Martinskirche

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Martinskirche
Andachtsstätte
AdresseFrischlinstraße 35
72074 Tübingen
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Martinskirche, Eingangsseite
Blick vom Österberg nach Waldhäuser-Ost und zur Martinskirche
Blick vom Österberg auf den Nordring, die Martinskirche und das Pauline-Krone-Heim

Die evangelische Martinskirche liegt am östlichen Rand des Universitätsviertels an der Ecke Nordring und Frischlinstraße.
Der rötlich-orangefarbene Außenanstrich ist für eine Kirche ungewöhnlich. Diese Farbgebung besteht schon seit der Erbauungszeit.


Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus der informativen Internetseite der Gemeinde:

Am 31. Oktober 1955 wurde die Kirche eingeweiht - nach zweijähriger Bauzeit unter Leitung des Architekten Ulrich Reinhardt (1907-1998).
Die bescheidene Bauweise und eher karge Inneneinrichtung der Kirche entspricht noch dem Lebensgefühl der unmittelbaren Nachkriegszeit, der Dankbarkeit der Menschen für das zum Leben Nötige. Auch heute kommt diese Schlichtheit dem Bedürfnis vieler Menschen entgegen. „Der Architekt war Schüler von Paul Bonatz, einem bedeutenden Verteter der "Stuttgarter Schule" der Zwischenkriegszeit. Deren Stil klingt noch in diesem Bauwerk nach.“[1]
Von weitem betrachtet ragt der Kirchturm kaum über die Nachbarhäuser am Hang hinaus. Aus der Nähe dagegen erheben sich Turm und Kirche hoch über die anliegende Straße. Wer über den grün umfriedeten Kirchplatz die breite Treppe hinaufgeht zur Eingangstür, meint in eine mittelalterliche Schutzkirche einzutreten. Dieser Eindruck wird im Innern bestätigt: die hoch angesetzten Fenster bieten einen hellen, aber hoch gemauerten und gegen außen geschützten Raum. Eine Atmosphäre wie geschaffen für die vielen Flüchtlinge und Spätheimkehrer, die sich damals der neuen Gemeinde zugehörig fühlen sollten.
Trotzdem wirkt die Kirche nach außen nicht abweisend, sondern einladend: Der fast freistehende Turm und der oktogonale Kirchenraum verbreiten durch ihre Gestalt und Farbe einen Hauch mediterraner Leichtigkeit und Wärme. Der Baustil vereint im Äußern und im Innern z. T. sehr heterogene Elemente, und so hat die Kirche trotz ihrer Schlichtheit etwas Heiter-Verspieltes. Der Kirchenraum wird ergänzt durch den im Untergeschoss befindlichen Gemeindesaal mit anschließender Küche. Dort findet während der Woche ein großer Teil des bunten Gemeindelebens statt.

Die Innenrenovierung im Jahr 2005 unter Leitung von Architekt Jürgen Braun setzte sich zum Ziel, die Vorzüge des Kirchenraums zu bewahren und seine Helligkeit und Leichtigkeit noch deutlicher hervorzuheben. Besonders an sonnigen Vormittagen ist der Altarraum nun in ein Spiel von Licht getaucht, mit dem Schatten des Kreuzes an der Altarwand. Stühle statt Bänke (mit etwa 350 Sitzplätzen) haben mehr freien Raum geschaffen und ermöglichen verschiedene Gottesdienstformen. Durch die von Architekt Braun speziell entworfenen Verbindungsstücke zwischen den Stühlen, lassen sich die Stuhlreihen im leichten Bogen stellen, die sich sehr schön dem Oval der Kirche anpassen.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glocken der Martinskirche sind verwandt mit denen der Stiftskirche: Die drei hohen Glocken der Martinskirche führen die phrygische Tonleiter, die in der Stiftskirche mit cis, d, e, fis, gis beginnt, mit den Tönen a, h, cis zu Ende. Zusammen mit der vierten, der e- Glocke, erklingt das melodische Motiv des Adventslieds: "Dein König kommt in niedern Hüllen."[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über breite Stufen und einen fast runden Kirchplatz wird der Besucher zum Kirchenportal geführt. Dessen Schmuck ist der Heilige Martin, eine Bronzearbeit von Suse Müller-Diefenbach (1911-1997) aus dem Jahre 1963. Zwei weitere Arbeiten der Tübinger Künstlerin finden sich im Inneren der Kirche: der Taufstein-Engel (Muschelkalk 1955) und das Kruzifix auf dem Altar (Bronze 1959). Beide sind Stationen der Verkündigung in der Martinskirche ebenso wie Werkbeispiele der Bildhauerin, die sich besonders von Fritz v. Graevenitz, Alberto Giacometti und Marino Marini anregen ließ.

Hingewiesen sei noch auf die neueren Paramente für die Passionszeit und die Osterzeit, die Annerose Wald (Sindelfingen) für die Martinskirche geschaffen hat. Bemerkenswert auch der "David-Stern von Günther Uecker" zur Erinnerung an das Juden zugefügte Leid durch christlichen Antijudaismus. [3]

Martinskirche im Jahr 1955

Gemeindebezirke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde teilt sich in zwei Bezirke: Tal und Berg mit zwei Pfarrer*innen. Die Pfarrämter Tal und Berg sind neben der Martinskirche in der Frischlinstraße 33. Für den Bezirk Nord gibt es seit 2018 eine halbe Pfarrerstelle, daher wurden Teile des nördlichen dem südlichen Bezirk zugeordnet. Die beiden Gebäude der Martinsgemeinde-Berg an der Ecke Paul-Lechler-Straße/Corrensstraße wurden im Juli 2020 geschlossen und wechselten den Besitzer. Der Platz, auf dem seit 1970 das Hermann-Diem-Haus und das Pfarrhaus stehen, wird neu bebaut werden. Entstehen soll ein Wohnprojekt für Menschen mit Assistenzbedarf in der Trägerschaft der Bruderhausdiakonie. Dort eingeplant ist Raum zur Anmietung durch den Stadtteiltreff Schönblick/Winkelwiese und die Martinsgemeinde.

Gottesdienste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonntags um 10 Uhr, Kindergottesdienst gleichzeitig im Martinssaal.
Die Kirche ist werktags gewöhnlich geöffnet.

Tübinger Vesperkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2010 wird hier jeweils für 3 oder 4 Wochen im Januar/Februar die Tübinger Vesperkirche veranstaltet, bei der allen Bürgern ein tägliches kostenloses Mittagessen angeboten wird.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten, Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einschätzung von TÜpedia-Autor HubertQ
  2. Die Martinsgemeinde in Tübingen
  3. Kirchen im Dekanat Tübingen - Stille Schätze, Kunst und Kultur, Kirchengeschichte, Ausflugstipps, Sehenswertes. Hrsg. v. Ev. Kirchenbezirk Tübingen, 2000, Seite 80 f.