Rudolf Leski
Rudolf Leski (*3. März 1923 in Bad Sulza (Thüringen); † 31. Oktober 1983) war Pädagoge und Erzieher.
Seine Hauptwirkungsstätte lag in Tübingen. Ab 1958 hatte er, zusammen mit seiner Frau Adelheit, die Hauswirtschatslehrerin war, die Leitung der Sophienpflege in Pfrondorf inne.
Im Zuge der 68er-Bewegung entstand Kritik an der klassischen Heimerziehung: Heimkinder sollten nicht mehr in hierarisch geführten Gruppen am Stadtrand und außerhalb der Gesellschaft erzogen werden, sondern aus den Heimen geholt werden. Während einige radikale Forderungen keinen Anklang fanden, nahm man auch in Pfrondorf wahr, dass eine Heimunterbringung nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprach.
1971/1972 entwickelte Rudolf Leski deshalb ein Wohnkonzept mit sozialpädagogischen Außenwohngruppen (AWGs) ein, die zu einem vielfach beachteten Modell für die dezentrale Erziehung wurden und bundesweit Verbreitung fanden: Ziel war es, die Kinder und Jugendlichen in familienähnlichen Lebensgemeinschaften wohnen zu lassen. Die Unterbringung sollte in umliegenden Gemeinden liegen und so eine Integration in bestehende Siedlungen zur Folge haben.
Konkret für Tübingen wurden in Kusterdingen, Kirchentellinsfurt, Wannweil, Dettenhausen, Pliezhausen, Mössingen und Rottenburg Außenwohngruppen mit fünf bis sechs Kindern gegründet, die geschlechts- und altersgemischt mit ausgebildeten Erzieher*innen zusammenwohnten. Die Bewohner*innen nutzten die Kultur- und Sportangebote vor Ort und strukturierten ihren Alltag selbstständig.
Unter Leitung von Rudolf Leski wurde im Jahr 1974 im Pfrondorfer Stammhaus die Fachschule für Sozialwesen eingerichtet, 1982 folgte ein Seminar für Heilpädagogik, in dem eine Aufbauausbildung zum*zur staatlich anerkannten Heilpädagogen*in angeboten wurde.
Die frühere zentrale Einrichtung in Pfrondorf entwickelte sich unter seinem Einfluss zu einem Netzwerk aus Wohn- und Bildungsangeboten im Landkreis Tübingen und Reutlingen, was auch heute noch Bestand hat.
Rudolf Leski starb am 31. Oktober 1983 überraschend an einem Herzinfarkt.
Aus der frühen „Sonderschule am Heim“ und der späteren "Schule für Erziehungshilfe" wurde zu seinen Ehren die Rudolf-Leski-Schule. Heute ist die Schule ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.
Leskis Personalakten werden im Landesarchiv Baden-Württemberg aufbewahrt.
Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Landesarchiv Baden-Württemberg: Rudolf Leski (abgerufen am 17. Mai 2025)
- https://www.deutsche-biographie.de/pnd1012405907.html?language=en&utm_source=perplexity
- Stadt Tübingen (Hrsg.). Menschen(s)kinder! Vom Rettungshaus zur Kinder- und Jugendhilfe 175 Jahre Sophienpflege. Aus der Reihe "Tübinger Kataloge", Nr. 100. 2015 (abgerufen am 15. Mai 2025)
- Sophienpflege: Historie (abgerufen am 17. Mai 2025)