 200.
  5. 5,0 5,1 5,2 Weiß, Michael: Das Tübinger Schloß - Tübingen: Verlag Schwäbisches Tagblatt 1996, Seite 107
  6. Vogelherdhöhle
  7. Friedrich Nicolai: Unter Bayern und Schwaben - Kapitel 7. ISBN 3-522-62660-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Tübingen - Altstadt - Schloss Hohentübingen und Umgebung - Ansicht aus OSO (1).jpg
Blick vom Parkhausdach Metropol auf Schlossberg und Schloss