Verbindungshäuser

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Alamannen-Haus, Biesingerstraße

Die Häuser der Tübinger Studentenverbindungen befinden sich hauptsächlich in den Bereichen Österberg und Gartenstraße östlich und Schlossberg westlich der Altstadt. Durch ihre oft exponierte Lage und architektonische Besonderheit prägen sie das Stadtbild mit.


Geschichte, Architektur[Bearbeiten]

Aus landsmannschaftlichen Zusammenschlüssen bildeten sich seit 1815 Burschenschaften und weitere Verbindungsformen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte das Verbindungswesen einen Aufschwung, wodurch um 1900 in Tübingen rund 30 Vereinigungen bestanden, denen etwa die Hälfte der Studenten angehörte. Das Korporations- oder Verbindungshaus entstand als neue Bauaufgabe. Wichtigste Räume sind: große Halle, Festsaal und Bibliothek im Erdgeschoss; eventuell Fechtboden im Dach- oder Untergeschoss und die Schlafzimmer. Speziell als Verbindungshaus gebaute Häuser entstanden ab den 1880er Jahren. Das zunächst burgartige Erscheinungsbild (Turm, Erker, Zinnen...) wandelte sich ab ca. 1900 zu dem des repräsentativen bürgerlichen Wohnhauses, verbunden mit der Suggestion familiärer Geborgenheit. - Die Verbindungshäuser erschlossen prominente Wohnlagen; daher nahm etwa ab 1900 mit Rücksicht auf die Stadtsilhouette der behördliche Zwang zur formalen Zurückhaltung zu.
(Quelle: b)


Verbindungen[Bearbeiten]

(Quellen: a-d)

Name Jahr der Gründung Baujahr des Hauses / Umbau,
* = das Haus wurde speziell
zu diesem Zweck erbaut
A - Z: Markierung im Luftbild,
1: nicht im Ausschnitt gelegen,
2: ohne eigenes Haus
Akademische Gesellschaft Stuttgardia 1869 1908 * A
Akademische Verbindung Igel Tübingen 1871 1902 * / 1963 B
Alte Straßburger Burschenschaft Germania 1880 1904 (Erwerb 1952) C
Alte Turnerschaft Eberhardina-Markomannia 1884 1905 / 1954 1
Alte Turnerschaft Palatia 1878 1910 * D
AMV Stochdorphia Tübingen 1857 1905 * E
ATV Arminia zu Tübingen 1887 ? (Einzug 1955) F
A.V. Albertus Magnus Tübingen 1958 (im Wilhelmsstift) 1
A.V. Virtembergia 1873 1911 * G
A.V. Cheruskia Tübingen 1902 1956 H
A.V. Föhrberg (Tübinger Bibelkreis) 1879 1913 * 1
A.V. Guestfalia Tübingen 1859 1903 * / 1959 I
A.V. Hibernia Tubingensis 2008 - 2
A.V. Laetitia Tübingen (Damen) 1986 ? ?
Burschenschaft Germania Tübingen 1816 1896 * / 1931 * Neubau J
Corps Borussia Tübingen 1870 1888, 1907 * K
Corps Franconia Tübingen 1821 1889 * / 1907 / 1924 L
Corps Rhenania Tübingen 1827 1886 * / 1892 / 1911 M
Corps Suevia Tübingen 1831 1952 * (davor Schwabenhaus 1900 *) N
Haus Luginsland 1873 ca. 1953? * (erstes Haus 1902 *) 1
K.St.V. Alamannia Tübingen 1871 1904 * O
K.St.V. Rechberg 1927 1968 * 1
Landsmannschaft Ghibellinia Tübingen 1845 1896 * / 1914 P
Landsmannschaft Schottland Tübingen 1849 1905 * / 1930 Q
Landsmannschaft Ulmia Tübingen 1815 1908 * R
Sängerschaft Hohentübingen
(Vorgänger: Sängerschaft Zollern, 1879)
1952 1908 (Erwerb 1953) S
Straßburger Burschenschaft Arminia 1886 1906 (Erwerb 1952) T
Tübinger Burschenschaft Derendingia 1877 1905 * U
Tübinger Königsgesellschaft Roigel 1838 1904 * V
Tübinger Wingolf 1864 1894 * / 1907 / 1931 X
Turnerschaft Hohenstaufia Tübingen 1878 1902 * Y
V.D.St. Tübingen 1883 ? (Erwerb 1954) 1
Verbindung Normannia Tübingen 1841 1905 * (Pfeil ohne Buchstabe)


Weitere[Bearbeiten]

Von Verbindungen erbaute Häuser bzw. Häuser ehemaliger Verbindungen: Schwabenhaus (Baujahr 1900 *, zuerst Corps Suevia, ab 1959 Jugendclub, 1978 VHS und seit 1998 Ev. Hochschule für Kirchenmusik), Luginsland (Bauj. 1902 *, heute Tagesklinik Wielandshöhe). -
Heute Studentenwohngemeinschaften (Vereine): Saxonia (Bauj. 1902 *), Lichtenstein (Bauj. 1908 *), Rothenburg (Bauj. 1910 *), Nicaria (Bauj. ca. 1950er J. ? *).

Größere Veränderungen[Bearbeiten]

Das erste Germanenhaus (das sogenannte "Bierkirchle") wurde 1931 durch einen schlichten Neubau ersetzt. Das Ghibellinenhaus änderte seine Gestalt durch einen vergrößernden Umbau 1912-14 erheblich. Das Schottlandhaus erfuhr 1930 und 1956 durch Anbauten in ähnlicher Gestalt Erweiterungen. Der Turm des Hohenstaufenhauses wurde 1931 verkürzt. Das Äußere des Hauses Guestfalia wurde durch einen An- und Umbau 1959, mit Ausnahme der Eingangsfront, stark vereinfacht. Das Igelhaus erhielt 1963 einen modernen Anbau.

Fotos[Bearbeiten]

Alte Bilder[Bearbeiten]

"Corporationshäuser der Universitätsstadt Tübingen", ca. 1920

Österberg, Gartenstraße[Bearbeiten]

Schlossberg[Bearbeiten]


Quellen, Literatur[Bearbeiten]

  • a) Kleine Burgen, grosse Villen: Tübinger Verbindungshäuser im Porträt. - Hrsg.: Wilhelm G. Neusel für den ArbeitsKreis Tübinger Verbindungen (AKTV). - 1. Aufl. - Tübingen: Selbstverl. des AKTV, 2009 - ISBN 978-3-924123-70-3
  • b) Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler / Dehio. - Neubearb., Baden-Württemberg II, - München, Berlin 1997  
  • c) Jürgen Sydow: Alt-Tübingen. Verlag Gebr. Metz Tübingen, 1987
  • d) Tübinger Stadtchronik ab 1885
  • e) "Korporationshaus" in Wikipedia