Lustnauer Schlacht
Bei der Lustnauer Schlacht kam es zu einem heftigen Tumult, bei dem rechte Studenten am 2. Juli 1925 eine Gewerkschafts-Veranstaltung sprengten, weil dort der linke Professor Emil Julius Gumbel sprach. Zur Unterscheidung von einem Ereignis von 1819 spricht man auch von der "Zweiten Lustnauer Schlacht".
Der Pazifist und Faschismus-Gegner Gumbel aus Heidelberg war von der Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Akademiker eingeladen, einen Vortrag zum Thema "Deutschland und Frankreich" zu halten, wobei es um eine Verständigung beider Länder gehen sollte. Allerdings wurde der Vortrag von Uni und Polizei verboten, sodass die linken Akademiker die Vereinigten Gewerkschaften baten, die Veranstaltung zu übernehmen.
Am Vortag des Vortrags im Hirsch in Tübingen wurde vom "Hochschulring Deutscher Art" eine Anzeige in der Tübinger Chronik veröffentlicht, die vom Geschichtsstudenten Theodor Eschenburg unterzeichnet wurde. Der Hochschulring sprach sich dort gegen den Vortrag Gumbels aus. Der Vortrag sei "eine starke Beleidigung eines jeden teutschen Studenten."
Am Tag der Lustnauer Schlacht wurde bereits am Spätnachmittag der Saal im Hirsch von randalierenden Studenten eingenommen. Auch die Straße wurde von den zu hunderten angerückten Studenten besetzt. Die rund 50 angerückten Reichsbannerleute wurden sogleich von den Studenten angegriffen. Prof. Wilbrandt wollte die Studenten zur Einsicht mahnen, löste aber nur noch größeres Geschrei aus.
Die Studenten waren mittlerweile auf die Stühle gestiegen, andere schlugen mit abgebrochenen Stuhlbeinen zu. Ein fürchterlicher Tumult war ausgebrochen. Es floss Blut und es gab Verletzte. Die Polizei erklärte die Versammlung für beendet.
Daraufhin wurde die Versammlung durch die Vereinigten Gewerkschaften nach Lustnau in den Gasthof Krone verlegt, wo sie als geschlossene Versammlung abgehalten werden sollte. Zunächst konnte Gumbel dort 40 Minuten lang reden. Jedoch folgten die rund 1000 rechten Studenten und formierten sich zum Angriff um die Krone. Daraufhin flogen Holzscheite, Steine und Bierflaschen auf die Fensterscheiben des Gasthofs. Als Waffen wurden außerdem Spazierstöcke, Bohnenstangen, Zaunlatten und Holzprügel eingesetzt. Auch Schüsse wurden auf den Saal gefeuert. Zwölf Studenten und zwei Arbeiter mussten zur ambulanten Behandlung in die Chirurgische Klinik.
In der Krone waren fast sämtliche Fenster kaputt. Daraufhin wurden die Fenster durch das Reichsbanner mit Tischen verbarrikadiert und es kam zu Tumulten. Die Bürger Lustnaus kamen ebenfalls hinzu und setzten sich gegen die Studenten zur Wehr. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Auch die Feuerwehr rückte an und ließ Wasserstrahlen auf die Kämpfenden los. Das Kampfgeschrei soll bis nach Tübingen hörbar gewesen sein. Gegen Mitternacht wurden die Straßen von der Polizei geräumt.
Auch der Landtag setzte sich mit den Vorfällen auseinander. Innenminister Eugen Bolz kritisierte die Polizei, die sich nach den Vorfällen im Hirsch zurückgezogen haben sollen.
Zu einer Gerichtsverhandlung kam es nicht, jedoch soll es für die Studentenführer Disziplinarstrafen gegeben haben.
Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- [1]
- Günter Herre, Gerhard Nagel (Hsg.): Lustnauer Heimatbuch. Geschichtliches und Wissenswertes von unserer Heimatgemeinde Lustnau, Tübingen 2008.