Eckhaus am Neckartor

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Das Eckhaus von Südwesten
Das Haus und die Neckarfront
Das Schnaith'sche Haus mit alter Neckarbrücke, d.h. vor 1899

Das Eckhaus Neckargasse 22 / Eberhardsbrücke bildet den östlichen Abschluss der Neckarfront und ist ein markanter Blickfang an der Neckarbrücke.

Das heutige Haus wurde 1952/53 erbaut und beherbergt im ersten Stock das Restaurant Sanbao. Im Erdgeschoss befindet sich eine Telekom-Filiale und darunter das italienische Restaurant La Torre. In den oberen Stockwerken sind Arzt- und Anwaltspraxen.

Dieser Bauplatz hat eine lange Geschichte, es standen hier mehrere Vorgängerbauten. Allen Gebäuden gemeinsam war der Stadtmauerturm, an den sie jeweils angebaut waren und der bis heute - mal niedriger, mal höher - erhalten blieb.

Walkmühle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt hinter der Stadtmauer am Neckar gelegen, war die Walkmühle die unterste der Mühlen am Ammerkanal, von dem ein Arm hier - damals wie heute - in den Neckar mündet und dem Bau seine erste Bestimmung gab. Wann hier zuerst eine Walkmühle errichtet wurde, ist nicht bekannt. Erstmals schriftlich erwähnt ist sie 1544, als sie von einem Walkmüller namens Martin Laupheim betrieben wurde.

Die Mühle wurde in der Folgezeit vielfach erweitert. Nach dem Rückgang der Erträge der Stadtmühlen seit den 1820er Jahren wegen der Konkurrenz der automatisierten Kunstmühlen wurden die vier städtischen Mahlmühlen 1835 an Privat verkauft. Der letzte Besitzer, der Stadtrat Louis Schnaith, wollte eine moderne Mühle haben und ließ das Gebäude 1880 abreißen, um an seiner Stelle ein modernes zu erbauen. [1]

Bau von 1881[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Louis Schnaith ließ einen stattlichen Gründerzeit-Neubau mit Mansardwalmdach errichten, der in seinem unteren Teil die Kunstmühle enthielt. Der alte Eckturm der Stadtmauer wurde in das Gebäude integriert und dabei aufgestockt. Es hatte ab Straßen-Niveau vier Stockwerke, wenn man die Unter- und Dachgeschosse mitrechnet acht.

Ende der 1890er Jahre, in der Zeit als man Wasserantrieb durch modernere Antriebsarten ersetzte, ließ die Rentabilität der Kunstmühle so stark nach, dass sie aufgegeben wurde.

Opulente Inneneinrichtung des Ludwigsbads

Die Mühle wurde 1899 in die Schwimmhalle umgebaut, die sich "Ludwigsbad" nannte. Es war das erste Tübinger Hallenbad. Das Hallenbad bewährte sich nicht und wurde schon Anfang 1903 geschlossen. Der nächste Umbau beruhte im Wesentlichen darauf, dass der Schwimmbecken abgedeckt wurde. Im April eröffnete das gehobene „Café Ludwigsbad“ in der ehemaligen Badehalle.

Das Café bestand auch nicht allzu lang – nur bis Herbst 1908. 1911 wurde hier das erste Tübinger Kino, das „Metropol“ (später „Tübinger Lichtspiele“) eingerichtet.

1928 schließlich eröffnete hier das vegetarische Restaurant und Tanzcafé „Pomona“, das 1933 als erstes in Tübingen „judenfreies“ Lokal warb und bekannt wurde.

Das Haus wurde im März 1944 durch eine englische Luftmine, die auf das Uhlandhaus fiel, so stark beschädigt, dass es nicht mehr aufgebaut werden konnte.[1]

Neubau 1953[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Nach Kriegsende 1945 stand das schwer beschädigte Pomona-Gebäude noch jahrelang als Trümmerkulisse am Neckartor. In der Ruine betrieb das Reisebüro Reder ein Verkehrsbüro im Auftrag der Stadt. Ende 1947 lagen noch immer Trümmer herum, ragten Ruinen auf. Ihre Beseitigung geriet zu einer lokalpolitischen Posse, bei der sich der Gemeinderat und die Verwaltung gegenseitig die Schuld zuschoben. Obwohl der Schutt noch in den Straßen lag, wurde ein Architektenwettbewerb zur Neugestaltung des Neckartores ausgeschrieben. Die prämierten Entwürfe der Architekten Karl Wägenbaur (2. Preis), Ernst Liedecke (3. Preis) sowie der angekauften Projekte von Karl Weidle, Ulrich Reinhardt und Ernst Breitling wurden Ende Dezember 1947 in der Kepler-Oberschule (heute -Gymnasium) ausgestellt und fanden reges Interesse. Über die Zukunft des Bauskeletts erhitzten sich noch jahrelang die Gemüter: Während die einen dort bereits Parkplätze sahen, wollten andere geschichtsbeflissene Tübinger die Ruine abreißen und originalgetreu wieder aufbauen. Diesem langjährigen Streit, der sich auch wegen eines fehlenden Baulandgesetzes in die Länge zog, setzte der Gemeinderat am Rosenmontag 1952 ein Ende. Mit großer Mehrheit stimmte er einem Vertrag mit dem Eigentümer Rilling zu, der diesen zum Abbruch und Neubau des Gebäudes nach den Plänen des Architekten Liedicke verpflichtete. Zur Entschädigung winkte die Stadt mit 80 000 Mark Zuschuss und einem zinsgünstigen Darlehen von 70 000 Mark...“ [2]

Man hatte sich für einen Kompromiss entschieden: ein modernes Haus, das sich durch seine Form und Gestaltung in die historische Umgebung einpasst. Bis auf die unteren Geschosse wurde auch der Turm abgetragen, aber wieder aufgestockt - aus Proportionsgründen um ein Geschoss niedriger als beim Vorgängerbau. Um den Turm wurde erstmals eine Wendeltreppe angebracht, die eine praktische öffentliche Verbindung zum Zwingel darstellt. Mit dem Spitzgiebel an der Südseite gliedert sich der Neubau auch optisch in die Giebelhäuserreihe der Neckarfront ein.

1953 eröffnete hinter der großzügigen Glasfront im 1. Obergeschoss eine neue Gastronomie ("Café Neckartor"), ab 1975 das "Café Armleder".[3] Mitte der 1990er Jahre folgte das "Neckarbistro", das bis 2009 bestand. Nach einer ca. dreivierteljährigen Übergangszeit mit der Bar Neckarmaier öffnete Ende 2011 das Café-Restaurant Bellevue seine Pforten und blieb bis Mitte 2016. Der Raum im Turm heißt seitdem Hölderlinzimmer. Im September 2016 wurde das Restaurant Sanbao eröffnet.

Alte Abbildungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 Bernhard Sterra: Die Mühlstraße in Tübingen. Zierde der Stadt? Materialien einer Ausstellung, Kulturamt Tübingen, 1990.
  2. Udo Rauch, Antje Zacharias (Hg.): Sieben Jahre Landeshauptstadt. Tübingen und Württemberg-Hohenzollern 1945 bis 1952. Universitätsstadt Tübingen, Kulturamt, 2002.
  3. Tagblatt-Artikel Jan. 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]




- 1 weiteres neues Bild (von der Brücke aus) erwünscht -