Turnerschaft Hohenstaufia Tübingen

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Gartenseite
Westseite mit Turm und Eingang
Ansicht von Südwesten

Die Turnerschaft Hohenstaufia im CC zu Tübingen in der Stauffenbergstraße 12/1 ist eine farbentragende und pflichtschlagende Tübinger Studentenverbindung mit dem Motto Unitas virtus valet!

Sie wurde 10. Dezember 1878 unter dem Namen "Gothland" in der Gaststätte Kemmler, heute Boulanger, gegründet. Dort erinnert eine Gedenktafel daran. Sie vereint Studenten und Alumni der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Hochschule Reutlingen. Sie wurde 1878 gestiftet und ist Mitglied des Coburger Convents(CC).

Gebäude[Bearbeiten]

Turnerschaft Hohenstaufia Tübingen
Haus der Turnerschaft Hohenstaufia

Schon Anfang der 1890er wurde über den Bau eines Verbindungshauses, auch anhand von ersten Skizzen, diskutiert. Zu konkreten Schritten kam es 1900, als eine Hausbaukommission gegründet wurde; im selben Jahr erfolgte auch der Abriss der bisherigen Konstante, der Wirtschaft zum Hanskarle, um eine neue Straße auf den Österberg zu bauen. 1901 gründete man den Hausbauverein, der ein Grundstück auf dem Österberg erwarb. Mit dem eigentlichen Bau wurde im Februar 1902 begonnen; nach acht Monaten wurde das im neoromanischen Stil errichtete Haus im Oktober 1902 fertiggestellt. Der Stil des Hohenstaufenhauses ist an der repräsentativen deutschen Architektur aus dem Mittelalter angelehnt, genauer an den Kaiserpfalzen der Hohenstaufen-Dynastie. Architekt war Adolf Schiedt (Stuttgart). [1]

Durch Zukauf von Parzellen wurde der Garten 1910 und 1913 erheblich erweitert; in den 1920ern wurden Umbauarbeiten an dem Haus durchgeführt, um größere Räumlichkeiten für die festlichen Anlässe der Verbindung zu schaffen.

Der Turm war ursprünglich (bis 1931) zinnenbekrönt und um ein weiteres, schlankeres Geschoss höher. [2]

Nach der Auflösung Hohenstaufias während der NS-Diktatur ging das Haus an das Reichsstudentenwerk und wurde während des Zweiten Weltkriegs von diversen NS-Parteiorganisationen genutzt; nach dem Ende des Krieges wurde es, wie auch ein Großteil der anderen Verbindungshäuser auf dem Österberg, von der französischen Armee besetzt. Durch ein rechtskräftig eingetretenes Teilerkennungsurteil bekam Hohenstaufia das Verbindungshaus 1951 zurück, die faktische Übernahme von der französischen Besatzungsmacht erfolgte jedoch erst am 8. Oktober 1952. Die Innenausstattung des Hauses war nahezu völlig ausgeräumt, in den darauffolgenden Jahren musste eine enorme Neueinrichtung unternommen werden.

In einem modernen Neubau anbei sind Studentenwohnungen eingerichtet.[3] Das 1998 fertiggestellte Wohnheim ist in Tübingen für eine Studentenverbindung ungewöhnlich. Es wird sowohl von Teilen der Aktivitas, als auch von externen Studentinnen und Studenten bewohnt.

Couleur, Wahlspruch[Bearbeiten]

Die Farben der Turnerschaft Hohenstaufia sind grün-weiß-rot. Burschen tragen ein grün-weiß-rotes Band mit silberner Perkussion, Füxe ein grün-rotes mit silberner Perkussion. Die Studentenmütze ist grün und hat ein markantes Format, den sog. Tübinger Vollschlapp. Der Wahlspruch der Turnerschaft Hohenstaufia lautet Unita virtus valet! (Deutsch: Vereinte Tugend macht stark!)

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Gründung als schwarze, nichtschlagende Verbindung Gothland am 7. Dezember 1878 im heutigen Boulanger in der Tübinger Altstadt wurde die Satzung am 10. Dezember 1878, der als offizieller Stiftungstag der Verbindung gilt, festgelegt. Die Satzung sah eine harmonische Entwicklung von Geist und Körper vor; das Turnen stand stark im Vordergrund. Gothlands Wahlspruch lautete Virtus, Libertas, Humanitas! Als Farben wählte man rot-weiß-grün (von unten gelesen) der 1868 aufgelösten Stiftsgesellschaft Staufia. 1879 wurde als neue Konstante das Hanskarle am Lustnauer Tor bezogen, da die Räumlichkeiten der Kemmlerei zu klein wurden, um alle Mitglieder des Bundes aufzunehmen.

Couleurfoto von 1880

Ab 1. Februar 1880 trat Gothland als farbentragende Verbindung Hohenstaufia auf, die Farben wurden umgedreht und lauteten nun grün-weiß-rot; der Wahlspruch wurde auf Unita virtus valet! umgeändert. Obwohl schon damals öfters gefochten wurde, stand das Turnen formell immer noch im Vordergrund. Erst 1884 wurde das Fechten offiziell und das Turnen fakultativ; 1885 wurde auch die unbedingte Satisfaktion eingeführt, was den allgemeinen Trend unter Studentenverbindungen in dieser Zeit widerspiegelte.[4] 1896 trat Hohenstaufia in den Vertreterconvent deutscher Turnerschaften (VC) ein. 1897 erfolgte die Umbenennung des Bundes in Turnerschaft Hohenstaufia.

Vom 23. Juli 1914 bis 17. Dezember 1919 kam durch den Ersten Weltkrieg das Verbindungsleben praktisch zum Stillstand; viele Hohenstaufen ließen im Krieg ihr Leben. Nach der Wiederaufnahme des Verbindungslebens konnte die Lage jedoch durch zahlreiche Neueintritte erfolgreich bewältigt werden.

1920 erfolgte ein Streit über Fechtfragen mit der Turnerschaft Eberhardina, der vor dem Ehrengericht des VC in Marburg kam. Daraufhin wurden beide Bünde dimitiert, Hohenstaufia wurde jedoch erst nach einem Jahr wieder aufgenommen. Da die Turnerschaft in dieser Zeit ohne festes Paukverhältnis dastand, wurde als Tochterverbindung die Turnerschaft Straßburg gegründet, um genügend Partien finden zu können.

Im Zuge der gegen Studentenverbindungen gerichteten Politik der NS-Diktatur löste sich Hohenstaufia 1936 als einer der letzten in Tübingen gebliebenen Bünde auf. Um trotzdem halbwegs ein Bundesleben zu ermöglichen, traten 113 Hohenstaufen der Kameradschaft Dietrich Eckhart (die Namen dieser "Kameradschaften" wurden von der NSDAP vorgegeben) auf dem Haus der Turnerschaft Palatia ein. Die offizielle Wiedergründung Hohenstaufias erfolgte erst am 10. November 1948 im Hirsch in Derendingen. 1953 erfolgte auch die Vereinigung mit der Turnerschaft Straßburg.

Hohenstaufia und Josef Buchhorn[Bearbeiten]

Im Jahr 1897 wurde bei Hohenstaufia Josef Buchhorn aktiv. 1906 wurde bei einer Kneipe zum ersten Mal das von ihm für Hohenstaufia geschriebene Lied "Student sein, wenn die Veilchen blühen" (in Vertonung von Otto Lob) von der Fuxia gesungen. Das Lied etablierte sich innerhalb von wenigen Jahren als Studentenhymne an allen deutschen Universitäten und ist bis heute eines der wichtigsten und bekanntesten für das deutsche studentische Liedergut.

"Student sein" zählte anfangs vier Strophen, nach dem Ersten Weltkrieg fügte Buchhorn seinen gefallenen Bundesbrüdern zu Ehren eine fünfte hinzu.

Außerdem ist Buchhorn Autor des erfolgreichen Romans "Die Hohenstaufen, ein Tübinger Studentenroman" (1908), der das Bundesleben Hohenstaufias beschreibt, sowie von weiteren Büchern und Gedichten, die vom Verbindungswesen handeln.

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

In alphabetischer Reihenfolge:

  • Otto Barth (1881-1947), württembergischer Oberamtmann und Landrat
  • Kurt Breucker (1934), Richter des Staatsschutzsenates am Oberlandesgericht Stuttgart während verschiedener Prozesse gegen Mitglieder der Roten Armee Fraktion
  • Josef Buchhorn (1875–1954), Journalist, Schriftsteller, Politiker
  • Elmar Doch (1910–1971), Kommunalpolitiker
  • Walter Erbe (1909–1967), Professor für römisches und bürgerliches Recht an der Eberhard Karls Universität Tübingen, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung sowie des Instituts für Auslandsbeziehungen, Politiker (DVP/FDP)
  • Theodor Liesching (1865-1922), Jurist und Politiker, königlich württembergischer Ministerpräsident, danach Finanzminister MdL
  • Otto-Günter Lonhard (1933), Präsident des Rechnungshofs Baden-Württemberg, schwäbischer Heimatforscher
  • Emil von Sauer (1889-1967), Jurist, erster Präsident des Deutschen Anwaltvereins (DAV) nach dem Zweiten Weltkrieg
  • Friedrich Schäfer (1915-1988), Politiker, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion 1961-1966, Staatssekretär im Bundesministerium für Angelegenheiten des Bundesrates und der Länder

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Contubernium - Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Bd. 44. Sigmaringen 1996 ISBN 3-51508-022-8
  • Michael Doeberl et al. (Hrsg.): Das akademische Deutschland. Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 1031.
  • Werner Kratsch (Hrsg.): Das Verbindungswesen in Tübingen. Eine Dokumentation im Jahre des Universitätsjubiläums 1977. Tübingen 1978. S. 46ff.
  • Heinz Kraus: Die Landsmannschaften und Turnerschaften des Coburger Convents. Studentengeschichtliche Vereinigung, 1978. S. 119–120.
  • Turnerschaft Hohenstaufia zu Tübingen im CC (Hrsg.): 130 Jahre Hohenstaufia zu Tübingen (1878-2008). Redaktionelle Bearbeitung: Klaus Kirsten. akadpress, Essen 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Georg Dehio, Dagmar Zimdars: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Baden-Württemberg II – Regierungsbezirke Freiburg und Tübingen. Deutscher Kunstverlag, Berlin, München 1997, S. 729.
  2. 100 Jahre Pfälzerhaus: unter Kurioses befindet sich eine Abbildung des Hohenstaufenhauses im ursprünglichen Zustand von Nordosten (mit der falschen Unterschrift Pfälzerhaus), aus den Tübinger Blättern 1968 - siehe auch unter "Weitere Bilder"
  3. Alt- und Neubau auf hohenstaufia.de/unser_haus
  4. Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Contubernium - Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Bd. 44. Sigmaringen 1996, S. 140

Weblinks[Bearbeiten]