Studentenzeitung Notizen

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Die Studentenzeitung Notizen erscheint ab 1955. In den 1960er Jahren trägt sie mit kritischen Beiträgen zur Rolle der Universität und ihrer Protagonisten in der Zeit des Nationalsozialismus zur Politisierung der Studierenden bei, die dann zu den so genannten Studentenunruhen um 1968, und später zu der Aufarbeitung dieser Zeit in Uni und Gesellschaft etc. führten.

Die Ausgabe vom Mai 1964 ist hier im Internet Archiv zu finden: https://web.archive.org/web/20241205103802/https://www.mao-projekt.de/BRD/BW/TUE/Tuebingen_001/Tuebingen_VDS_Notizen_054.shtml

"Die Ausgabe Februar 1964 der Tübinger Studentenzeitung Notizen verursachte einen Eklat. Der dargestellte Psychiater Hermann F. Hoffmann war 1937 bis 1939 Rektor der Universität Tübingen. Den das Coverfoto mit Inhalt füllenden Heftartikel verfasste der spätere Konkret-Herausgeber Hermann L. Gremliza." Die Abbildung der Notizen-Titelseite sowie weitere Erläuterungen dazu sind zu finden unter: https://literaturkritik.de/public/artikel.php?art_id=1435&ausgabe=51

Der SPIEGEL schreibt 1964 über dieses Porträt: "Zwanzig Jahre lang verstaubte das ungerahmte Werk eines unbekannten Meisters in einem Kellergelaß der Universität Tübingen, ehe es die Studentenzeitung »Notizen« ans Licht der Öffentlichkeit und in ihrer Nummer 53 auf den Titel brachte: Seine Magnifizenz Professor Dr. Hermann Hoffmann Ordinarius für Psychiatrie und Tübinger Rektor der Jahre 1938 bis 1944, in der Uniform eines SA-Führers mit Hakenkreuz-Armbinde, NS-Orden und Rektor-Amtskette großformatig in Öl gemalt."[1]

Patrick Schmitt meint in seinem Blog-Beitrag auf der Seite des Instituts für Geschichtsdidaktik und Public History der Universität Tübingen vom 18. Dez. 2024, dass keine andere Ausgabe dieser Studentenzeitung für ein vergleichbares Aufsehen gesorgt hätte.[2]

Bastian Wade, der Verfasser des Buches „Vergangenheitspolitik im Hörsaal. Tübinger Wissenschaften und ihre Debatten um 1964/65", das 2024 im Verlag Peter Lang erschienen ist, schreibt:[3]


"Gremliza traf mit der 53. Ausgabe der notizen einen Nerv. Die Tübinger Studierendenschaft war bereits Mitte der 1960er Jahre stark politisiert, teilweise auch durch den Austausch mit ausländischen Studierenden, die Themen wie den Algerienkrieg oder die Apartheid in Südafrika in die schwäbische Provinz mitbrachten. Zwei Jahre zuvor hatte die Universität öffentliche Anschuldigungen hinsichtlich der Rolle von Juristen im Nationalsozialismus noch weitgehend geräuschlos abwenden können. Doch nun fiel Gremlizas Generalangriff auf die Universität auf fruchtbaren Boden. Eine eilig vom Tübinger AStA einberufene Vollversammlung der Studierenden im bis zum Bersten gefüllten Audimax zog hitzige Debatten nach sich. Die Mehrheit forderte Aufklärung von der Universität. Es war dies der Moment, in dem an deutschen Hochschulen – in Tübingen und darüber hinaus – der Schweigekonsens der Nachkriegszeit endgültig aufgekündigt wurde."


Ein erste Folge dieser Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit an der Universität Tübingen war die Ringvorlesung 1964/65.[4] (Lesenswerte Leseprobe)

Datei:Collage Tue 1963.jpg
Tübingen 1963: Schweigemärsche und Gedenkveranstaltungen Collage aus Pressefotos von A. Göhner


Deutlich zeigt sich dies auch an den öffentlichen Aktionen, die durch Alfred Göhners Pressefotos dokumentiert sind: Am 21. Feb. 1963 findet eine Gedenkveranstaltung am Geschwister-Scholl-Platz mit ca. 3000 Studierenden statt. Am 9. Nov. 1963, dem 25. Jahrestag der Pogromnacht, führt ein Schweigemarsch von der Gartenstraße (dem heutigen Synagogenplatz) zur Neuen Aula. Noch fünf Jahre zuvor waren entsprechende Bemühungen um ein öffentliches Gedenken am Bürgermeister und am Gemeinderat gescheitert. Am 25. Nov. 1963 findet ein Trauermarsch mit einer Gedenkveranstaltung zu Ehren des ermordeten US-Präsidenten Kennedy mit 8000 Studenten und Bürgern statt. (Fotos auf den Seiten 26. 27, 172)[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.spiegel.de/politik/blick-zurueck-a-f56aa59d-0002-0001-0000-000046174970
  2. https://www.historischer-augenblick.de/professoren-im-zwielicht/
  3. https://www.historischer-augenblick.de/aufstand-gegen-schweigen/
  4. https://www.peterlang.com/document/1488655
  5. Tübinger Szenenwechsel 1950-1970, Alfred Göhner und seine Pressefotos, hrsg. von U. Rauch und A. Zacharias, Tübingen 2006, Tübinger Katalog Nr. 73, hrsg. vom Kulturamt Tübingen