Reitinstitut
Das Reitinstitut der Universität Tübingen sollte sowohl der körperlichen Ertüchtigung als auch der akademischen Ausbildung dienen. Die Gründung geht auf das Jahr 1819 zurück.
1837 wurde auf dem Gelände der heutigen Mensa Wilhelmstraße ein neues Reithaus gebaut. 1877 entstand ein Marstall, 1885 wurde das Reitinstitut zu einer eigenständigen Institution. Die Pferde für den Unterricht wurden zunächst vom Landgestüt Marbach gestellt, ab 1890 wurde diese Aufgabe von den Stallmeistern übernommen.
Von 1890 bis 1941 wurde der Reitbetrieb von der Stallmeisterfamilie Fritz als privatrechtlicher Wirtschaftsbetrieb geführt. Der Universitätsstallmeister war nun nicht mehr beim Staat angestellt, sondern hatte ein privatrechtliches Dienstverhältnis und musste Pferde und Inventar eigenständig zur Verfügung stellen. Durch den Ersten Weltkrieg und die Inflation in den 1920er Jahren kam der Reitbetrieb zeitweise zum Stillstand. 1923 wurde das Reitinstitut dank der Anstrengungen von Studierenden und des damaligen Institutsleiters Professor Köhler wiedereröffnet. Mit dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Pferde des Reitinstituts zu Kriegszwecken eingezogen. 1940 konnte Stallmeister Ernst Fritz zehn Pferde leihweise organisieren, sodass der Reitbetrieb fortgesetzt werden konnte. Mit Kriegsende 1945 wurde das Reitinstitut von den französischen Truppen aufgelöst und die Reithalle in der Wilhelmstraße wurde zur Gefangenensammelstelle umfunktioniert.
Die französischen Offiziere nahmen den Reitbetrieb recht bald wieder auf und gründeten die Société de Concours Hippique de Tübingen. Während Deutsche zunächst nur als Gäste teilnehmen durften, wurde am 29. März 1949 die Tübinger Reitgesellschaft gegründet. Sie versteht sich als Nachfolgerin des Universitätsreitinstituts. Zu Beginn war sie Gast der französischen Garnison in der Wilhelmstraße. Das französische Militär gab das Reithaus jedoch 1957 an das Land Baden-Württemberg zurück, welches das Gebäude an die Reitgesellschaft vermietete. 1961 musste sie dem Neubau der Mensa weichen und zog nach Waldhausen.
Quelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ub info 2025 - 11/12 S. 19-20