Ann-Arbor-Brücke (seit 2024-10-16) | |
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Die Ann-Arbor-Brücke (früher Radbrücke West) stellt eine Verbindung ausschließlich für Fahrradfahrer zwischen dem Behördenzentrum Mühlbachäcker und der Europastraße mit dem Hauptbahnhof dar. Sie führt über die Eisenbahngleise, mündet auf der Seite der Europastraße am Rande des Anlagenparks in einen Radkreisel und ist an das Blaue Band angeschlossen. Die Brücke bildet zusammen mit dem Fahrradtunnel durch den Schlossberg eine durchgängige Nord-Süd-Achse, die bis zu den Uni-Kliniken Berg führt.
Die Brücke ist rund 365 Meter lang, vier Meter breit und an der höchsten Stelle elf Meter hoch. Außerdem ist sie aus Korrosionsschutzgründen bei Frost auf der Oberfläche auf 2-3 °C beheizbar um so kein die Stahlstruktur angreifendes Streusalz verwenden zu müssen. Dieses verlängert die Nutzungsdauer erheblich und spart so unter dem Strich sogar CO2 ein. Somit bietet die Brücke bei Frost Schutz vor Eisglätte und Schnee und spart auch Schneeräumdienste ein.
Die Brücke wird dem noch wieder aufzubauenden Piratenspielplatz als Befestigung von Schaukeln dienen. Die dafür vorgesehenen Halter sieht man bereits auf der Brückenunterseite.
Die Radbrücke ist Teil einer Infrastrukturoffensive, um die im Radverkehrskonzept 2010 genannten Lücken im Radwegenetz der Kernstadt zu schliessen. Vorbild für die Infrastrukturoffensive ist die Fahrradhochburg Kopenhagen. Weitere Bausteine der Infrastrukturoffensive sind das "Blaue Band", die Radbrücken Ost und Mitte sowie die Fuß- und Radbrücke Lustnau.
Der Bau wurde 2019 durch den Gemeinderat beschlossen. Baubeginn war im April 2022. Die Kosten liegen bei 16 Millionen Euro.[1] Der Bau wurde durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Programms "Klimaschutz durch Radverkehr" mit 7,3 Millionen Euro und vom Regierungspräsidium Tübingen mit vier Millionen Euro durch das Programm Rad- und Fußverkehr nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz gefördert.
Damit die Radbrücke gut an das bestehende Radverkehrsnetz angeschlossen ist, haben Radfahrer auf der Seite des Behördenviertels Vorrang vor Autofahrern und können auf großzügigen Radfahrstreifen weiterfahren.
Einweihung am 16. Oktober 2024[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zur Eröffnung veranstaltete die Stadt ein Brückenfest am Mittwoch, 16. Oktober. Beginn war beim Radkreisel (Radkreisverkehr) an der Ecke Derendinger Allee/Europastraße. Wer wollte, konnte sein Rad mitbringen und die Brücke befahren. OB Boris Palmer und Baubürgermeister Cord Soehlke führten die Eröffnungsfahrt mit Regierungspräsident Klaus Tappeser an. Wer ohne Rad da war, aber den Ausblick genießen wollte, konnte in einer Fahrrad-Rikscha Platz nehmen.[2]
Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Brücke hieß ursprünglich Radbrücke West und wurde erst ein paar Monate nach der Eröffnung nach Tübingens Partnerstadt Ann Arbor benannt. Am 10. Juli 2025 wurde die Brücke in Anwesenheit von Gästen aus Ann Arbor offiziell auf den Namen getauft.[3] Dabei wurde auch ein entsprechendes Namensschild an einer Säule der Brücke enthüllt.[4]
Bilder vom Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Ann-Arbor-Brücke an der Wilhelm-Keil-Straße im Bau (Februar 2023)
Erstes Brückenelement wird eingehoben (11.09.2023)
11. April 2024: Blick vom Parkplatz westlich der Südwestecke des Anlagenparks nach Südosten
26. April 2024: Blick von der Südwestecke des Anlagenparks nach Nordwesten
28. Mai 2024
Bilder der fertigen Brücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Der Radkreisverkehr auf der Nordseite
Blick von der Brücke in Richtung Stiftskirche
Blick von der Brücke über die Gleise zum Österberg
Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bereits im Mai 1978 hatte der Tübinger Gemeinderat beschlossen, dass es Studien für eine Verbindung zwischen den Mühlbachäckern und der Uhlandstraße für den Rad- und Fußverkehr geben solle. Im Januar 1979 wurde der Entwurf einer Pylonenbrücke über die Bahnanlagen und die Autostraße dem Gemeinderat vorgestellt. Ziel war insbesondere eine durchgängige Radverbindung und eine Entflechtung der Verkehre. Zudem wurde die Idee einer Unterführung diskutiert. Unter anderem auch, weil von einigen Gemeinderäten die zehn Meter hohe und sehr lange Brücke als ungeeignet für den Fußverkehr angesehen wurde. Mit knapper Mehrheit wurde jedoch entschieden, dass eine Pylonenbrücke gebaut werden solle. Doch schlussendlich wurde 1982 mit einer knappen Mehrheit von einer Stimme das Projekt "Pylonenbrücke" wieder gekippt.
Nach fast 30 Jahren wurde die direkte, komfortable Radwegeverbindung zwischen Uhlandstraße und Mühlbachäcker mit dem Radverkehrskonzept 2010 erstmals wieder formuliert. Zudem inspirierte eine Delegationsreise in 2016 von Gemeinderat und Stadtverwaltung Tübingen nach Kopenhagen dazu, sich verstärkt dem Thema einer separaten Verkehrsinfrastruktur für den Radverkehr anzunehmen. Auf Basis des Radverkehrskonzeptes 2010 reichte die Stadtverwaltung in Folge eine Wettbewerbsskizze für mehrere Sonderbauwerke im Bundesprogramm "Klimaschutz durch Radverkehr" ein. Erfolgreich: Durch den Zuschlag in diesem Bundesprogramm konnte u. a. der Bau der Ann-Arbor-Brücke finanziert werden.
Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- https://www.tuebingen.de/radfahren/31485.html#/31953
- Die ersten 22 Meter der großen Radbrücke stehen, Artikel aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 21.02.2023
- Artikel aus dem Schwäbischen Tagblatt vom 01.06.2020 über das Superradwegenetz mit Brücken
- Radverkehrskonzept Tübingen 2010
- ↑ Boris Palmer eröffnet 365 Meter lange beheizbare Radbrücke West, Tagblatt 17.10.2024 (€)
- ↑ Tagblatt-Artikel "Ein Fest für die neue Radbrücke" vom 15. Oktober 2024
- ↑ Tagblatt-Artikel "Gäste zur Brückentaufe" am 4.7.25
- ↑ Schwäbisches Tagblatt am 10.07.2025: Die Radbrücke West heißt jetzt offiziell Ann-Arbor-Brücke