Stiftskirche

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Jubiläumskonzert am 26. Juni 2010 in der Stiftskirche zum 50-jährigen Bestehen der Städtpartnerschaft zwischen Tübingen und Aix-en-Provence[1]
Stiftskirchenturm und Brunnenfigur St.Georg am Holzmarkt
Tauben auf dem Stiftskirchendach. Blick von der Neckargasse aus (2009). Seit 2011 ist auf dem Dachfirst ein Taubenabwehr-Stachelband.
St.Georg als Geräderter. Blick vom Holzmarkt, Ecke Neckargasse.
St.Georg als Drachenkämpfer (links) und der heilige Sankt Martin zu Pferde beim Teilen seines Mantels. Außerdem rechts neben dem Fenster verbaute romanische Steine mit Bögen einer der beiden Vorgänger-Kirchen. Blick vom Holzmarkt auf die Nordwand des Kirchenschiffes (2009).
Der steinerne Lettner hinter dem Altar (2009)
Die Grablege hinter dem Lettner mit dem Grab von Graf Eberhard im Bart im Vordergrund (2009)
Detail eines Stiftskirchen-Fensters
Gottesdienst zur Weihnachtszeit
Blick vom Turm zum Österberg

Die Stiftskirche und ihr Turm sind ein weithin sichtbares Wahrzeichen von Tübingen. Sie liegt genau auf dem Sattel zwischen Österberg und Spitzberg. Der Turm mit seinen bekannten Glocken ist besteigbar und bietet einen tollen Rundumblick ins Neckar- und Ammertal und über die Altstadt. Ca. 170 Stufen führen hinauf, dabei ist auch eine Durchquerung des Dachstuhls (Eintritt inklusive Chor und Grablege 1,-€ / erm. 0,50).

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Kirche hatte zwei romanische Vorgängerbauten, 1191 erstmals schriftlich als Pfarrkirche bezeugt.[2] Der Bau der spätgotischen Kirche begann am 28. März 1470 am Chor. Die Turmseite wurde 1483 begonnen. Der Gottesdienst in der Vorgängerkirche sollte während der Arbeiten möglichst ohne Unterbrechung weiter abgehalten werden können.[3] Gebaut wurde unter der Leitung des Steinmetzes Hans Augstaindreyer aus Wiesensteig. Sein Bildnis und sein Steinmetzzeichen werden auf jeweils einem einzelnen Schild am Gewölbeansatz des nördlichen Seitenschiffs von einem Engel gehalten. Darunter steht sein Name.[4]

Bei den Sanierungs- und Umbauarbeiten, die 1932 begannen, wurden am Übergang von quadratischen zum achteckigen Grundriss des Kirchturmes die stark beschädigten Fialen (steinerne Spitzen) durch vier Plastiken aus Crailsheimer Muschelkalk vom Bildhauer Fritz von Grävenitz ausgetauscht. Diese vier Plastiken stellen die vier Evangelisten dar:

  • Nord-Osten: Stier als Symbol für Lukas
  • Süd-Osten: Engel als Symbol für Matthäus
  • Süd-Westen: Löwe als Symbol für Markus
  • Nord-Westen: Adler als Symbol für Johannes

Stubensandstein aus Dettenhausen und Rhätsandstein aus Pfrondorf wurden zur Erneuerung der angegriffenen alten Steine des Turms verwendet.[3]

Beschreibung von Einzelheiten[Bearbeiten]

Das Chorgestühl steht heute in den Seitenschiffen, da der Chor als Grablege genutzt wird.[1]

Der Chorraum der Kirche, der als erster Bauabschnitt errichtet wurde, diente zunächst als Chorherrenkirche oder Priesterkirche und enthielt einen Hochaltar. Dieser wurde im Bildersturm 1536 vernichtet. Das ehemalige Chorgestühl mit Schnitzereien biblischer Propheten des Chorraumes ist heute im Kirchenschiff aufgestellt.[5]

Der steinerne Lettner trennte den Chor und das Kirchenschiff in die Priester- und die Laienkirche. Diese Trennung wurde mit der Reformation aufgehoben. Er gilt als einer der schönsten gotischen Lettner Süddeutschlands mit kleinen Statuetten in prächtiger Steinmetzarbeit, daneben ein reich verzierter Taufstein von 1497 sowie eine meisterhafte Steinkanzel (1495) mit Maria und den Kirchenvätern).[6]

In der Folge bestimmte Herzog Ulrich den Chorraum zur Grablege des württembergischen Herrscherhauses mit 14 Herrschern und deren Gemahlinnen. Die Chorpfeiler sind mit Apostelfiguren geschmückt.

Das Altarbild ist ein Werk des Dürer-Schülers Hans Schäufelin.[1]

Das Altarbild des Klappaltars von 1520 mit der Leidensgeschichte Christi ist ein Werk des Dürer-Schülers Hans Schäufelin, der in Nördlingen als Stadtmaler tätig war.

Der Innenraum der Kirche wurde in den Jahren 1962-65 grundlegend renoviert, dabei wurde auch die Empore für eine neue Orgel neu gebaut. 2009-11 werden umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Außenwänden durchgeführt.

Die Glasmalereien der Kirchenfenster stammen von 1475 und sind aus der Werkstatt des Peter Hemmel von Andlau, der auch Kirchenfenster in Ulm, Augsburg, Nürnberg, München und Straßburg gestaltete. Im Hauptfenster ist neben dem Stifter Graf Eberhard und dem Schutzpatron der Kirche St. Georg die Marienlegende zu sehen.

Die mit Schieferplatten bedeckte Kirchturmspitze hat innen ein hölzernes Traggerüst, welches nicht ganz gerade ist. Die Spitze ist etwa 8 cm aus dem Lot nach Nord-Westen geneigt. Dieses ist u.a. von der Thiepval-Kaserne im Süden oder den alten Uni-Kliniken Tal im Norden mit bloßem Auge aus zu erkennen. Verursacht wurde diese Schieflage durch Baumaßnahmen im 20. Jahrhundert.[7]

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Hier finden regelmäßig Konzertaufführungen statt. Jeden Samstag um 20 Uhr gibt es die "Motette". Im Juli-September wird der "Tübinger Orgelsommer" veranstaltet. Seit vielen Jahrzehnten spielen am Sonntagmorgen etwa gegen 8.30 Uhr Bläser mit Posaunen oder ähnlichen Instrumenten einige Stücke, besonders Bach, vom Turm der Stiftskirche, was in der ganzen Altstadt zu hören ist.

Grablege[Bearbeiten]

Chor der Stiftskirche: Grablege des württembergischen Herrscherhauses.[1]

In der Grablege im Chorraum der Stiftskirche befinden sich heute die folgenden Gräber:

  • Graf Eberhard im Bart
  • Herzog Ulrich
  • Sabina von Bayern, Frau Herzog Ulrichs
  • Eva Christina von Mömpelgard, Nichte Herzog Ulrichs
  • Graf Ludwig (Vater Eberhards)
  • Mechthild von der Pfalz (Mutter Eberhards)
  • Anna (Tochter Ulrichs)
  • Rudolf von Braunschweig
  • Herzog Christoph
  • Anna Maria, Frau Herzog Christophs
  • Eberhard (1. Sohn Herzog Christophs)
  • Johann Georg von Schleswig
  • Herzog Ludwig (2. Sohn Christophs)
  • Ursula, Frau Herzog Ludwigs

Glocken[Bearbeiten]

Das Uhrwerk im Turm der Stiftskirche

Die Stiftskirche hat neun Glocken in der Disposition h° cis' d' e' fis' gis' und a' – die ältesten (von 1411[8]) noch aus der mittelalterlichen Vorgängerkirche, die jüngsten von 1963. Sie unterscheiden sich nicht nur in Größe, Ton und Ornamenten, sondern haben auch ihre jeweils eigene, zum Teil bewegte Geschichte. Sieben Glocken hängen im Turm und zwei weitere unzugänglich außen in der Turmlaterne.[9] Im Jahr 1587 wurden an den vier Seiten der Stiftskirche Sonnenuhren angebracht, damit man sehen konnte, wieviel Uhr es sei, und im Dezember 1587 wurde die Schlagglocke herausgerückt, damit man den Stundeschlag in der Stadt besser hören konnte.[10]

Besonders bekannt sind die nach ihren Stiftern benannte Breuning-Glocke und die Kienlin-Glocke.

Die älteste noch geläutete Glocke der Stiftskirche, die Dominica, wurde im Jahr 2011 600 Jahre alt. Sie ist mit 3300 kg die zweitschwerste nach der Gloriosa von 1963. Zwei kleinere Glocken in der "Laterne" auf der Turmspitze, von denen eine noch als Schlagglocke betrieben wird, sind ca. 700 Jahre alt. [11]

Die heutige Taufglocke stammt aus dem Jahre 1963. Sie trägt die Inschrift: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Um ihre Vorgängerin gab es im Januar 1720 einen Streit, nachdem der Stuttgarter Glockengießer Christian Reihlente mit zweifelhaftem Erfolg versucht hatte, einen Riss zu reparieren. Der Glockengießer meinte, die Glocke sei in Ordnung und ihr Klang sei erst moniert worden, als er um sein Geld gebeten habe. Noch im Jahr 1891 wurde der Ton der Glocke in der Tübinger Chronik aber als „merkwürdig“ bezeichnet. Am Kranz biete sie ein deutliches „b“, weiter oben statt der erwarteten Oberterz die kleine Unterterz „g“ und ganz oben den schwachen Nebenton „es“.[12]

Die größte Glocke heißt Gloriosa, die „Ruhmreiche“, und wurde am 18. Juli 1963 bei der Glocken- und Kunstgießerei Gebrüder Rincker im hessischen Sinn gegossen. Der Ton der Gloriosa ist das h°. Ihre obere Inschrift lautet: „Der Heiligen Dreieinigkeit sei Lob und Preis in Ewigkeit.“ Den unteren Glockenrand schmückt eine zweizeilige Inschrift: „Zur Einweihung der Kirche nach dem Innenumbau von 1962-1963 / Stadt und Kirchengemeinde Tübingen.“ Sie wird nur selten benutzt: Der Tübinger hört sie praktisch nur an den Festtagen des Kirchenjahrs:[13]

Der Kirchengemeinderat hat das Ziel, die Glocken mit Hilfe eines Hammerwerkes und über eine Tastatur zum Klingen zu bringen. Um die Zahl der spielbaren Melodien zu erhöhen, müssten noch zwei weitere kleinere Glocken gegossen werden, die nicht hin- und herschwingen, sondern nur mit dem Hammer angeschlagen werden. Seit Jahren verfolgt Stiftsmusikdirektor Hans-Peter Braun die Idee, aus den sieben Glocken mit Hammerwerk per Tastatur ein Glockenspiel zu machen. Zum Jahrtausendwechsel 1999/2000 vereinte Hans-Peter Braun alle Glocken der Innenstadtkirchen zu seiner großen Glockenkomposition ‚Klangzeiten’. „Aus dieser Zeit stammt der Einfall, die Glocken der Stiftskirche als Glockenspiel spielbar zu gestalten“, erzählt Braun. „An Ostern könnte zum Beispiel die Melodie von ‚Christ ist erstanden’ erklingen“, erklärt Hans-Peter Braun die neuen Möglichkeiten, „denkbar ist auch, daß das Mittagsläuten zur touristischen Attraktion werden könnte, wenn ihm immer eine Melodie vorausginge.“ Er hat bereits ein kleines Liederbuch verfasst, das die spielbaren Melodien des Gesangbuchs in den notwendigen Transpositionen enthält.[14] [15] Im April 2014 bekam die Stiftskirche zwei neue Glocken mit den Tönen h und cis, die die sieben vorhandenen für das Glockenspiel ergänzen.[16]

So sieht's der Vogel[Bearbeiten]

Koordinaten: 48° 31′ 12" n. Br., 9° 3′ 21" ö. L.

Öffnungszeiten[Bearbeiten]

Die Kirche ist täglich von 9 - 17 Uhr geöffnet. Während der Gottesdienste und Konzerte können Chor und Turm nicht besichtigt werden.

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 Foto: Gerhard Groebe. Aus dem Buch Bildschönes Tübingen
  2. Stadtchronik bei tuebingen.de
  3. 3,0 3,1 Tübinger Blätter, 28. Jahrgang, Ausgabe 1937, Seite 53ff [1]
  4. Tübinger Blätter, 20. Jahrgang von 1929, Seite 15 [2]
  5. die deutsche Wikipedia zur Tübinger Stiftskirche
  6. Stöppel Freizeit Medien: Stadtrundgang. Seite 81.
  7. Details vom Stiftskirchenmessner auf Anfrage von Otto B. am 2.09.2015
  8. https://www.tuebingen.de/2319.html#173.173.184
  9. Kennen Sie Tübingen? – Die Glocken der Stiftskirche
  10. Andreas C. Zell: Ausführliche Merkwürdigkeiten der Würtembergischen Universität Tübingen. 1743, Seite 102.
  11. Die Dominica im Stiftskirchengeläut wird 600 Jahre alt, Artikel von Hans-Joachim Lang im Schwäbischen Tagblatt, 29.8.2011
  12. Peter Ertle: Das dunket mir goetlich. Tagblatt, 22. März 2008.
  13. Die Glocken der Stiftskirche: Die Gloriosa.
  14. Glockenspiel für die Stiftskirche
  15. Millenniumswechsel: Mit De profundis, Da nobis pacem und Lauda Dominum - Tübinger Glockenkonzert zum Jahreswechsel 1999/2000.
  16. Alle Neune für vollen Klang; Zwei neue Glocken in der Stiftskirche ergänzen Geläut zum Glockenspiel. Tagblatt vom 2. April 2014.

Weblinks[Bearbeiten]


Weitere Bilder[Bearbeiten]

Tourist Information[Bearbeiten]

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Während der Regentschaft von Graf Eberhard im Bart wurde nicht nur die Universität begründet, sondern von 1470 bis 1483 auch die Stiftskirche zu St. Georg erbaut.

Im Chorraum fällt der wunderschöne gotische Lettner auf, der ursprünglich den Chor vom Kirchenschiff trennte. Seit der Reformation 1534 befindet sich hinter dem Lettner, im alten Chor, die Grablege von 14 Angehörigen des württembergischen Herrscherhauses.

Das Altarbild des Klappaltars von 1520 ist ein Werk des Dürer-Schülers Hans Schäufelin.

Der Innenraum der Kirche wurde in den Jahren 1962 bis 1965 grundlegend renoviert.


Not only was the university established during the regency of Earl Eberhard the Bearded but St. George’s Collegiate Church was also built between 1470 and 1483.

The eye-catching, gothic rood screen in the church’s sanctuary divides the main alter from the nave. Since the Reformation in 1534, the old sanctuary, which is behind the rood screen, has been the final resting place of 14 members of the House of Württemberg.

The winged altarpiece, created in 1520 is the work of Hans Schäufelin, a student of Dürer.

In 1962 to 1965, the interior of the church was renovated.

Pendant la régence du comte Eberhard le Barbu, non seulement l'université a été fondée, mais aussi fût construite, de 1470 à 1483, la Collégiale de Saint-Georges.

Dans la salle de chœur on remarque le jubé gothique, qui à l'origine séparait le chœur de la nef. Depuis la Réforme, en 1534, est situé derrière la grille du chœur, dans l'ancien chœur, le lieu de sépulture de 14 membres de la dynastie des Wurtemberg.

Le retable de l'autel de pliage de 1520 est le travail de l'élève de Dürer, Hans Schäufelin.

L'intérieur de l'église a été entièrement rénové de 1962 à 1965.