Michael Kuckenburg

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Michael Kuckenburg im September 2025 im Franzwerk
Michael Kuckenburg 1968 mit einem damaligen Polit-Pop-Idol
Anfang 1968 als Bereitschaftspolizist

Michael Kuckenburg (*1947 in Erfurt) ist ein deutscher Lehrer im Ruhestand, der von 1974 bis 2012 am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen die Fächer Geschichte, Politik und Deutsch unterrichtete. Er hat sich in besonderer Weise für eine lebendige, projektorientierte Geschichtsvermittlung engagiert und Generationen von Schülerinnen und Schülern geprägt. Zu Tübingen hat er einen starken Bezug, er lebt wieder hier seit 2007 und hatte zuvor auch in den für ihn prägenden Jahren 1968-73 hier studiert, zudem engagiert er sich auch hier in historischen Dokumentations- und Erinnerungsprojekten.

Selbstvorstellung in Tonaufnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 19.9.2025 wurden einige Tonaufzeichnungen mit Michael Kuckenburg aufgenommen, als O-Ton-Zeitzeugenbeiträge zur der Zeit der 1968er-Studentenunruhen und dem Kulturwandel - oder einer Kulturrevolution(?) - damals, moderiert von Fabian Betz, im Franz!werk.

Biografische Eckdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Kuckenburg wurde 1947 geboren und absolvierte sein Studium der Fächer Deutsch, Geschichte und Politik in Tübingen und Hamburg. Begonnen hatte er mit dem Studium der damaligen Modefächer Soziologie und Psychologie im April 1968 und damit pünktlich zu Beginn der "heißen Phase" der 1968er-Bewegung, zu der er einige Zeitzeugenbeiträge für TÜpedia eingesprochen hat. Nach seinem Referendariat begann er 1974 seine Laufbahn als Lehrer am Goldberg-Gymnasium in Sindelfingen, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2012 tätig war. Er ist verheiratet mit Stefanie Schneider (SWR-Landessenderdirektorin Baden-Württemberg) und Vater eines erwachsenen Sohnes.

Wirken am Goldberg-Gymnasium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kuckenburg zeigte als Lehrer für Geschichte und Politik ein Engagement, das bleibende Spuren vor Ort und in Publikationen hinterließ: so initiierte und betreute er über viele Jahre die Geschichtswerkstatt der Schule - die im April 1933 als vermutlich erste in Deutschland in "Adolf-Hitler-Schule" umbenannt wurde, nur 4 Jahre nach ihrer Gründung.[1] Diese Arbeitsgemeinschaft veröffentlichte unter seiner Leitung sieben Bücher zur Lokalgeschichte und eine Vielzahl von Zeitungsartikeln, vor allem zur NS-Zeit und zur lokalen Geschichte Sindelfingens.[2] Die von ihm betreuten Schülergruppen waren außerdem an der Organisation und Gestaltung von Denkmälern zu Themen wie Bauernkrieg und NS-Zeit beteiligt, wobei die Schülerinnen und Schüler die Denkmalideen selbst initiiert, gestaltet, eingeweiht und teilweise auch für die Finanzierung gesorgt haben.

Zu seinen besonderen historischen Beiträgen zählt die Herausgabe eines ziemlich einzigartigen Kriegstagebuchs („Rundbuch“), das der Abiturjahrgang 1940 der damaligen „Adolf-Hitler-Oberschule für Jungen“ während des Zweiten Weltkriegs führte. Das Dokument wurde von Kuckenburg 1991 für die historische Forschung erschlossen und veröffentlicht.[3]

1998 startete er die Reihe "Gespräche am Goldberg", bei der Prominente von Schülerinnen und Schülern in einer öffentlichen Veranstaltung interviewt wurden, darunter Ministerpräsidenten, Fussball-Größen, Schauspieler:innen und sogar ein Bundespräsident.[4] Das Motto des Goldberg-Gymnasiums („Schule fürs Leben“) geht auf seine Anregung zurück.

Goldberg-Gymnasium Sindelfingen 2025

Pädagogisches Profil und Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Unterrichts- und Projektarbeit legte Kuckenburg Wert darauf, Schülerinnen und Schüler nicht nur mit Wissen zu versorgen, sondern zum forschenden und kritischen Denken zu ermutigen. Besonders wichtig war ihm, aktuelle und historische Themen praktisch erlebbar zu machen – etwa durch Projektarbeiten, Exkursionen und die Auseinandersetzung mit Zeitzeugnissen.

Darüber hinaus engagierte er sich in der Friedensbewegung der frühen 1980er Jahre in Sindelfingen und war Ideengeber und Mitorganisator lokaler gesellschaftspolitischer Initiativen.[5]

Michael Kuckenburg und Tübingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Absolvierung von 493 nach seiner Aussage "trostlosen" Tagen bei der Bereitschaftspolizei Göppingen (damals war das eine halblegale Möglichkeit, dem Wehrdienst zu entgehen - so Kuckenburg im Interview) begann er im Sommersemester 1968 ein Studium an der Uni Tübingen: zuerst kurz die damaligen "Modefächer" Soziologie & Psychologie, dann Deutsch, Geschichte & Politik.

Das Wohnheim "StuDo" zur Zeit des Erstbezugs im April 1968

Er wohnte lange Zeit im Wohnheim "Studo" (heute (2025) Georg-Fahrbach-Haus) auf der Wanne. Zweimal wurde er ins Studentenparlament gewählt: 1969/70 für den "Sozialdemokratischen Hochschulbund", 1971/72 für den "Zentralen Aktionsrat der Fachschaften", einer Vorfeldorganisation der KSG/ML, der Studentenorganisation der heutigen MLPD. 1975 kam es nach eigener Aussage zum Bruch mit der K-Gruppenideologie. 2018 war er Mit-Kurator der Ausstellung "Tübinger Revolten. 1848-1968", zusammen mit Wilfried Setzler und Bernd Jürgen Warneken. Außerdem trug er einige Artikel zur Online-Präsentation "NS-Akteure in Tübingen" der Geschichtswerkstatt bei. Auch bei der wüsten Welle war er schon als Interview-Gast zu hören - und ist es noch in der Mediathek dort. Im September 2025 trug er als Zeit-, Augen- und Ohrenzeuge einige Berichte - auch im Audioformat - zu TÜpedia bei.

Ein Zeitzeuge erinnert sich an die 1968er Zeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veränderungen im Umgang, zwischen Männern und Frauen, Mode, Sprache etc.

Erinnerung an die Besetzung der Räume des Luftschutzhilfsdienstes (LSHD)

Erinnerung an die Mitbestimmung an der Uni - als Mitglied im Studentenparlament:

Veröffentlichungen und öffentliche Arbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michael Kuckenburg ist Autor und Herausgeber mehrerer Bücher zur lokalen Schul- und Zeitgeschichte in Sindelfingen, insbesondere der ausführlichen Geschichte des Goldberg-Gymnasiums. Für sein langjähriges engagiertes Wirken überreichte ihm der damalige Ministerpräsident Günter Oettinger 2008 das Bundesverdienstkreuz am Bande.

  • Buch Geschichtswerkstatt am Goldberg-Gymnasium Sindelfingen: „Restloser, verzehrender Einsatz für Deutschland“: Eine Schulklasse erlebt den Zweiten Weltkrieg. Das Rundbuch des Abiturjahrgangs 1940 der ‚Adolf-Hitler-Oberschule’ Böblingen. Silberburg-Verlag Stuttgart 1991.
  • Beiträge bei Academia.edu

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]