Manfred Korfmann
Manfred Osman Korfmann (* 26. April 1942 in Köln; † 11. August 2005 in Ofterdingen) war ein deutscher prähistorischer Archäologe. Er war seit 1982 Professor am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte lagen auf der Kupfer- und Bronzezeit in Anatolien sowie den Fernwaffen Bogen und Schleuder. Große Bekanntheit erlangte er als langjähriger Grabungsleiter an dem Ort, der als Troia bezeichnet wird und seit Schliemann auch als Geburtsstätte der deutschen wissenschaftlichen Archäologie gilt.[1]
Tübinger Troja-Debatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Korfmann war involviert in eine Auseinandersetzung, die auch als Tübinger Troja-Debatte in Wikipedia zu finden ist, und deren Hochphase in den Jahren 2001/02 stattfand.
Große Anerkennung in der Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Manfred Korfmann wurde für seine Verdienste um die Troja-Ausgrabungen in der Türkei hoch geehrt. Dort liegen die Reste der früher von Homer beschriebenen Küstenstadt, die so sagenumwoben heißumkämpft war zwischen Griechen und Trojanern. Auch Korfmanns umfangreiche Büchersammlung hat ihren Platz dort in einer eigenen Bibliothek gefunden. 2003 hatte er sich aus Verbundenheit zur Türkei und ihrer Bevölkerung den zweiten Vornamen Osman gegeben.
[...] Die Regierung verlieh Korfmann 2003 die türkische Staatsangehörigkeit. Korfmann wurde einen Tag vor seinem Tod Ehrenbürger von Çanakkale, der Bezirkshauptstadt, die 25 Kilometer von Troja gelegen ist. Die türkische Troja-Stiftung hat in einem denkmalgeschützten Gebäude der Stadt die Korfmann-Bibliothek mit der Fachbuch-Sammlung des Archäologen eingerichtet. Die Universität von Çanakkale vergab an Korfmann die Würde eines Ehrendoktors. Die Lizenz, in Troja zu forschen, hatte Korfmann auf Lebenszeit erhalten – auch dies eine besondere Auszeichnung. [...]
Grab in Ofterdingen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Im Sommer 2025 kam es zu einer teilweise öffentlich geführten Debatte um das Abräumen von Korfmanns Grab in Ofterdingen, das mit einem nach 20 Jahren üblichen Friedhofs-Vorgang begann und Wellen bis in die Türkei schlug, weil Korfmann dort als langjähriger Troja-Ausgrabungsleiter hoch angesehen ist. Personen aus der Troja-nahen Universitätsstadt Çanakkale schlugen vor, das Grab dorthin zu verlegen. Auch eine Umbettung auf den Tübinger Stadtfriedhof, auf dem schon viele andere prominente Tübinger Uniprofessoren ruhen, wird wohl in Erwägung gezogen. Aber es gibt auch gute Gründe, die gegen eine Störung der Totenruhe sprechen:
[...] Korfmann, Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Tübingen, leitete die Ausgrabungen in der Ruinenstadt Troja von 1988 bis zu seinem Tod. Während dieser Zeit hat er international ein hohes Ansehen erworben, insbesondere aber in der Türkei. Die 135.000-Einwohner-Stadt Çanakkale machte ihn zu ihrem Ehrenbürger. In dem „Hürriyet“-Artikel wird ausführlich beschrieben, dass Korfmann ursprünglich die Absicht gehabt habe, in Çanakkale begraben zu werden. Davon sei er jedoch mit Rücksicht auf seine Familie abgekommen, weil die Angehörigen dann zu Besuchen der Grabstätte hätten weit reisen müssen. „Hürriyet“ schrieb: „Heute hoffen Studenten, Kollegen und die Menschen in Çanakkale, dass sein Wille verwirklicht wird.“
[...]
Wegen der Querelen um das Ofterdinger Grab bot der Bürgermeister von Çanakkale, Muharrem Erkek, deshalb an, die sterblichen Überreste in die Türkei zu holen.
[...]
Inzwischen hat sich auch die frühere Ortspfarrerin und Seelsorgerin von Korfmann, Gerlinde Feine, zu Wort gemeldet. Die seit 2009 in Böblingen tätige Theologin schickte an Bürgermeister Wagner und die Mitglieder des Gemeinderats einen dreiseitigen Brief, in dem sie genau schilderte, welche Vorstellungen Korfmann für seine Bestattung hatte. „Salopp gesagt: Er bereitete sich auf seinen Tod vor wie auf eine seiner Expeditionen“, schreibt die evangelische Pfarrerin.
Feine weiter: „Ganz bewusst plante er eine evangelische Beerdigung auf dem Friedhof der Gemeinde, die ihm Heimat geworden war.“ Das Grab sollte nach Osten ausgerichtet werden und auch noch identifizierbar bleiben, selbst wenn es den Grabstein nicht mehr geben werde. Sehr beunruhigt hätte ihn aber nach Auffassung von Feine die Vorstellung, dass beim Auflassen der Grabstelle das Erdreich bewegt und an einen anderen Ort verbracht werden würde. Auch deswegen, weil er sich eine besondere „Grabbeigabe“ gewünscht hat. Eine Beigabe, die ein Geheimnis bleiben sollte.