Keltengrab

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Der Grabhügel im Mai 2010
Zwei der drei Stelen im Mai 2010
Archäologische Ausgrabung im September 1968, Aufnahme von Prof. Hans Schneider
Teilansicht der archäologischen Ausgrabungsstätte im September 1968, Aufnahme von Prof. Hans Schneider

Das Keltengrab ist ein staatlich geschütztes Kulturdenkmal am östlichen Ortsrand von Kilchberg, an der Straße Am Keltengrab. Es wurde 1968 bei Bauarbeiten entdeckt, anschließend erforscht und bis 1972 wiederhergerichtet. Es handelt sich um einen Grabhügel mit zwei Gräbern aus dem 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. (frühkeltische Hallstattzeit) nebst Beigaben und drei Stelen, die nach neuesten Forschungsergebnissen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. (Jungsteinzeit) stammen.
Eine dort aufgestellte Erläuterungstafel mit Skizzen und Abbildungen wurde im Mai 2010 aktualisiert. Daraus wird im Folgenden zitiert.


Frühkeltischer Grabhügel der älteren Eisenzeit[Bearbeiten]

Der Grabhügel liegt auf einer Niederterrasse des Neckars im Gewann "Auchtert". Die geplante Bebauung des Geländes machte 1968 eine archäologische Grabung erforderlich. Der stark verflachte Hügel enthielt noch zwei Bestattungen.

Grab 1: Brandgrab (um 700 v.Chr.)
Von der hölzernen Grabkammer waren nur noch Reste der nördlichen Wand erhalten. Geborgen wurden nur noch fünf, teilweise ritzverzierte und farbig bemalte Tongefäße. Als Wegzehrung war der im Alter von 20-30 Jahren gestorbenen und auf einem Scheiterhaufen eingeäscherten Frau das Teilstück eines jungen Hausschweins mitgegeben worden. Am Hügelfuß, etwa 5 m westlich der Grabkammer, zeigte sich ein Pflaster von mindestens 30, wohl absichtlich zerschlagenen Tongefäßen. Möglicherweise handelt es sich um die Überreste eines Totenmahls oder einer Opferhandlung.
Grab 2: Körpergrab (um 500 v.Chr.)
Die 3,40 m lange und 2 m breite Grabgrube war in die alte Oberfläche eingetieft. Dabei wurde Grab 1 weitgehend zerstört. Unter einer Packung von Stubensandsteinbrocken lagen die Skelettreste eines 20-40 Jahre alten Mannes. An Beigaben fanden sich ein goldener Ohrring, eine bronzene Gewandbrosche (Fibel) sowie ein dolchartiges Eisenmesser mit fünfnietiger Griffzunge und geschmiedeter Eisenscheide.
Im Zusammenhang mit der Körperbestattung wurde der Hügel (...) vergrößert und mit einem Kranz aus 48 senkrecht gestellten Stubensandsteinen umgrenzt. Auf der Außenseite von zwei Steinplatten sind konzentrische Kreise eingemeißelt. Die Kreisornamente, wohl Sonnensymbole, liegen exakt in der Verlängerung der Mittelachse von Grab 2.
Dem aufwendigen Grabmonument nach zu schließen, hat es sich bei dem männlichen Toten um einen begüterten Hofherrn gehandelt, dessen Wohnplatz in der Nähe des Grabhügelfriedhofs lag.

Der Grabhügel wurde 1972 mit Unterstützung des Landkreises Tübingen und aus Mitteln der Stiftung Dr. Würthner, Schwenningen wiederhergestellt.

Jungsteinzeitliche Steinbildwerke[Bearbeiten]

Die Steinpackung über Grab 2 enthielt die Fragmente von zwei menschengestaltigen Steinbildwerken (Stelen). Ihre Lage im Grab wirkt beabsichtigt.

Auf Stele 1 ist ein menschliches Gesicht mit punktförmigen Augen, dreieckiger Nase und strichförmigem Mund eingearbeitet. Höhe: noch 30 cm.
Stele 2 zeigt in starker Stilisierung einen menschlichen Oberkörper mit stumpfartigem Kopfteil, Punktaugen und Winkelornamenten im Brustbereich. Höhe: noch 45 cm.
Stele 3 fand sich außerhalb des Hügels. Sie ist aus einem Findling aus Stubensandstein herausgearbeitet und stand einst neben dem Hügel. Die scheibenförmige Kopfplatte ist vom plumpen Rumpf abgesetzt und beidseits mit näpfchenförmigen Vertiefungen und plastisch hervortretenden Winkeln verziert. Höhe: 115 cm.

Die Steinfiguren, bei denen es sich wohl um Ahnenbilder, Abbildungen von Toten oder Götterbildnisse gehandelt hat, sind nicht frühkeltisch. Sie gehören einem Endabschnitt der Jungsteinzeit an und datieren in die erste Hälfte des 3. Jahrtausends v.Chr. Sie belegen Kontakte zum Alpenraum und Oberitalien und zählen zu den ältesten menschengestaltigen Steinbildwerken nördlich der Alpen.


Lage[Bearbeiten]


Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]


Siehe auch[Bearbeiten]