Verbindung Normannia Tübingen

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Normannenhaus, Herbst 2010
Westgiebel
Die Verbindung musste sich 1936 auflösen und das Haus verkaufen. Danach war hier bis 1945 eine "Reichsbräuteschule" untergebracht. Erst 1953 erhielt die Normannia das Haus zurück.
Haus und Garten von Westen, 1910er Jahre


Die Verbindung Normannia Tübingen liegt in der Stauffenbergstraße 21 auf dem Österberg. Sie wurde 1841 als Verbindung Nordland gegründet. Die Wurzeln der Verbindung liegen in der Tübinger Burschenschaftsbewegung von 1816. Ein Vorläufer war die Schmidteigesellschaft von 1831.

1861 traten Mitglieder nach einem Streit aus dem Nordland aus und gründeten mit den Mitgliedern der Gesellschaft Döblia am 18. November 1861 die Verbindung Normannia. 1862 löste sich daraufhin der Nordland auf. Im Jahre 1877 erkannten sich schließlich Nordland (Alte Herren) und Normannia gegenseitig als Mutter- und Tochterverbindung an, die Fahne des Nordlands ging über in die Obhut der Normannia. Das Gründungsdatum wurde auf das Jahr 1841 zurückdatiert.

Der Name „Normannia“ ist eine Latinisierung des zuvorigen Namens „Nordland“, der wiederum auf die frühere Kneiplokalität der Verbindung, die „Nördlingerei“, zurückgeht.


Die Normannia ist eine farbentragende, nicht-schlagende (seit 1945) und dachverbandsfreie Verbindung männlicher Studenten nach dem Lebensbundprinzip. Die Farben der Verbindung sind Rot-Gold-Weiß. Bestandteil des Paniers (im Herzschild) sind außerdem die Farben Schwarz-Rot-Gold (ursprünglich Schwarz-Gold-Rot). Das Band ist golden perkussioniert. Ihr Wahlspruch lautet „vigor – virtus – libertas“ (Lebenskraft – Tugend – Freiheit). Die Verbindung ist konfessionell und politisch neutral. Sie steht auf dem Boden des Grundgesetzes. Die Verbindung verzichtet auf das Verhältnis „Fux-Bursch“. Die endgültige Aufnahme der Neumitglieder erfolgt nach einer Probezeit von 1-2 Semestern. Die Mitglieder pflegen das Dichten und Reiten. [1]


Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1905 verfügt die Verbindung über ein eigenes Haus mit großem Grundstück. Es ist "ein Flügelbau in barockisierenden Einzelformen unter ausladendem Dach im Landhauscharakter", [2] entworfen von dem Stuttgarter Architekten und Regierungsbaurat Richard Dollinger. 1997 wurde es, auch wegen des gut erhaltenen Originalzustands, unter Denkmalschutz gestellt. [3]

Ähnlich wie bei einigen anderen Verbindungen zog nach dem erzwungenen Verkauf des Hauses eine Parteiorganisation der NSDAP ein, in diesem Fall war es 1936 eine "NS-Bräuteschule",[4] in der künftige Ehefrauen von SS-Männern einen 6-wöchigen Kurs machten. Solche Spezialschulen gab es im Reich nicht viele, entsprechend stark war vermutlich der Andrang.

Nach der Beschlagnahme durch die französische Besatzungsmacht wurde in dem Gebäude 1946 das Französische Kulturinstitut (später ICFA) gegründet, das 1952 in die größere Villa Doblerstraße 25 umzog. 1953 konnte die Verbindung Normannia das Haus zurückerwerben.


Einige Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bekannten ehemaligen Mitgliedern zählen so unterschiedliche Personen wie Christoph Blumhardt (Theologe, Begründer des Christlichen Sozialismus), Oberbürgermeister Hans Gmelin, Helmut Ensslin (ev. Pfarrer und Vater der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin), Kurt Rebmann (Generalbundesanwalt), Eugen Steimle (SS-Standartenführer, Leiter zweier Sonderkommandos von "Einsatzgruppen des SD", zum Tode verurteilter und begnadigter Kriegsverbrecher, später "pietistischer" Gymnasiallehrer), Bundespräsident Horst Köhler (zeitweise).


Distanzierung von der Verbindung Normannia Heidelberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem jüngsten antisemitischen Vorfall der Heidelberger Verbindung Normannia stellte die Tübinger Verbindung Normannia mit einer Presseerklärung vom 9.09.2020 auf ihrer Homepage klar, dass sie mit den etwa 50 Jahre später gegründeten Heidelbergern nicht zu verwechseln seien und nur den Namen teilen. Sie distanzieren sich von den Heidelbergern ausdrücklich und schrieben u.a:

"Die Gesinnung und politische Einstellung der Heidelberger Burschenschaft Normannia war lange kein Geheimnis, wir haben uns entsprechend schon immer klar distanziert und abgegrenzt. Wir hoffen, dass die Verantwortlichen mit den angemessenen rechtlichen Konsequenzen belegt werden.
Für Rassismus, Intoleranz, Antisemitismus und rechtes Gedankengut ist in unseren Reihen kein Platz."[5]

"Die Burschenschaft Normannia zu Heidelberg gibt hiermit die Auflösung ihrer Aktivitas bekannt", heißt es kurz und knapp auf der Internetseite der Heidelberger Verbindung am 3.09.2020. Der Altherrenverein besteht vorerst weiter. [6][7]

Weitere Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Contubernium - Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Bd. 44. Sigmaringen 1996 ISBN 3-51508-022-8

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wikipedia-Artikel zur Verbindung Normannia
  2. Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg Teil II, München/Berlin 1997, S. 729
  3. Gabriele Howaldt: Das Haus der Studentenverbindung Normannia in Tübingen, Gutachten über die Denkmalwürdigkeit, 1990er Jahre, 5 S. mit Abb. (nicht verlinkbar, aber in Google zu finden)
  4. Bräuteschule, Wikipedia
  5. Startseite normannia-tuebingen.de, aufgerufen am 11.09.2020
  6. heidelberg24.de, 11.09.2020
  7. SWR.de/Strafbefehle Normannia Heidelberg, 27.5.2021


Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]